Motorrad

Diesen Meilenstein feiert BMW in Spandau

Seit 1969 fertigt BMW in Berlin Motorräder. Millionen Maschinen sind gebaut worden. Jetzt steht das Werk vor Weichenstellungen.

Mitarbeiter bejubeln das dreimillionste BMW-Motorrad aus Spandau.

Mitarbeiter bejubeln das dreimillionste BMW-Motorrad aus Spandau.

Foto: BMW

Berlin. 122.466 Maschinen sind im vergangenen Jahr im Spandauer Motorradwerk gebaut worden. Doch wohl keines der Zweiräder wird mit ähnlichem Getöse ausgeliefert wie die blau-weiß-rote Rennmaschine, die am Dienstagmittag in eine der Hallen rollt. Wummernde Bässe und Sprühnebel flankieren die Einfahrt. Mitarbeiter applaudieren. Wenig später steht das Motorrad vor der Bühne – verpackt mit roter Geschenkschleife. BMW hat an diesem Tag etwas zu feiern: Seit 50 Jahren produziert der bayrische Konzern in Berlin Motorräder. Die feierlich verpackte Maschine ist die dreimillionste, die das Werk in Spandau verlässt.

Belegschaft ist gewachsen

„Das Jubiläum ist das Ergebnis harter Arbeit und eines klaren Kurses, den Unternehmen, Belegschaft und Politik konsequent verfolgt haben,“ sagt Markus Schramm, Leiter der BMW-Motorradsparte bei seiner Festrede. Und Namensvetter Helmut Schramm, der das Werk in Spandau leitet, ergänzt: „Als Leitwerk übernehmen wir eine wichtige Rolle im weltweiten Produktionsnetzwerk von BMW Motorrad“. Schramm sagt aber auch Danke. Ohne die Mitarbeiter wäre die Erfolgsgeschichte am Standort so nicht möglich gewesen, erklärt der Chef. Derzeit arbeiten rund 2100 Menschen in dem Werk. Zuletzt war die Belegschaft gewachsen.

Digitalisierung als Herausforderung

BMW steht im Jubiläumsjahr in Spandau aber vor entscheidenden Weichenstellungen. Zwar war das Werk nie zuvor wichtiger im Verbund der Motorrad-Standorte innerhalb des Konzerns. Doch der Wandel der Industrie, die Digitalisierung und veränderte Kundenwünsche stellen das Unternehmen vor Herausforderungen. „Werke wie BMW in Spandau stehen vor der Aufgabe, aus einer klassischen Serienproduktion eine Fertigung aufzubauen, die hochgradig individualisierbar ist,“ sagt Eckart Uhlmann. Der Wissenschaftler ist Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin. Uhlmann arbeitet auch mit dem BMW-Werk zusammen. Innerhalb der Fabriken sei vor allem Flexibilität und Schnelligkeit gefordert.

BMW-Werk denkt über Kauf eines Grundstücks nach

BMW hat dafür in mehreren Produktionshallen schon den Grundstein gelegt. Am Montageband drei etwa werden die Maschinen mittlerweile von fahrerlosen Transportsystemen bewegt. Vor allem bei Problemen in der Produktion könne so schneller reagiert und gezielt an dem betreffenden Teil nachgearbeitet werden, erklärt Werksführer Dennis Hartmann, der an diesem Tag eine Besuchergruppe durch die Motorradproduktion begleitet. In älteren Montagehallen hängen die Bikes hingegen noch an einem Hacken und werden so durch die Produktion bewegt.

Während andere Automobilwerke auf der grünen Wiese an- oder neubauen können, ist der Platz bei BMW in Spandau allerdings begrenzt. Zwar denkt das Werk über den Ankauf eines Grundstücks in der Nachbarschaft nach. Generell sind am Standort aber keine großen Sprünge für Erweiterungen möglich. BMW zeige trotzdem, dass Industrie auch in einer Metropole wie Berlin funktioniere, erklärt der Chef der Berliner Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, Stefan Franzke. „Das Werk in Spandau ist ein industrieller Leuchtturm“, so Franzke.

Die Motorrad-Zukunft fährt auch elektrisch

Innerhalb der Werkshallen soll demnächst auch eine zweite Fertigungslinie für den E-Scooter entstehen. Seit 2014 wird das elektrische Motorrad in Spandau gebaut, ist vor allem im Ausland ein Renner. Derzeit stellen die Mitarbeiter rund zehn Stück täglich her. Auf einen Zeitpunkt, wann die Produktion tatsächlich ausgeweitet wird, will sich der Chef der Motorrad-Sparte im BMW-Konzern aber nicht festlegen. Es werde in den nächsten Jahren so weit sein, sagt Markus Schramm. „Wir sind der Meinung, dass E-Mobilität im Motorrad-Bereich signifikant Einzug halten wird“, so Schramm. In dem Segment werde es auch neue Modelle geben. Kaum Chancen hingegen räumt er dem autonom fahrenden Motorrad ein. Aus dem Auto bekannte Unterstützungssysteme wie Brems- oder Spurhalteassistenten könne es aber auch bald in Zweirädern geben, so Markus Schramm.

Das Röhren der Motoren bleibt erhalten

BMW will aber auch die Fahrer nicht aus dem Blick verlieren, die das Röhren der Motoren so sehr lieben. Bei den konventionellen Antrieben plant der bayerische Konzern, vor allem Harley-Davidson anzugreifen. In dem sogenannten Cruiser-Segment sind die Amerikaner Marktführer. BMW will in dem Bereich jetzt nachlegen. Die neuen Maschinen sollen auch in Spandau gebaut werden.

BMW produziert in dem Werk seit 1969 Motorräder. 1939 hatte das Unternehmen den Standort im Berliner Westen übernommen. Die Ursprünge der Fabrik gehen auf das Jahr 1830 zurück. Zu der Zeit wurde in den Hallen Schießpulver für die preußische Armee hergestellt.