Berlin-Spandau

Milieuschutz: Anwohnerbefragungen für Gebiete starten

Spandau prüft derzeit, Bereiche in zwei Ortsteilen unter Milieuschutz zu stellen. Dafür finden nun Befragungen von Bewohnern statt.

In der Wilhelmstadt in Spandau.

In der Wilhelmstadt in Spandau.

Foto: David Heerde

Berlin. Der Bezirk Spandau geht den nächsten Schritt auf dem Weg dahin, insgesamt sechs Gebiete unter Milieuschutz zu stellen. Geplant ist dies in den Ortsteilen Wilhelmstadt (Teilbereiche Borkumer Straße und Adamstraße) und Altstadt/ Neustadt (Teilbereiche Eckschanze/ Ackerstraße, Kurstraße, Hohenzollernring und Altstadt/ Stresow). Dort starten jetzt vertiefende Untersuchungen, kündigte Stadtrat Frank Bewig (CDU) im Stadtentwicklungsausschuss an.

Dabei geht es um Befragungen von insgesamt 23.000 zufällig ausgewählten Haushalten in den beiden Ortsteilen, die in den kommenden Wochen stattfinden. „Der Abschluss der Befragungen ist bis Ende des Jahres geplant“, so Bewig. Anschließend sollen die beauftragten Büros die Antworten auswerten, eine Vorstellung der Ergebnisse im Stadtentwicklungsausschuss ist für den Mai 2020 vorgesehen.

Milieuschutz in Spandau: Mieter werden zu Wohnsituation befragt

Wie der Stadtrat weiter erklärt, sollen von Mietern und Eigentümern, die selbst in ihren Wohnungen leben, Informationen zu den Wohnverhältnissen und der sozialen Situation erhoben werden. Dabei geht es auch um Fragen zur Wohndauer, bereits erfolgten Modernisierungen oder zu Mietkosten.

„Die Befragung der Haushalte ist ein wichtiges Instrument, das dazu dient, herauszufinden, ob in den zu untersuchenden Ortsteilen Verdrängung stattfindet und somit die Notwendigkeit besteht, Milieuschutzgebiete festzulegen“, erklärt der Stadtrat. Die Informationen dienen demnach dazu, den Beschluss zu begründen und den genauen Geltungsbereich zu bestimmen.

Gebiete in Spandau auf Aufwertungspotenzial untersucht

Im Sommer hatte der Bezirk bekannt gegeben, dass Gebiete in Spandau unter Milieuschutz gestellt werden sollen. Zur Vorbereitung hatte es ein sogenanntes Grobscreening gegeben, das im April 2019 abgeschlossen wurde.

Dabei wurde geprüft, ob es in bestimmten Gebieten ein Aufwertungspotenzial gibt – einhergehend mit einem wachsenden Druck auf die dortigen Mieter. Die untersuchten Bezirksregionen wurden in vier Kategorien eingeteilt: Verdachtsgebiete, Beobachtungsgebiete, Aufmerksamkeitsgebiete und Gebiete ohne Handlungsbedarf.

In den Verdachtsgebieten finden nun die beschriebenen vertiefenden Untersuchungen statt. Bestätigen sie die Ergebnisse des Grobscreenings, kann der derzeit geltende, vorübergehende Milieuschutz auch förmlich festgesetzt werden.

Städtebauliche Entwicklung soll weiter beobachtet werden

Für die Beobachtungsgebiete empfiehlt das erstellte Gutachten, die Daten des Grobscreenings regelmäßig fortzuschreiben, wobei es hierfür keine festgelegten Zeiträume gibt. Dabei soll im Blick behalten werden, wie die städtebauliche Entwicklung aussieht, ob etwa Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen stattfinden oder vorbereitet werden.

Welche Gebiete in Spandau unter stärkerer Beobachtung stehen, wird allerdings nicht verraten, auch wegen der Befürchtung, dass Wohnungseigentümer dort noch Luxusmodernisierungen vornehmen könnten, bevor ein eventueller Milieuschutz kommt. Genannt als mögliches weiteres Milieuschutz-Gebiet wurde aber immer auch die Siemensstadt, vor allem durch den geplanten Siemens-Innovationscampus und weitere Wohnungsbauprojekte in dessen Umfeld.

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