Wohnungskauf

Menschen hoffen auf Veränderung im Kiez Heerstraße Nord

Nachdem die Gewobag in Spandau 3400 Wohnungen gekauft hat, erwarten die Mieter Verbesserungen. Sie beschäftigt vor allem der Müll.

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh beim Rundgang durch den Kiez Heerstraße Nord.

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) und der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh beim Rundgang durch den Kiez Heerstraße Nord.

Foto: Jessica Hanack

Dass in dem Kiez Heerstraße Nord etwas getan werden muss, das wird an einem verregneten, grauen Morgen wie an diesem Montag besonders deutlich. Die Großsiedlung wirkt trist, einige Fassaden sind verfärbt und hätten eine neuen Anstrich nötig, auf dem Boden – ob neben Sitzbänken oder im Fahrstuhl – liegt Müll. Er könne nur hoffen, dass sich in dem Kiez etwas verändere, sagt so auch ein Mieter, als er zu seiner Wohnung in den 16. Stock hochfährt. Denn in den vergangenen Jahren sei die Entwicklung keine positive gewesen.

Das und mehr gibt der Anwohner dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, und Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) mit auf den Weg, als diese am Montag einen Rundgang durch den Kiez machen. Entlang der Wohnungen, die nun in den Besitz der Gewobag übergehen. Am vergangenen Donnerstag hatte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft bekanntgegeben, dass sie knapp 6000 Wohnungen in Reinickendorf und Spandau von dem Unternehmen Ado Properties aus Luxemburg erworben hat. Dabei handelt sich um ehemalige Sozialwohnungsbestände des Unternehmens GSW, das mittlerweile zur Deutsche Wohnen Gruppe gehört. Vor 15 Jahren hatten sich die Wohnungen, wie die gesamten Bestände der GSW, zuletzt in kommunalem Eigentum befunden. 3400 der Wohnungen, die die Gewobag nun für insgesamt 920 Millionen Euro gekauft hat, befinden sich im Kiez Heerstraße Nord.

Vermüllung im Viertel frustriert die Menschen

Raed Saleh kennt das Viertel gut, er ist dort groß geworden. Seine Mutter lebt heute noch in der Großsiedlung. Auch er sagt, der Kiez habe keine gute Entwicklung genommen. „Die Menschen hier haben das Gefühl, sie wurden vergessen“, sagt Saleh. Viele seien frustriert. Der Fraktionsvorsitzende verweist mehrfach auf die Armut, die viele im Kiez betrifft. Tatsächlich ist das Viertel bereits seit 2005 ein Quartiersmanagement-Gebiet. Mehr als 46 Prozent der Menschen dort beziehen ein Transfereinkommen, die Arbeitslosenquote ist mit knapp zehn Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Wert für Gesamt-Berlin. Fast drei Viertel der Kinder sind von Armut bedroht. Er hoffe, sagt Saleh, dass die Menschen im Kiez, zumindest die Mieter der Ado, jetzt zur Ruhe kommen können. „Es sind große Hoffnungen mit dem Kauf verbunden“, meint Saleh. Diese müssten nun auch von der Gewobag erfüllt werden.

Steigende Mieten sind da ein Thema. Geht man aber danach, was in den Gesprächen am häufigsten genannt wird, so scheint der Müll die Menschen besonders zu beschäftigen. Der werde einfach auf den Boden geworfen, locke Ratten an. Eine Frau erzählt vor der Stadtteilbibliothek, ihr wäre es am liebsten, wenn die Bänke dort wieder verschwinden würden – wegen des Mülls, den die Menschen dort hinterlassen. In Sachen Sauberkeit, meint auch Saleh, müsse von der Gewobag künftig etwas unternommen werden. Außerdem müssten wieder Ansprechpartner oder Handwerker vor Ort für die Mieter da sein.

„Wir brauchen das auch und haben es nötig hier.“

Bei allen Menschen scheint die Nachricht von dem Wohnungskauf aber noch nicht angekommen zu sein, manche reagieren überrascht, andere gleichgültig. Eine, die Begeisterung zeigt, ist Petra Sperling, Geschäftsführerin des Gemeinwesenvereins Heerstraße Nord. „Ich freue mich, dass das Land Berlin schützend seine Hand darüber legt“, sagt sie. „Wir brauchen das auch und haben es nötig hier.“

Allerdings sagt Sperling auch, der Verkauf der GSW-Wohnungen damals sei ein großer Fehler gewesen, auch für die soziale Struktur im Gebiet. In den vergangenen Jahren sei nicht darauf geachtet worden, dass die Bewohnerschaft der Häuser durchmischt ist, sagt Sperling. Das sorgt nun für Herausforderungen – die allerdings allein durch den Wohnungsverkauf an die Gewobag nicht verschwinden werden.

Für Berlin aber muss der Kauf dieser 6000 Wohnungen „nicht das Ende sein“ – sagt zumindest Finanzsenator Kollatz. Der Wohnungsneubau sei zwar das Wichtigste, so der Senator, aber Wohnungsrückkauf, „das ist wiederholbar“. Wichtig sei, dass, wie in diesem Fall, nicht die Haushaltsmittel des Landes ausgegeben würden, sondern eine städtische Wohnungsbaugesellschaft den Kauf finanziere.