Die Hoffnungen der neun Frauen und Männer, sie ruhen auf diesem Kurs. Sie hoffen darauf, nun Deutsch zu lernen, damit Anschluss zu finden, sich in Berlin besser zurechtzufinden. Die Mehrzahl von ihnen hat bereits Deutschkurse absolviert - ohne Erfolg. Jetzt soll ein besonderes, in Spandau entwickeltes Konzept ihnen dabei helfen, die Sprache doch noch zu verstehen.

„Kontrastive Alphabetisierung im Situationsansatz“ - kurz „Kasa“ - heißt das Projekt, das von der Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben (Giz) gestartet wurde und vom Bundesministerium für Bildung für drei Jahre gefördert wird. Bei den Alphabetisierungskursen wird darauf gesetzt, die Muttersprache der Teilnehmer einzubeziehen und, indem Ähnlichkeiten und Unterschiede zum Deutschen herausgearbeitet werden, das Erlernen der Sprache zu erleichtern. Eine weitere Besonderheit: Der Unterricht findet in Kooperation mit Partnerorganisationen in Kirchen, Moscheen und bei Migranten-Organisationen statt.

Bedarf nach speziellen Alphabetisierungskursen ist groß

Der Bedarf nach solchen Kursen sei groß, sagt Giz-Geschäftsführerin Britta Marschke. Angeboten werden sie in den Sprachen Arabisch, Türkisch und seit kurzem Farsi. In acht Bundesländern finden zurzeit 30 Kurse statt, in den kommenden Monaten sollen zwölf weitere dazukommen. Nach zwei Jahren - so lange ist für den Unterricht eingeplant - können die Teilnehmer eine Deutschprüfung mit dem Level A1 absolvieren. Nach normalen Integrationskursen sollen die Zuwanderer das höhere Niveau B1 oder A2 erreichen. Allerdings: Im vergangenen Jahr haben 45 Prozent der Teilnehmer den Deutsch-Test nicht bestanden.

Menschen, denen der Unterricht in den Integrationskursen zu schnell geht, die noch nicht viel Erfahrung mit dem Lernen haben - an sie richtet sich das „Kasa“-Projekt. In Spandau ist kürzlich der einzige Alphabetisierungskurs für Menschen mit der Muttersprache Farsi in Berlin gestartet. Die Hintergründe der Spandauer Teilnehmer sind verschieden. In dem Kurs sitzen junge Mütter und ältere Ehepaare aus dem Iran und Afghanistan, manche können in ihrer Muttersprache lesen und schreiben, andere haben auch das nie gelernt.

Erfahrungen mit dem Projekt aus Spandau sind positiv

Unterrichtet werden die Männer und Frauen von Zeinab Panjalipoursangarini, die vor drei Jahren für ihr Lehramtsstudium aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist. „Ich habe selbst die Situation erlebt und weiß, wie schwierig es ist“, sagt die Studentin, auch wenn sie selbst schon im Iran Deutsch gelernt habe.

Das Feedback der Teilnehmer sei positiv, erzählt sie. Durch die Einbeziehung von Farsi würden die Männer und Frauen dem Unterricht besser folgen können. Auch die Teilnehmer selbst berichten, dass sie hier mehr lernen. In ihrem ersten Kurs, erzählt die Iranerin Mahnaz, habe die Lehrerin kaum Zeit gehabt, Dinge öfter zu wiederholen. „Hier traue ich mich zu fragen, wenn ich etwas nicht verstehe“, sagt sie.

Auch in den anderen Städten, berichten die Projektkoordinatoren, liefen die Kurse gut. „Es gibt relativ wenig Abbrüche“, sagt Marschke. „Dass die Menschen hier das Gefühl bekommen ‘Ich kann das, ich verstehe das’, das macht viel aus.“ Auch für die Lehrkräfte gebe es weniger Druck, weil kein fester Modulplan eingehalten werden muss. Mit den - eigens für das Projekt entwickelten - Lehrmaterialien könne so oft wiederholt werden, bis alle es verstanden haben.

Kinderbetreuung ist große Herausforderung

In Spandau gibt es nun nur noch eine Herausforderung zu lösen: die Kinderbetreuung während der dreistündigen Kurszeit, die gerade für die - zum Teil allein in Berlin lebenden - Mütter wichtig ist. Kindergartenplätze sind in Spandau kaum zu finden. „Wir würden gerne eine Kinderbetreuung für die Teilnehmer anbieten, wenn wir einen Raum hätten“, sagt Marschke.

Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Filiz Polat, Sprecherin für Integrationspolitik und Beiratsmitglied des Projekts „Kasa“, sagt: „Die Kinderbetreuung ist eines der Hauptprobleme.“ Das gilt auch für andere Deutsch- und Integrationskurse. Sie betont, dass es für alle Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kita oder Tagespflege gebe. „Das müssen die Teilnehmerinnen wissen“, sagt sie.

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