Schrauberin

Motoren sind ihr Ding: Warum eine Berlinerin Rennen fährt

Lina van de Mars ist Moderatorin, Rennfahrerin und Mechatronikerin. Nun will die Berlinerin bei einer 24-Stunden-Rallye aufs Podium.

Bereitet sich in ihrer Spandauer Werkstatt auf die Offroad-Meisterschaft vor: die Berlinerin Lina van de Mars auf ihrem Buggy.

Bereitet sich in ihrer Spandauer Werkstatt auf die Offroad-Meisterschaft vor: die Berlinerin Lina van de Mars auf ihrem Buggy.

Foto: Reto Klar

Berlin. Dass Lina van de Mars in der Motorwelt gelandet ist, sagt sie, das hatte auch mit einer Portion Trotz zu tun. Eigentlich hat sie nach ihrem Umzug nach Berlin im Jahr 2000 ein Studium an der Freien Universität begonnen. Das brach sie zwei Jahre später ab – und begann stattdessen eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin. Van de Mars tauschte die Kunstgeschichte-Vorlesung gegen eine Werkstatt, ohne wirkliche Erfahrungen in dem Gebiet zu haben. Sie sei zwar als Schlagzeugerin in der Band „fürs Schrauben“ zuständig gewesen, und habe mit ihrem Vater als Kind Fahrräder repariert.

„Aber ich komme nicht aus einer Autofamilie“, sagt sie. „Ich habe währenddessen erst gemerkt, dass mir das liegt und was für ein tolles Thema das ist.“ Es lag ihr so sehr, dass Autos und Motoren bis heute ihr Leben prägen, in Beruf und Freizeit: Lina van de Mars ist Moderatorin in verschiedenen Autosendungen, sie fährt als Motorsportlerin Rennen und arbeitet in ihrer Freizeit an ihren eigenen Fahrzeugen.

Sie startet mit einem reinen Frauenteam

In den vergangenen Wochen hat sie sich in ihrer Spandauer Werkstatt auf ihr aktuelles Rennen vorbereitet, das an diesem Wochenende stattfindet: 24 Stunden lang geht es bei der Rallye der Deutschen Offroad Meisterschaft auf einem Rundkurs über Felder und Waldwege in Polen. Die 39-Jährige tritt zusammen mit der Rallye-Fahrerin Jutta Kleinschmidt, eine der weltweit erfolgreichsten Frauen im Motorsport, an und erstmals überhaupt mit einem eigenen Team, zu dem auch noch drei Kfz-Mechatronikerinnen und eine Physiotherapeutin gehören.

Ganz bewusst, sagt Van de Mars, habe sie dabei ausschließlich auf Frauen gesetzt. „Es gibt so viele tolle Schrauberinnen“, sagt sie. „Warum also Männer nehmen, wenn es auch Frauen gibt? Wir wollen so auch ein Vorbild für junge Mädchen sein.“ Denn ob bei Motorrennen oder in der Berufsausbildung: Der Frauenanteil nehme zwar zu, Frauen seien aber in dieser Branche immer noch die Ausnahme. Auch deshalb unterstützt die Wahl-Berlinerin Initiativen wie den „Girls’ Day“ oder bietet in ihrer Werkstatt Frauen-Schrauberkurse an, „um sie an das Thema heranzuführen“.

In der Werkstatt wird geschraubt und gedreht

Die Werkstatt von Lina van de Mars liegt nahe der Zitadelle Spandau am Wasser. „Ich wollte in Berlin schon lange eine eigene Werkstatt“, sagt van de Mars, die 2014 auch noch eine Ausbildung zur Mechatronikerin gemacht hat. „Es war aber schwierig, etwas in Berlin zu finden, wo ich mich auch wohlfühle.“ Hier hat sie nun einen ruhigen Platz für sich und ihre Arbeit. Während drinnen geschraubt wird, blühen draußen die Seerosen.

Die Werkstatt befindet sich im Eingangsbereich der Motorworld Berlin. In der Nachbarschaft gibt es eine Sattlerei, und nach und nach sollen weitere Manufakturen angesiedelt werden. Seit zwei Jahren ist sie – nach umfassender Sanierung der Räume – nun hier. Gearbeitet wird in der Werkstatt aber nicht nur an Fahrzeugen. Auch Aufzeichnungen für die Fernsehsendungen, in denen Lina van de Mars Co-Moderatorin ist, finden hier statt.

Schon als Kind hat sie in Sendung mitmoderiert

Derzeit ist die 39-Jährige, die in Mitte lebt, bei der Auto-Charity-Sendung „Mein neuer Alter“, sowie bei dem Motormagazin „Grip“ in der „Grip Garage“ zu sehen. In den Jahren zuvor hatte sie bereits verschiedene andere Sendungen für mehrere Privatsender gedreht, die längste Zeit war sie bei „Der Checker“ dabei. Das Prinzip der Sendung: Auf die Anfrage eines Kunden wurde für diesen ein passender Gebrauchtwagen gesucht, den van de Mars dann technisch überprüft und gegebenenfalls repariert hat. Ein neues Fernsehprojekt ist bereits in Aussicht – mehr verrät sie aber noch nicht.

Dass van de Mars als Moderatorin entdeckt wurde, hat sie ihrer Ausbildung zu verdanken. Ein Kamera-Team, erzählt die 39-Jährige, sei damals wegen eines anderen Drehs in der Werkstatt gewesen und sah an der Wand einen Kalender. Auf einem Bild: Lina van de Mars. Der Fernsehsender DSF (heute Sport1) lud die damalige Auszubildende zu einem Casting ein, van de Mars überzeugte. Schon als Kind, erzählt sie, habe sie eine Sendung mitmoderiert und später, als sie Schlagzeugerin der Popband „Lemonbabies“ war, interviewte sie andere Bands backstage. Den Kalender hat die Mechatronikerin heute noch, jetzt in ihrer Werkstatt.

Dort hat van de Mars zuletzt ihren ersten eigenen Buggy für das Rennen vorbereitet und umgebaut. Sitze, Lenkrad, Kühlung – alles wurde ausgetauscht. Das neue Design hat sie ebenfalls selbst entwickelt. Weil sie zukünftig weiter an der Gestaltung von Fahrzeugen mitarbeiten will, studiert sie zurzeit nebenbei Grafikdesign. Auch den Lkw, in dem das Team schläft, hat van de Mars mit Unterstützung in den vergangenen Monaten technisch auf den neusten Stand gebracht. Das erste Mal Teamchefin und für alles verantwortlich zu sein, das ist für sie etwas Besonderes. Rennerfahrung hat sie dagegen schon seit mehr als zehn Jahren.

Ziel für nächstes Jahr ist das Africa Eco Race

Angefangen hat sie als Moderatorin von Autorennen. „Ich fand das total spannend“, erzählt sie. Als sie 2008 eine türkische Rallye-Fahrerin kennenlernte, die ihr anbot, Copilotin bei ihr zu werden, ergriff van de Mars die Chance, machte ihre Rennlizenz und war wenig später bei der ersten Meisterschaft dabei. „2010 habe ich dann aber beschlossen, dass ich lieber selbst fahren möchte“, erzählt sie und lacht. Seitdem kam einiges an Rennen zusammen, neben Deutschen Meisterschaften auch Rallyes in Portugal und Marokko. „Ich liebe Wüsten-Rallyes“, sagt van de Mars. „Ich liebe die Weite, die Hitze, die Extreme. Morgens fährt man in weichem Sand los und eine Stunde später über Steine und Kamelgras.“

Ihr Ziel ist es, im kommenden Jahr beim „Africa Eco Race“ dabei zu sein. Rund zwei Wochen geht es dabei von Monaco durch verschiedene afrikanische Länder bis zum Senegal. Erst einmal aber gilt es, an diesem Wochenende das 24-Stunden-Offroad-Rennen erfolgreich zu bestehen. Denn van de Mars geht es nicht nur um das Dabeisein: Nach einem zweiten Platz im Jahr 2017 und einem vierten Platz im vergangenen Jahr will sie dieses Mal erneut auf das Podium fahren. Und damit dann allen zeigen: Das schafft man auch als reines Frauen-Team.