Verkehr

Heerstraße: Berlin braucht 400 Tage für 1200 Meter Radweg

Eine Ausschreibung sieht für die Bauarbeiten auf dem Abschnitt 400 Werktage vor. Nun soll sie geprüft werden.

Der Radweg an der Heerstraße soll neu gemacht werden. Doch die Planungen ziehen sich seit Jahren.

Der Radweg an der Heerstraße soll neu gemacht werden. Doch die Planungen ziehen sich seit Jahren.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Radfahrer in Spandau müssen sich weiter gedulden: Wann der Abschnitt zwischen Frey- und Stößenseebrücke fertig wird, das scheint weiter unklar. Denn inzwischen gibt es zwar eine öffentliche Ausschreibung für die beidseitigen Bauarbeiten auf der rund 600 Meter langen Strecke. Doch die sieht als Bauzeit gut 400 Werktage vor - und soll deshalb nun noch einmal von der Senatsverwaltung für Verkehr überprüft werden.

Man prüfe Planungen für Querschnitt und Baustelle, um gegebenenfalls Veränderungen zu erreichen, teilt ein Sprecher auf Nachfrage mit. Das bedeutet auch: Die Ausschreibung könnte wieder zurückgezogen werden und dann noch einmal neu starten. Je weiter sich alles in Richtung Herbst und Winter verschiebt, desto größer wird aber auch das Risiko von Frost und damit, dass die Bauarbeiten am Ende gar nicht mehr in diesem Jahr, sondern erst im nächsten Frühjahr starten.

Baumstümpfe an der Heerstraße mussten bereits zweimal beschnitten werden

Es wäre nicht die erste Verzögerung bei dem Projekt. Eigentlich sollten die Arbeiten schon im vergangenen Jahr beginnen - weshalb im Frühjahr 2018 61 Bäume zwischen Frey- und Stößenseebrücke gefällt wurden. Doch aus dem Baubeginn wurde nichts, stattdessen mussten in diesem Sommer die Baumstümpfe nun zum zweiten Mal beschnitten werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Die Kosten sollen laut Senatsverkehrsverwaltung jedes Mal bei gut 2000 Euro gelegen haben.

Der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz berichtet, er habe den zuständigen Staatssekretär auf die gefährliche Situation durch die austreibenden Bäume hingewiesen - daraufhin sei schnell reagiert worden. Die Planungen aber kritisiert Buchholz deutlich: „Ich fühle mich zu 100 Prozent bestätigt, dass dort voreilig Bäume gefällt wurden“, sagt er.

Dass die Ausschreibung nun überprüft wird, hält er für absolut notwendig. „Es gibt dringenden Überarbeitungsbedarf“, so der Abgeordnete. Eine derart lange Bauzeit sei niemandem zumutbar. Dabei gehe es um Auto- und Radfahrer, aber auch die vielen Busse, die täglich auf der Heerstraße unterwegs sind.

Mittelfristig soll Radschnellweg an Heerstraße entlang führen

Der alte Radweg an der Heerstraße ist deutlich zu schmal, außerdem uneben. Laut derzeitiger Ausschreibung ist im ersten Bauabschnitt der Neubau eines 1,60 Meter breiten Rad- sowie eines zwei Meter breiten Gehwegs vorgesehen. Im zweiten Teilabschnitt soll ein gemeinsamer, drei Meter breiter Rad- und Fußweg entstehen, weil für getrennte Wege der Platz fehlt. Außerdem soll die Straßenbeleuchtung erneuert und eine Bushaltestelle barrierefrei werden. Geplant ist, während der Bauarbeiten vier der fünf Spuren befahrbar zu halten, lediglich die jeweils angrenzende äußerste Spur müsste gesperrt werden.

Allerdings: Mit der „West-Route“ wird aktuell auch eine weitere Radschnellverbindung geplant, die von der Spandauer Landesgrenze zu Dallgow-Döberitz (Havelland) bis zum S-Bahnhof Tiergarten führen soll. Die geplante Trasse verläuft entlang der Heerstraße - und schließt damit den Abschnitt zwischen Frey- und Stößenseebrücke ein. Möglich also, dass dort in einigen Jahren schon wieder Arbeiten anstehen. Verschiedene Routenvarianten sollen in der kommenden Woche vorgestellt werden.

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