Geschichte

Streit um neue Gedenktafel für Jüdischen Friedhof in Spandau

Eine Gedenktafel erinnert an den ehemaligen Jüdischen Friedhof in Spandau. Kritik daran kommt von der jüdischen Gemeinde Adass Jisroel.

In der Neuen Bergstraße in Spandau wurde eine neue Gedenktafel für einen jüdischen Friedhof aufgestellt, der sich dort bis 1940 befand.

In der Neuen Bergstraße in Spandau wurde eine neue Gedenktafel für einen jüdischen Friedhof aufgestellt, der sich dort bis 1940 befand.

Foto: Jugendgeschichtswerkstatt Spandau

Berlin. An den ehemaligen jüdischen Friedhof in Spandau erinnert seit dem Wochenende eine Gedenktafel. Bis 1940 existierte der Friedhof an der Neuen Bergstraße, auf dem heute als „Alexander Barracks“ bekannten Gelände. Dann beschlossen die Nationalsozialisten, das Areal militärisch zu nutzen. Es folgte eine Rettung der Gräber – und genau deshalb gibt es nun Streit um die neue Gedenktafel.

Kritik kommt von der jüdischen Gemeinde Adass Jisroel, auf deren Friedhof in Weißensee bis heute das „Spandauer Feld“ existiert. Dorthin wurden 1940 in einer wohl einmaligen Aktion die Gräber von mehr als 200 Spandauer Juden überführt, als die Zerstörung des Friedhofs drohte. Doch statt an den Ort des früheren Friedhofs zu erinnern, sollten „die einmaligen Leistungen der Angehörigen dreier jüdischer Gemeinden“ gewürdigt werden, lautet die Kritik. Beteiligt waren die jüdische Gemeinde zu Berlin, die Spandauer Juden und die Gemeinde Adass Jisroel. Die Geschichte, inklusive der Bewahrung der Gräber bis heute, werde nun verzerrt dargestellt.

Ehemaliger Jüdischer Friedhof ist vielen Spandauern unbekannt

Dass es an der Neuen Bergstraße überhaupt einen jüdischen Friedhof gab, ist vielen heute gar nicht bewusst. „Insider wussten von dem Friedhof, in der Spandauer Bevölkerung war er aber absolut unbekannt“, sagt Gudrun O’Daniel-Elmen, Beauftragte für Erinnerungskultur im Evangelischen Kirchenkreis Spandau.

Sie hat die neue Gedenktafel mit der Spandauer Jugendgeschichtswerkstatt entworfen. Einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung für eine angemessene Erinnerung an den jüdischen Friedhof gibt es seit 2017. Auch wenn die Trauerhalle und das Eingangsportal zerstört wurden, lasse sich das Areal heute noch gut erkennen, sagt O’Daniel-Elmen: Anhand eines Hügels, auf dem der Friedhof 1859 errichtet wurde, und daran, dass im Bereich des später zugemauerten Eingangstors die Steine deutlich heller sind als in der übrigen Mauer.

Jüdische Gemeinde Adass Jisroel kritisiert Bezirk Spandau

Zu dem Konflikt mit der Gemeinde Adass Jisroel erklärt O’Daniel-Elmen, sie bedaure sehr, dass kein Konsens gefunden wurde. Die Kritik lasse sie aber auch etwas ratlos zurück. „Meiner Ansicht nach sind das zwei verschiedene Fakten. Es gibt das Spandauer Feld in Weißensee und hier den Ort des ehemaligen Friedhofs, der ja gegen den Willen der Gemeinde verlegt wurde“, sagt sie. „Das war ein sehr starker Eingriff und muss auch angeprangert werden.“ Zumal schon ein Jahr vorher die Synagoge in Spandau zerstört worden sei.

Kritik äußert die Gemeinde Adass Jisroel aber nicht nur am Inhalt der neuen Gedenktafel, sondern auch am Bezirk Spandau. Dieser habe sich bis heute weder grundsätzlich zum „Spandauer Feld“ bekannt, noch Verantwortung für die Pflege übernommen. Stattdessen trage die Aufgabe und Kosten die Gemeinde. Eine Stellungnahme des Bezirks war bis Dienstagabend nicht zu bekommen.

Weiteres Gedenken an jüdischen Friedhof in Spandau geplant

Gudrun O’Daniel-Elmen will sich, trotz der Kritik, weiter dafür einsetzen, dass am Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofs in Spandau über die Gedenktafel hinaus ein Erinnerungsort entsteht. In einer Machbarkeitsstudie für eine geplante Umgestaltung der „Alexander Barracks“ ist ebenfalls vorgesehen, das Friedhofsareal als Gedenkort zu erhalten. Sie könne sich vorstellen, den früheren Eingang wieder herzustellen, das Gelände zu öffnen, sagt O’Daniel-Elmen. „Damit man noch mehr über den Friedhof erzählen kann, als auf einer Gedenktafel.“

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