Natur

Einen Meter gesunken - Der Groß Glienicker See schrumpft

Anwohner sorgen sich, weil der Wasserstand seit Jahren deutlich sinkt. Gründe liegen im Wetter. Einfache Lösungen gibt es nicht.

An der Badestelle Moorloch beim Groß Glienicker See ist zu sehen, wie der See austrocknet. Der Bootssteg endet im Nichts.

An der Badestelle Moorloch beim Groß Glienicker See ist zu sehen, wie der See austrocknet. Der Bootssteg endet im Nichts.

Foto: David Heerde

Berlin.. Die Stimmung ist friedlich an diesem Abend am Groß Glienicker See. Es ist ruhig, ein paar Schwimmer ziehen ihre Bahnen, ein Kind spielt am Strand. Das Wasser ist still und klar. Und dennoch sorgen sich die Anwohner um ihren See. Denn das Gewässer, das zwischen Kladow und Groß Glienicke liegt, schrumpft. „Wir haben zehn Prozent des Wassers verloren und wir müssen aufpassen, dass es nicht noch schlimmer wird“, sagt Andreas Menzel von der Bürgerinitiative Groß Glienicker See.

Amtliche Daten zeigen: In den vergangenen 15 Jahren ist der Wasserstand um mehr als einen Meter zurückgegangen – von früher 31,20 Meter über dem Meeresspiegel auf zuletzt gut 30 Meter. Die Wassermenge, die verloren gegangen ist, entspräche zehn Millionen Badewannen, sagt Menzel. Der Groß Glienicker See ist dabei kein Einzelfall. Das Problem der sinkenden Wasserstände gäbe es an einigen Seen um Berlin, sagt Ulrike Franzke, Leiterin des Bereichs Abwasser der Berliner Wasserbetriebe. Auch der Weiße See in Pankow oder der Straussee in Strausberg würden Wasser verlieren.

Sinkender Wasserspiegel beeinflusst Natur negativ

Sichtbar wird das Problem am Groß Glienicker See vor allem auf der Berliner Uferseite. Zahlreiche Stege wurden dort in der Vergangenheit gebaut. Stege, die heute nutzlos sind, weil sie nicht mehr ins Wasser reichen. Auch an der Kladower Badestelle Moorloch befinde sich ein Steg, der früher von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft genutzt worden sei, so Menzel. Jetzt dient er höchstens noch als

Sitzmöglichkeit. Die großen Erlen, deren Wurzeln früher im See standen, sind heute acht Meter vom Wasser entfernt.

Auf den sinkenden Wasserspiegel wollen Menzel und die weiteren Mitglieder der Bürgerinitiative aufmerksam machen. Deshalb haben sie kürzlich zur „Groß Glienicker Seekonferenz“ eingeladen, um mit Vertretern der Berliner Wasserbetriebe und der Stadt Potsdam über das Thema zu sprechen. Der schrumpfende See beschäftigt die Menschen, vor allem die, die den See schon lange kennen und nun von den Veränderungen berichten. Etwa, dass sie heute im Schlamm versinken, wenn sie in das Wasser gehen. Der Schlamm war schon immer da, nur befand er sich früher weiter im Inneren des Sees – dort, wo die Menschen schon geschwommen sind. Hinzukommt der negative Einfluss auf die Natur. Zwar sei der gute ökologische Zustand des Sees noch nicht gefährdet, aber der Rückgang des Wasserspiegels wirke sich negativ auf einzelne Arten im Ufer - etwa das Schilf - aus, teilt die Senatsumweltverwaltung mit.

Groß Glienicker See bekommt weniger Grundwasser

Das Problem hängt vor allem mit dem abnehmenden Regen in den vergangenen Jahren zusammen. Statt früher 600 bis 700 Liter pro Quadratmeter im Jahr, seien es heute eher 400 bis 500, sagt Menzel. Außerdem verdunstet bei wärmeren Temperaturen mehr Wasser. Und durch die zunehmende Bebauung in der Umgebung werden mehr Flächen versiegelt, das Regenwasser wird in die Kanalisation abgeleitet statt im Boden zu versickern. So nimmt der Grundwasserspiegel in der Region ab. Vom Grundwasser aber ist der Groß Glienicker See abhängig, der zudem nur ein kleines Einzugsgebiet hat.

Etwas gegen den sinkenden Wasserspiegel zu unternehmen, scheint derweil nicht leicht. Ulrike Franzke verweist auf ein neues Regenentwässerungskonzept für einen Teil Kladows. Zu diesem gehört auch ein offenes Becken, in das künftig Regenwasser geleitet werden soll. Dort soll das Wasser gereinigt werden, anschließend das benachbarte Feuchtbiotop auffüllen und damit auch dem See zugutekommen. „Allerdings ist das verschwindend gering im Vergleich zu dem, was aus dem See verdunstet“, räumt Franzke ein.

Senatsverwaltung sieht keine kurzfristigen Möglichkeiten

Wasser aus der Havel in den See zu pumpen – so wie es bei der Grunewaldseenkette seit vielen Jahrzehnten gemacht wird – sei laut Franzke zwar technisch wohl möglich, allerdings mit hohen Aufwand und Kosten verbunden. So müsste das Wasser umfassend aufbereitet werden, um die notwendige Qualität für den See zu haben. Von der Senatsverwaltung für Umwelt heißt es schlicht: „Es bestehen keine kurzfristigen Möglichkeiten zur Stützung des Wasserstandes. Notwendig wären ergiebige Regenfälle.“

Auch Menzel meint, dass es keine leichte Lösung gibt. Aber er sieht mehrere Ansätze. „Ein Ziel wäre, dass man den Grundwasserspiegel wieder erhöht.“ Dazu müsse man den Kreislauf schließen, schauen, ob man gereinigtes Abwasser, wieder im Boden versickern lassen kann, statt es abzuleiten. Außerdem hält Menzel die in Brandenburg begonnene Umwandlung von den vielen Nadel- hin zu Mischwäldern für wichtig und dass Grundstückseigentümer möglichst wenig Fläche versiegeln.

Arbeitsgruppe will den See weiter im Blick haben

In der Politik werde das Problem, dass der Wasserspiegel sinkt, bislang kaum wahrgenommen, findet Menzel. Daran will man arbeiten. Auch mit einer Arbeitsgruppe, zu der neben Mitgliedern der Bürgerinitiative auch Vertreter aus Kladow gehören. Denn, meint Menzel, dieser Sommer sei sicher nicht der letzte, in dem man einen schrumpfenden See erlebe.

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