Verkehr

Umbau der Pichelsdorfer Straße: Initiative fordert Radweg

Ab 2020 soll die Pichelsdorfer Straße in Spandau umgebaut werden. Eine Fahrradinitiative kritisiert, dass kein Radweg entstehen soll.

Die Pichelsdorfer Straße in Spandau soll umgebaut werden. Ein Radweg wird aber weiterhin nicht gebaut.

Die Pichelsdorfer Straße in Spandau soll umgebaut werden. Ein Radweg wird aber weiterhin nicht gebaut.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Darauf, dass die Pichelsdorfer Straße in Spandau umgebaut wird, warten viele seit Langem. Der für dieses Jahr geplante Baustart wurde verschoben, mindestens auf den August 2020, weil zunächst noch Arbeiten der Berliner Wasserbetriebe stattfinden müssen. Während der Baubeginn also noch auf sich warten lässt, hat sich nun das im Sommer gegründete „Netzwerk fahrradfreundliches Spandau“ eingeschaltet. Dessen Kritik: Die Planungen sehen vor, dass es an der Pichelsdorfer Straße weiterhin keinen Fahrradweg geben soll.

„Durch die Pichelsdorfer Straße fahren zwei Buslinien im Fünf-Minutentakt“, sagt Angelo Bienek, Sprecher des Netzwerks. „Das ist schon für mich nicht schön, da mit dem Fahrrad lang zu fahren.“ Noch schlimmer sei es für ältere Menschen oder Kinder. Durch den hohen Verkehr hält er es deshalb für notwendig, sichere Radwege anzulegen.

Radwege an der Pichelsdorfer Straße aus Sicht des Bezirksamts nicht möglich

Planungsbüro und Bezirksamt haben jedoch erklärt, ein Radweg sei nicht möglich, weil der Platz nicht reiche. Um diesen zu errichten müssten demnach entweder die Parkspuren an beiden Seiten weggenommen oder die Gehwege schmaler gemacht werden. Mit Verweis auf die Pichelsdorfer Straße als Einkaufsstraße wird das jedoch als keine Option angesehen, zudem hätten sich auch Anwohner und Ladenbetreiber dagegen ausgesprochen.

Um Radfahren dennoch so sicher wie möglich zu gestalten, heißt es, soll die leichte Überbreite der Fahrspuren – sie sind etwa vier Meter breit – beibehalten werden. Für Radfahrer, die die Pichelsdorfer Straße als Ziel haben, sollen mehr Fahrradständer aufgestellt werden. Außerdem wird auf Ausweichmöglichkeiten auf anderen Straßen verwiesen.

Netzwerk-Sprecher verweist auf Tempelhofer Damm als Beispiel

Bienek kann die Argumente nicht ganz nachvollziehen. „Eine Studie hat gezeigt, dass eine Radwegeinfrastruktur auch den Handel ankurbelt. Radfahrer kaufen zwar weniger, aber kommen öfter“, sagt er. Zudem habe sich die Pichelsdorfer Straße gewandelt. Von der früheren Einkaufsstraße sei, auch durch die nahen Spandau Arcaden, nur wenig geblieben.

Der Netzwerk-Sprecher meint auch, dass Kompromisse möglich wären. So hätte man, schlägt Bienek vor, nicht beide Parkstreifen wegnehmen müssen, sondern nur auf einer Seite einen breiten Radweg anlegen können, der dann in beide Richtungen genutzt werden kann.

Er verweist zudem auf den Tempelhofer Damm mit ebenfalls vielen Geschäften, für den kürzlich eine Lösung gefunden worden sei. Dort sollen Radwege zu Lasten von Parkplätzen gebaut, dafür aber ein Parkleitsystem entwickelt werden, das nahe Parkhäuser einbindet. Für Lieferverkehre sind temporäre Ladezonen geplant. In Gesprächen mit den Einzelhändlern seien diese überzeugt worden, sagt Bienek.

Arbeiten der Berliner Wasserbetriebe beginnen im August 2020

Bienek will mit den anderen Mitgliedern des Netzwerks ebenfalls versuchen, mit Anwohnern und Händlern aus der Pichelsdorfer Straße zu reden. Die Planungen noch einmal grundlegend zu ändern, dürfte allerdings schwierig werden: Denn die sind eigentlich schon abgeschlossen.

Im August 2020 wollen die Berliner Wasserbetriebe mit ihren Arbeiten beginnen, bei denen auf insgesamt 3.244 Metern Rohre und Kanäle aus- und neugebaut oder saniert werden sollen. Neben der Pichelsdorfer Straße soll auch die Grimnitzstraße einbezogen werden. „Das für uns tätige Ingenieurbüro hat nun die Planungen beendet“, erklärt Sprecher Stephan Natz. „Wir bemühen uns derzeit um einen gemeinsamen Besprechungstermin mit dem Tiefbauamt, um letzte Details abzustimmen.“ Das Bezirksamt hofft, ebenfalls im nächsten Jahr mit dem Umbau erster Abschnitte starten zu können.

Netzwerk sammelt Bewertungen zu Spandauer Radwegen

Das „Netzwerk fahrradfreundliches Spandau“ will derweil an diesem Sonnabend, 26. Oktober, von 11-13 Uhr am Rathaus Spandau präsent sein und auf einer Landkarte Orte sammeln, an denen es sich besonders gut oder schlecht Fahrradfahren lässt. Spandauer sollen so die Radinfrastruktur im Bezirk bewerten – und damit vielleicht auch einen Anstoß für weitere Straßen geben, die die Initiative künftig in den Blick nimmt.

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