Fresh Tasia

Start-up: Asiatisches Gemüse gibt es jetzt aus Spandau

Fresh Tasia will dem importierten Gemüse etwas entgegensetzen. Indischer Spinat oder vietnamesischer Koriander gehören zum Angebot.

Ralf und Rongrong Szydlewski haben das Start-up Fresh Tasia gegründet. In einem Gewächshaus in Berlin-Spandau bauen sie asiatisches Gemüse an. 

Ralf und Rongrong Szydlewski haben das Start-up Fresh Tasia gegründet. In einem Gewächshaus in Berlin-Spandau bauen sie asiatisches Gemüse an. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Auf 1600 Quadratmetern haben Ralf und Rongrong Szydlewski ein Stück Asien aufgebaut. In ihrem Gewächshaus in Kladow wachsen seit wenigen Monaten indischer Spinat, Schlangenbohnen, vietnamesischer Koriander oder der in Japan beliebte Shiso. Allesamt sind es Gemüse und Kräuter, die eigentlich in Asien angebaut werden. Das Ehepaar holt sie mit ihrem Start-up Fresh Tasia nun nach Berlin – und will damit mehr Vielfalt ins Gemüseangebot bringen.

Die Idee dazu kam vor allem durch Rongrong Szydlewskis persönlichen Hintergrund: Sie kommt aus China, kennt also die dortige Küche. Zu den Gerichten, sagt sie, gehöre viel Gemüse. In deutschen Supermärkten fehle ihr aber die Vielfalt. „Und das importierte Gemüse hat viel weniger Geschmack“, sagt sie. Zudem, ergänzt Mann Ralf, seien Pestizide ein Thema. Die genauen Anbaubedingungen ließen sich von Deutschland aus kaum nachvollziehen.

So entstand bereits vor einigen Jahren der Plan, beliebte Gemüsesorten aus Asien hier anzubauen. In einem Gewächshaus, sodass sie ganzjährig verfügbar sind. „Es gibt zurzeit den Trend, frisch und regional zu kochen. Das Potenzial ist also vorhanden“, meint Ralf Szydlewski. Denn bislang würden die asiatischen Sorten deutschlandweit zwar vereinzelt im Sommer angebaut, wenn die passenden klimatischen Bedingungen vorherrschen. Einen Anbau im Gewächshaus auch während der Wintermonate, gebe es aber noch nicht – zumindest hätten sie bei Recherchen vor ihrer Gründung kein zweites Unternehmen mit dem Konzept gefunden.

Fresh Tasia: Weitere Sorten werden in Kladow getestet

Bis der Plan in die Tat umgesetzt werden konnte, verging aber einige Zeit. Mehr als zwei Jahre haben die beiden nach einem Gewächshaus in und um Berlin gesucht. Durch Zufall, sagt Szydlewski, hätten sie dann den Standort in Kladow gefunden, der auch von der Größe passend für die Anfänge als Start-up war. Auch wenn sie zunächst einiges in Umbau und Sanierung investieren mussten. Das Gewächshaus stand einige Zeit leer, das Dach war undicht. Außerdem mussten technische Anlagen eingebaut werden, um die erforderlichen Temperaturen zu schaffen: 23 Grad am Tag, 18 in der Nacht. Seit Ende Juni nun wachsen die Pflanzen, teilweise in einem von neun Wasserbecken. Acht Gemüse- und Kräutersorten sind bislang soweit, dass sie verkauft werden können. Weitere befinden sich in der Testphase, etwa Schwammgurken. Ziel sei es, ein Angebot von zwölf bis 15 Sorten aufzubauen, sagt Ralf Szydlewski.

Der Anbau sei „so Bio-nah wie es geht“, erklärt er. Pestizide kommen nicht zum Einsatz. Zur Bestäubung fliegen Hummeln durch das Gewächshaus, gegen Schädlinge setze man andere Insekten als Nützlinge ein, auch Schlupfwespen und Marienkäfer fliegen umher. Und man setze auf wassersparende Tröpfchenbewässerung, sagt Ralf Szydlewski. Auf den mineralischen Dünger aber könne man nicht verzichten.

Spandauer Start-up will Online-Shop aufbauen

Verkauft werden Kräuter und Gemüse bislang direkt am Standort am Kladower Damm, außerdem gibt es vier Abholstellen in Berlin und Falkensee. Daneben arbeitet Fresh Tasia mit Restaurants und Hotels zusammen, wo nun das Gemüse auf der Speisekarte getestet werden soll, erklärt Ralf Szydlewski. Zudem soll ein Online-Shop aufgebaut werden, und in der Kreuzberger Markthalle Neun will sich Fresh Tasia ebenfalls demnächst vorstellen.

Um künftig mehr Sorten und mehr Masse anbieten zu können, will sich das Start-up in den kommenden Jahren, zusätzlich zu Kladow, noch einen größeren Standort suchen. Der Plan ist, ein größeres Gewächshaus neben einer Biogas-Anlage zu beziehen, sodass dessen Abwärme genutzt werden kann. „Wir suchen noch Investoren, gerade für unsere Expansionsideen“, sagt Ralf Szydlewski. Auch der Kundenstamm soll natürlich wachsen. Die Preise würden manchen erstmal hoch erscheinen, so der frühere Elektrotechniker. Ein Bund Schlangenbohnen mit etwa 200 Gramm kostet beispielsweise knapp fünf Euro. „Aber Qualität hat ihren Preis“, meint er. Dieses Umdenken setze bei den Menschen inzwischen ebenfalls ein.

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