Schulreinigung

An Spandauer Schulen fehlen Toilettenpapier und Seife

Die Reinigung der Einrichtungen bereitet Probleme. Auch andere Bezirke klagen. In Neukölln startet ein Bürgerbegehren.

Eine Elternvertreterin an der Kladower Grundschule hat nun dazu aufgerufen, in jeder Klasse wenigstens Toilettenpapier und Seife bei den Lehrern zu deponieren.

Eine Elternvertreterin an der Kladower Grundschule hat nun dazu aufgerufen, in jeder Klasse wenigstens Toilettenpapier und Seife bei den Lehrern zu deponieren.

Foto: Michael Korte

Berlin. Auf fast allen Toiletten fehlt das Toilettenpapier, von Seife und Handtüchern ganz zu schweigen: So heißt es einer Rund-Mail an die Elternvertreter der Kladower Grundschule am Ritterfeld. Gereinigt werde, so heißt es weiter, „so gut wie nichts“.

Offenbar kein Einzelfall im Bezirk, denn auch aus anderen Spandauer Schulen gibt es Rückmeldungen über unsaubere Räume. Und auch in anderen Bezirken spielt das Thema eine Rolle. So hat in Neukölln die Initiative „Schule ein Not“ jetzt ein Bürgerbegehren gestartet. Dort werden nun Unterschriften dafür gesammelt, Reinigungskräfte wieder beim Bezirk einzustellen.

Wechsel bei Reinigungsfirmen

Grund für die aktuellen Probleme in Spandau ist ein Wechsel bei den Reinigungsfirmen. Die Vergabe der Schulreinigung war im vergangenen Jahr europaweit ausgeschrieben worden. Durchgeführt hat die Ausschreibung aber nicht das Bezirksamt selbst, sondern eine Consultingfirma. Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) begründet dies auf CDU-Anfrage mit dem Abgang eines Mitarbeiters der bei der zuständigen Liegenschaftsverwaltung.

Den Zuschlag für die Reinigung habe dann der wirtschaftlichste Bieter erhalten, so Kleebank weiter. Zudem mussten alle Bewerber Qualitätssicherungskonzepte einreichen. Obwohl es weder bei der Quantität – sprich der Zahl der Tage, an denen in den Schulen geputzt wird – , noch bei der Qualität Kürzungen gegeben habe, seien die Einsparungen deutlich: In den vergangenen Jahren wurden je 4,5 Millionen Euro für die Schulreinigung gezahlt, nun sollen es rund 3,3 Millionen Euro sein. Die Consultingfirma erhält einmalig 45 Prozent der jährlichen Einsparung – also 540.000 Euro.

Das halte er für angemessen, so Kleebank. Die CDU kritisiert, dass das Liegenschaftsamt schon 2017 mitgeteilt hatte, nicht in der Lage zu sein, die Ausschreibung selbst durchzuführen. „Man hätte also ein Jahr Zeit gehabt, sich so aufzustellen, dass man es selbst machen kann“, sagte CDU-Fraktionschef Arndt Meißner.

Kinder sollen Klopapier bei Lehrern abholen

Eine Elternvertreterin an der Kladower Grundschule hat nun dazu aufgerufen, in jeder Klasse wenigstens Toilettenpapier und Seife bei den Lehrern zu deponieren. Dieses könnten sich die Kinder dann abholen. Ein Vater sagte der Berliner Morgenpost, mit dem Fehlen des Toilettenpapiers an der gesamten Schule sei ein neuer Tiefpunkt erreicht. Die Schulleitung selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, Kleebank sagte, man habe die Situation geklärt und werde sicherstellen, dass es künftig funktioniert.

Auch an der Martin-Buber-Oberschule, einer der beliebtesten Oberschulen Berlins, hakt es bei der Reinigung. Die Schüler wurden in einer Mitteilung darüber informiert, dass die neue Firma offenbar über zu wenig Kapazitäten bei Personal und Material verfüge, so dass nur sehr wenig gereinigt werde.

Wie Schulleiter Holger Thießen berichtet, betreffe das Problem alle Bereiche der Schule, Toilettenpapier und Seife seien ebenfalls knapp. Die Hausmeisterin versuche, sich neben ihren Aufgaben auch darum zu kümmern. „Aber wie soll sie das alleine schaffen?“ Thießen erzählt weiter, die zuständigen Mitarbeiter des Bezirksamts seien informiert und er habe nicht das Gefühl, von den Spandauer Ämtern alleingelassen zu werden. „Aber eine Lösung wurde bislang noch nicht gefunden“, sagt er.

Zwei Bezirksamtsmitarbeiter sollen Reinigung überprüfen

Auch beim Bezirksschulbeirat sei das Thema Reinigung, vor allem der Toiletten, am Dienstagabend „sehr hochgekocht“, sagt der Vorsitzende Thorsten Hartje. „Wir sind weiter dran“, betont er. „Das Schulamt hat uns versichert, sie machen alles und kümmern sich.“

Tatsächlich hat das Bezirksamt nach eigenen Angaben zwei Mitarbeiter damit beauftragt, die Schulen zu besuchen, um sich vom Reinigungserfolg zu überzeugen. Künftig soll es zudem Kontrollen in den Schulen geben, die den Firmen im Vorfeld nicht angekündigt werden.

Bürgermeister Kleebank räumt ein, dass der Schulanfang - gerade durch das neue Personal - nicht ohne Schwierigkeiten war. Bei diversen Schulen wird in einer Übersicht des Bezirksamts etwa auf Personalmangel verwiesen. Er sieht die Reinigung aber auf einem guten Weg, zumal er sagt, dass es auch bei den alten Firmen Rückmeldungen gegeben habe, dass die Schulen nicht zufrieden waren.

Brandbrief und Demonstration in Neukölln

In Neukölln sind solche Probleme nicht neu: Die Sonnen-Grundschule machte schon zu Beginn des letzten Schuljahres mit einem Brandbrief und einer Demonstration auf Missstände aufmerksam. „Wir haben in den letzten Tagen mit mehreren Schulen und Hausmeistern gesprochen“, sagte Philipp Dehne von der Bürgerinitiative „Schule in Not“. Das Ergebnis: „Auch zu Beginn dieses Schuljahres gibt es wieder Probleme“.

Als Ursache sieht er die Vergabe der Dienstleistungen an externe Firmen. Die Unternehmen würden sich mit ihren Preisen oft unterbieten, sodass Reinigungskräfte großen Zeitdruck hätten. Deshalb setzt man sich mit dem Bürgerbegehren „Saubere Schulen“ für die Rekommunalisierung der Reinigung ein. Bis Jahresende sollen 7000 Unterschriften zusammenkommen. Interesse am Bürgerbegehren gibt es auch aus anderen Teilen Berlins.

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses, sieht ein Problem darin, dass die Schulen wegen der Knappheit an Plätzen heute oft voller sind. Das, so Heise, bedeute auch mehr Schmutzeintrag und damit unsaubere Schulen, weil nur einmal – oftmals am späten Abend – gereinigt wird. Der Landeselternausschuss fordert deshalb, dass vor allem die Toiletten an allen Berliner Schulen künftig zweimal täglich gereinigt werden.