Spandau

Gutspark Neukladow soll neues Tourismus-Highlight werden

Knapp 15 Millionen Euro sollen in Ausbau und Umgestaltung von Park und Gebäuden fließen. Museum, Theater und Gastronomie sind geplant.

Das Gutshaus Neukladow soll künftig ein Museum beherbergen. Auch der umliegende Park wird umgestaltet.

Das Gutshaus Neukladow soll künftig ein Museum beherbergen. Auch der umliegende Park wird umgestaltet.

Foto: Foto: Anikka Bauer

Berlin. Spandau plant in im Süden des Bezirks ein neues Tourismus-Ziel: Der Gutspark Neukladow soll in den kommenden Jahren neu gestaltet werden, um damit als Kultur- wie Naturerlebnisort Besucher, Radtouristen und Spandauer anzuziehen. „Wir wollen den Gutspark zu einem Highlight machen“, sagt der für Kultur und Wirtschaft zuständige Stadtrat Gerhard Hanke (CDU). „Das kann ein Kleinod für den Bezirk werden.“ Vorgesehen ist, auf dem Gelände ein Naturtheater, ein Museum, Gastronomie und einen weiteren Veranstaltungsort zu etablieren.

Grafik vergrößern

Befürwortet werden die Ideen des Bezirks auch von der Senatsverwaltung für Wirtschaft. „Wir unterstützen die Pläne, den Gutspark Neukladow zu einem neuen Tourismusziel im Süden Berlins zu entwickeln“, teilt ein Sprecher mit, die Senatsverwaltung stehe in engem Kontakt mit dem Bezirksamt. Der Park sei zudem ein gutes Beispiel für das derzeitige Tourismuskonzept der Stadt, wonach Besucher verstärkt in die Außenbezirke gelenkt werden sollen. „Wir wollen den Qualitätstourismus auch außerhalb von Mitte und Kreuzberg entwickeln“, sagt Senatorin Ramona Pop (Grüne).

Projektbüro für die Umgestaltung des Gutsparks Neukladow soll eingerichtet werden

Idyllisch ist der Gutspark Neukladow schon jetzt. Er liegt direkt an der Havel mit Blick bis zum Wannsee, ist Gartendenkmal und Landschaftsschutzgebiet. In dem Park befindet sich ein Herrenhaus, das um 1800 erbaut wurde, ebenfalls unter Denkmalschutz steht und inzwischen ein Café beheimatet. Außerdem führt der Havelradweg durch den Park.

Bis vergangenen Monat gab es eine Bürgerstiftung, die sich um das Areal gekümmert hat, die nun aber aufgelöst wurde. Stattdessen liegt die Verantwortung jetzt beim Bezirk, der in den vergangenen Monaten bereits ein Nutzungskonzept für den Gutspark erarbeitet hat. Laut einem Beschluss des Bezirksamts soll mit neuen Mitarbeitern demnächst extra ein Projektbüro eingerichtet werden

Günstig sind die Pläne nicht: Um sämtliche Umgestaltungs- und Neubauarbeiten umzusetzen, würden laut derzeitigen Schätzungen knapp 15 Millionen Euro benötigt. Zuversichtlich ist man im Bezirk dennoch – teilweise wurden Fördermittel bereits bewilligt, teilweise zumindest die Förderfähigkeit bestätigt. Unter anderem sollen einige Millionen aus dem Programm zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur fließen. Die Summe, die der Bezirk selbst tragen müsste, würde, wenn alles wie geplant läuft, bei deutlich unter zwei Millionen Euro liegen.

Bezirk Spandau will mehr Kulturangebote in Kladow schaffen

Für die Bauarbeiten im Außenbereich gibt es bereits Vorplanungsunterlagen, die zurzeit geprüft werden. Demnach sollen der Havelradweg ausgebaut und zwei Straßen soweit wieder hergestellt werden, dass die Anbindung des Parks unter anderem in Richtung Kladower Hafen verbessert wird. Außerdem ist ein Naturtheater vorgesehen, dessen Bespielung zum Teil durch den Bezirk verantwortet werden soll. „Wir bieten als Bezirk heute zu wenig Kultur in Gatow und Kladow an“, sagt Hanke. „Wir müssen dort mehr präsent sein.“

Außerdem soll ein Gutsplateau mit Aussicht auf die Havel rekonstruiert werden, ein historischer Rosengarten wiederhergestellt und über einen Steg ein Zugang an die Wasserkante ermöglicht werden. „Der Park soll wieder erlebbar werden“, sagt Fabian Albert, Leiter des Amts für Weiterbildung und Kultur. Am Eingang zum Park plant der Bezirk einen Besucherparkplatz und für eine bessere Versorgung sollen neue Leitungen verlegt werden. Davon soll dann auch die Gastronomie profitieren, die sich künftig aber nicht mehr im Gutshaus, sondern im Verwalterhaus sowie in einer Scheune befinden soll, die der Bezirk getreu dem historischen Original neubauen will.

Genutzt werden soll letztere vor allem aber auch als weiterer Ort für kulturelle Veranstaltungen: Zusammen mit einem geplanten Erweiterungsbau würde diese Platz für knapp 200 Menschen bieten und damit sogar mehr als das Spandauer Kulturhaus, das regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen stößt.

Architektenbüro soll ab September ein Bedarfsprogramm erarbeiten

Das Verwalterhaus wurde in den vergangenen Jahren bereits saniert, nur an der Fassade stehen noch Arbeiten aus, außerdem muss der Innenausbau noch finanziert werden. Weil es sich hierbei um eine rein gewerbliche Nutzung handeln soll, müssen die geschätzten Kosten von gut 1,6 Millionen Euro voraussichtlich vom Bezirk übernommen werden. Stadtrat Hanke schätzt das jedoch als „machbar“ ein.

Für alle drei Gebäude soll ein Architektenbüro ab dem Spätsommer ein Bedarfsprogramm erarbeiten, um eine genauere Kostenkalkulation zu ermöglichen. Im Bezirksamt widmet man sich zurzeit dem Museum, das sich künftig in dem Herrenhaus befinden soll. Dafür werde zurzeit ein Konzept erarbeitet. „Wir wollen es lebhaft und interaktiv gestalten“, sagt Albert. Vorgesehen sind Dauer- sowie Wechselausstellungen mit Kunstwerken, aber auch zur Geschichte des Hauses.

„Es war ein Domizil für Freidenker“, sagt Albert, geprägt wurde es vor allem durch den Kunsthistoriker Johannes Guthmann. Der Künstler Franz Theodor Max Slevogt war regelmäßig zum Malen dort, auch Albert Einstein soll mal zu Gast gewesen sein. In das Kellergeschoss will der Bezirk einen speziellen Museumsbereich für Kinder integrieren und auch Trauungen könnten temporär im Gutshaus angeboten werden.

Vermarktung des Gutsparks gemeinsam mit anderen Attraktionen um den Wannsee

Bei der touristischen Vermarktung des Parks würde Albert gern auf eine Kooperation mit anderen Einrichtungen in Steglitz-Zehlendorf oder Potsdam setzen. Als „Kulturraum Wannsee“ ließe sich das Ganze bewerben. Die Vorstellung: Besuchern Angebote für einen ganzen Tag bieten, per Boot könnten sie von einem Standort zum nächsten kommen. Erste Gespräche habe es bereits gegeben, sagt Albert, das Interesse sei vorhanden.

Noch ist es für solche Kooperationen aber zu früh: Bis zu den Bauarbeiten am Gutspark wird es noch dauern. Begonnen werden soll voraussichtlich mit dem Verwalterhaus, das im Laufe des Jahres 2021 fertig werden soll. In dem selben Jahr soll auch die Umgestaltung der Außenanlagen starten, die nach derzeitigen Schätzungen allerdings vier Jahre in Anspruch nehmen wird. Im Frühjahr 2025 sollen dann der Park und sämtliche Gebäude fertig sein.

Mehr über den Bezirk Spandau lesen Sie hier.