Vattenfall

Neuer Energiespeicher wird am Heizkraftwerk getestet

Damit der Ausstieg aus der Kohlenutzung gelingt: Im Spandauer Kraftwerk wird eine völlig neue Technologie erprobt.

Hendrik Röglin (l.) und Ruben Hoffmann kümmern sich als Projektleiter bei Vattenfall um die Pilotanlage im Heizkraftwerk Spandau, mit der Salz als Energiespeicher getestet wird.

Hendrik Röglin (l.) und Ruben Hoffmann kümmern sich als Projektleiter bei Vattenfall um die Pilotanlage im Heizkraftwerk Spandau, mit der Salz als Energiespeicher getestet wird.

Foto: Jessica Hanack

Berlin.  Am Spandauer Heizkraftwerk Reuter ist seit diesem Donnerstag eine neue Pilotanlage in Betrieb, die dabei helfen soll, dass bis 2030 in Berlin der Ausstieg aus der Kohlenutzung gelingt. Vattenfall testet in Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen SaltX Technology in den kommenden sechs Monaten, inwieweit sich Energie in Salz speichern lässt. Die bisherigen Laborergebnisse seien vielversprechend, sagt Hendrik Röglin, Projektleiter bei Vattenfall. „Jetzt soll getestet werden, ob es auch im industriellen Maßstab funktioniert.“

Zur Zusammenarbeit mit dem schwedischen Unternehmen sei es gekommen, weil SaltX vor einiger Zeit auf Vattenfall zugekommen sei und seine besondere Technologie präsentiert habe. „Wir sind die Kooperation eingegangen, weil es eine Technik ist, die wir gerne fördern möchten“ sagt Röglin.

In den vergangenen vier Monaten wurde die insgesamt 90 Tonnen schwere Anlage im Maschinenhaus des Heizkraftwerks errichtet. Rund 20 Tonnen speziell beschichtetes, pulvriges Salz soll diese enthalten. Das Salz soll in der Lage sein, bis zu zehnmal mehr Energie aufzunehmen als Wasser und kann diese über Wochen oder Monate vorhalten. „Wir gehen davon aus, dass wir verlustfrei Energie speichern können“, erklärt Röglin. „Das wäre ein Durchbruch.“

Energie für sonnen- und windarme Tage speichern

Das Salz soll helfen, eine grundsätzliche Herausforderung in der Branche zu lösen. Denn Wind- und Solarenergie sind zwingend notwendig, um die Energiewende zu schaffen. Das Problem ist aber, dass sie nicht kontinuierlich zur Verfügung stehen. Die Idee hinter dem Projekt von Vattenfall und SaltX ist es nun, dass überschüssiger Strom aus Wind oder Sonne über einen beliebigen Zeitraum gespeichert werden kann und dann an wind- oder sonnenarmen Tagen zur Verfügung steht. Für Vattenfall wäre etwa eine saisonale Energiespeicherung interessant, sagt Röglin. Was im Sommer gespeichert wird, könnte dann im Winter genutzt werden, wenn viel Wärme gebraucht wird.

Der Speicher funktioniert durch das Zusammenspiel von Salz und Wasser. Feuchtes Salz wird zum Kochen gebracht und so vom Wasser getrennt. Für diesen Trocknungsprozess nutzt man überschüssigen Strom, den es etwa an sehr windigen Tagen gibt. Um die gespeicherte Energie aus dem getrockneten Salz wieder freizusetzen, wird Wasser - genauer Wasserdampf - hinzugeben. Die freigesetzte Energie kann dann in Form von heißem Wasser in das Berline Fernwärmenetz eingespeist werden.

Wie gut dieser Prozess tatsächlich funktioniert, wird nun getestet. In den kommenden Monaten werden dazu Daten gesammelt, um die Abläufe noch besser zu verstehen. Man wolle zuverlässig beantworten, ob und wie das Projekt im Realmaßstab Wirklichkeit werden kann, sagt Markus Witt, Projektsponsor für den Salzspeicher bei der Vattenfall Wärme Berlin AG. Nach Ende der Pilotphase sollen die gewonnenen Daten ausgewertet werden, bis Ende des Jahres sollen die endgültigen Ergebnisse vorliegen.

Steinkohle-Heizkraftwerk in Spandau soll vom Netz gehen

„Der Energiesektor befindet sich seit Jahren im Wandel. Wir sehen weltweit einen immensen Bedarf an Energiespeichern“, so Harald Bauer, CEO von SaltX Technology. Deutschland gehöre zu den Ländern, die in der Umbruchphase neue Technologien erproben. Ziel des Unternehmens sei es, den SaltX-Energiespeicher so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen.

Die Pilotanlage in dem Spandauer Heizkraftwerk ist dabei nur ein Projekt, das Vattenfall derzeit vorantreibt, um die Wärmewende in Berlin zu sichern. In Tegel wird derzeit zum Beispiel ein neuartiger Stromspeicher aus Stahl errichtet. Und neben dem Salzspeicher entsteht an dem Spandauer Heizkraftwerk gegenwärtig auch Europas größte Power-to-Heat-Anlage, die Fernwärme aus elektrischer Energie erzeugt. Die Anlage soll ebenfalls noch in diesem Jahr in Betrieb gehen und das Steinkohle-Heizkraftwerk Reuter C ersetzen, das nach der Heizperiode im kommenden Winter vom Netz gehen soll. Ab 2020, so der Plan, wird die neue Anlage laut Vattenfall dann Fernwärme aus Strom für bis zu 30.000 Haushalte erzeugen.

Um die Energiewende zu schaffen, werden also verschiedene Wege gegangen. Die Energiespeicherung in Salz, sagt Projektleiter Röglin, könnte aber ein Puzzleteil auf dem Weg in eine fossilfreie Zukunft sein.

Mehr über den Bezirk Spandau lesen Sie hier.