Berlin-Spandau

Erste Arbeiten an der Siemensbahn sollen Anfang 2020 starten

Die Vorbereitungen für den Siemens-Innovationscampus und die Siemensbahn laufen. Nun gibt es Infos zum aktuellen Stand.

Das Siemens-Verwaltungsgebäude in der Spandauer Siemensstadt. Drumherum soll der Siemens-Innovationscampus entstehen.

Das Siemens-Verwaltungsgebäude in der Spandauer Siemensstadt. Drumherum soll der Siemens-Innovationscampus entstehen.

Foto: Jessica Hanack

Berlin. Noch sieht die Siemensbahn in Spandau verwildert aus, Bahnhöfe sind verfallen und Gleise zum Teil gar nicht mehr vorhanden. Doch es soll nicht mehr lange dauern, bis die ersten Schritte in Richtung Reaktivierung sichtbar werden.

„Erste Änderungen werden sicherlich schon Anfang nächsten Jahres passieren“, sagte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn (DB) für Berlin, kürzlich bei einer Kiezveranstaltung der Berliner CDU-Fraktion. Die Reaktivierung der Siemensbahn hatten Deutsche Bahn und das Land Berlin im Sommer offiziell besiegelt.

Konkret geht es im ersten Schritt um einen Freischnitt der teils stark bewachsenen Strecke, auch um die Trassenführung genauer nachvollziehen zu können. Zudem ist laut Kaczmarek zurzeit eine Spezialfirma damit beschäftigt, das Viadukt der Siemensbahn zu untersuchen. Noch ist nicht endgültig klar, ob das Bauwerk auch in Zukunft genutzt werden kann oder ob die Bausubstanz zu marode ist.

Siemensbahn: Neue Erkenntnisse zum Zustand bis Anfang 2020

2020 soll es aber auch hierzu neue Erkenntnisse geben. „Anfang das Jahres wissen wir das genauer, im Moment sind die Zeichen ganz erfreulich“, sagte Kaczmarek. Die Vorteile, die eine Rettung des historischen Viadukts bringen würde, sind klar: „Das würde die Zeit sehr verkürzen und wäre billiger, als alles neu zu bauen“, so Kaczmarek.

Noch in diesem Monat soll außerdem eine Machbarkeitsstudie für die vor allem vom Bezirk Spandau gewünschte Verlängerung der Siemensbahn über den Bahnhof Gartenfeld hinaus bis nach Hakenfelde ausgeschrieben werden. Auch bei der Veranstaltung betonte Verkehrsstadtrat Frank Bewig (CDU) noch einmal die Bedeutung der Verlängerung.

Verkehrsstadtrat fordert Verlängerung der Siemensbahn mit Nachdruck

Im sogenannten Entwicklungsband West entstehen in verschiedenen Projekten Tausende Wohnungen, „und wir haben jetzt schon Verkehrsprobleme“, sagte Bewig. „Ich sage mit Nachdruck, wir sollten es hinbekommen, dass es eine Verlängerung gibt“, so der Stadtrat. „So ein großes Verkehrsinfrastrukturprojekt wäre ein Signal, auch für die Bewohner, dass wir nicht nur bauen, sondern auch die Verkehrsinfrastruktur schaffen.“

Ein Ergebnis der Machbarkeitsstudie soll bis Ende 2020 vorliegen. Zu klären sein wird bei einer möglichen Verlängerung dann auch, wie diese verlaufen soll – unter- oder oberirdisch.

„Gehen tut alles“, erklärte Kaczmarek. Allerdings sei eine Tunnellösung rund ein Drittel teurer als eine Führung der Siemensbahn über die Havel. Problematisch bei einer überirdischen Trasse könnten allerdings die Wohnungsbauprojekte in dem Gebiet werden, die zum Teil schon laufen.

Zusätzliches Bahngleis am Bahnhof Jungfernheide benötigt

Als Ziel, bis wann die Siemensbahn zumindest bis zum Bahnhof Gartenfeld wieder fahren soll, nennt Kaczmarek die Jahre zwischen 2025 und 2029. Bis dahin sollte dann auch ein neues Gleis am Bahnhof Jungfernheide entstehen, um Konflikte mit der Ringbahn zu vermeiden. „Platz ist da an der Nordseite in Jungfernheide“, so Kaczmarek. Die Entscheidung müsse aber am Ende das Land Berlin als Aufgabenträger treffen.

Fertig wäre die Siemensbahn, die zweigleisig wieder aufgebaut werden soll, dann in jedem Fall, bevor der Siemens-Innovationscampus abgeschlossen ist. Dieser soll bis 2030 fertig werden, erste Bauarbeiten Ende 2021 beginnen. Vorgegangen werden soll dann in fünf Abschnitten, von Osten nach Westen, wie Karina Rigby, Siemensstadt-Projektleiterin bei dem Konzern, sagte.

„Wir arbeiten in Phasen“, erklärte Rigby. Auch der Zaun, der das Siemens-Gelände momentan noch umgibt, soll „in Phasen abgerissen“ werden, um das Areal zu öffnen. Zugangskontrollen soll es künftig nur vor den Fertigungshallen geben. Auch die Einzüge von Bewohnern, wie Firmen und Start-ups, sollen in Phasen verlaufen.

Siemens hat Gespräche mit mehr als 100 Start-ups geführt

„Wir haben mit mehr als 100 Start-ups Gespräche geführt und eine große Datenbank aufgebaut“, sagte die Projektleiterin. Wenn das Eröffnungsdatum näher rücke, werde konkreter, wer tatsächlich auf das Gelände ziehen werde. Es gebe aber 15 Start-ups, die sich in der Zwischenzeit schon auf dem Areal angesiedelt hätten.

Zurzeit läuft für das Siemens-Areal auch die Öffentlichkeitsbeteiligung für die Änderung des Flächennutzungsplans. Diese Änderung „dient dem gesamtstädtischen Planungsziel, den übergeordneten Industriestandort zu einem Zukunftsort mit einer Mischung unterschiedlicher, urbaner Nutzungen weiterzuentwickeln“, heißt es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Auf dem rund 70 Hektar großen Areal auf beiden Seiten der Nonnendammallee sollen unter „überwiegender Beibehaltung der bestehenden industriellen Produktion“ Büros, Räume für Start-ups, Forschung, und Ausbildung, Wohnungen, Hotels, Handel und soziale Infrastruktur entstehen. Noch bis zum 6. Dezember können Bürger ihre Stellungnahmen zu der geplanten Änderung abgeben.

Städtebaulicher Wettbewerb für Siemens-Innovationscampus läuft bis Ende 2019

Die Rede ist dabei von rund 2750 Wohnungen, in Sachen sozialer Infrastruktur sind eine vierzügige Grundschule. zwei Kitas und Jugendfreizeitstätten geplant. Auch Gastronomie soll laut Siemens auf dem künftigen Innovationscampus vorhanden sein.

Zudem läuft für den Siemens-Innovationscampus aktuell auch der städtebauliche Wettbewerb. Daran beteiligen sich 18 Architekten- und Stadtplanungsbüros, unterstützt durch weitere Experten, etwa aus dem Bereich Verkehrsplanung. Mit einfließen sollen dabei auch die Wünsche, die Bürger für den Siemens-Campus geäußert haben.

Ergebnisse aus dem Wettbewerb werden Anfang 2020 präsentiert

Bei dem Wettbewerb gehe es unter anderem um die Frage, wo sich auf dem Gelände künftig Wohnungen befinden sollen und wo die soziale Infrastruktur entsteht. Dabei werde ein übergeordnetes Modell angefertigt, erklärte Rigby, es würden aber noch keine einzelnen Gebäude geplant.

Am 7. und 8. Januar soll das Preisgericht einen Siegerentwurf auswählen, der anschließend in einer Pressekonferenz präsentiert wird. Im Anschluss soll ein sogenannter Masterplan erstellt werden. Dieser wird sich unter anderem mit der Anordnung und Dimensionierung der Gebäude, der Freiraumplanung, der Erschließung und Gestaltung beschäftigen. Eine Detaillierung der Planung erfolgt dann im Rahmen eines hochbaulichen Wettbewerbs, der voraussichtlich im Februar 2020 starten wird.

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