Gatow

Planungen für Wohnen am Windmühlenberg gehen langsam voran

Ein Entwurf für eine Bebauung am "Weiten Blick" liegt seit den 90er-Jahren vor. Doch das Verfahren zieht sich hin.

Am "Weiten Blick" in Gatow befinden sich Parzellen mit Wochenendhäusern, viele Grundstücke sind inzwischen aber beräumt. Geplant ist, dort Wohnraum zu schaffen. 

Am "Weiten Blick" in Gatow befinden sich Parzellen mit Wochenendhäusern, viele Grundstücke sind inzwischen aber beräumt. Geplant ist, dort Wohnraum zu schaffen. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/BM

Berlin. Wenn man am "Weiten Blick" in Gatow steht, ist die Großstadt gefühlt weit weg. Es ist ruhig, Vögel zwitschern, ab und an läuft ein Anwohner mit seinem Hund vorbei. Links und rechts von dem Weg liegen Grundstücke, auf denen zum Teil kleine Wochenendhäuser stehen, andere Parzellen sind dagegen beräumt und bereits verwuchert.

Was bleibt, ist die Frage, wie es mit den Grundstücken weitergehen soll. Ideen gibt es, ein erster Entwurf für einen Bebauungsplan wurde vom Bezirk schon in den 90er-Jahren entwickelt. Beschlossen, geschweige denn gebaut, ist allerdings bis heute nichts. Während das die verbliebenen Nutzer der Parzellen wohl freut, reagieren andere mit Unverständnis darauf. "Wir brauchen dringend Wohnungen. Hier könnten wir welche schaffen", sagt Matthias Unger, Fraktionsvorsitzender der FDP in der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung (BVV).

"Die Fläche ist tatsächlich schon jahrelang in der Diskussion", bestätigt Spandaus Baustadtrat Frank Bewig (CDU). Es habe seit längerem Interessenten gegeben, die die Fläche bebauen wollten, allerdings habe man zunächst entschieden, mit einer Bebauung zu warten. "Es gab noch viele Nutzer", sagt Bewig zur Begründung. Inzwischen steht jedoch die große Mehrheit der Parzellen leer, die noch laufenden Verträge können mit dreimonatiger Frist zum Jahresende gekündigt werden.

Auf Antrag der FDP-Fraktion wurde Anfang 2017 erneut begonnen, über die künftige Nutzung des Areals zu debattieren. Im September folgte ein Beschluss der BVV, wonach das Bezirksamt Spandau die Planung weiterbetreiben sollte, um "dringend benötigten Wohnraum, inklusive sozialverträglichen Wohnungen nach Berliner Modell zu schaffen".

Auch das ist nun anderthalb Jahre her. Das Stadtentwicklungsamt hat mittlerweile einen Entwurf erarbeitet, mit Eckpunkten, wie die Nutzung der Fläche aussehen soll. "Es war klar, dass wir eine behutsame Bebauung wollen", sagt Bewig. Der "Weite Blick" grenzt an den Windmühlenberg, ein gut fünf Hektar großes Naturschutzgebiet mit einer für Berlin seltenen Vegetation. "Das Konzept ist sehr offen", erzählt der Stadtrat. Klar sei nur, dass es mit Wohnen zu tun haben soll, lautes Gewerbe soll dagegen nicht vorkommen.

Entsprechend des Berliner Modells müssen zudem 30 Prozent des Wohnraums mietpreisgebunden sein. Dennoch, sagt FDP-Fraktionschef Unger, ziehe sich der ganze Prozess hin "wie Kaugummi". Dabei würden preisgünstige Wohnungen gerade auch im Süden Spandaus gebraucht. "Wenn ich mit älteren Menschen in Gatow und Kladow rede, sagen sie öfter, sie möchten ihre Häuser verkaufen oder an ihre Kinder geben und hätten dafür gerne eine kleine Wohnung", so Unger. Etwas Bezahlbares sei in dem Teil von Spandau aber kaum zu finden.

Gatower Architekt hofft seit langem auf Entwicklung des Gebiets

Neuer, bezahlbarer Wohnraum könnte gleichzeitig auch eine andere Zielgruppe ansprechen: junge Familien, die eine grüne Umgebung dem Großstadtgetümmel vorziehen - und die Gatow gut tun würden, wie Bernd Orlob meint. "Die Überalterung ist spürbar. Wir brauchen eine Mischung mit jungen Familien", sagt der Gatower Architekt. Nach Zahlen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg waren zuletzt mehr als 44 Prozent der Gatower mindestens 55 Jahre alt - das ist der höchste Wert unter allen Spandauer Ortsteilen. Orlob hat bereits vor Jahren ein Konzept für das Areal entwickelt und als Investor die Kölner Baucon Projektmanagement GmbH ins Boot geholt. Seit 2009 schicke das Unternehmen regelmäßig Anfragen an das Bezirksamt, so der Gatower. Das Konzept sieht rund 100 Wohnungen vor, die einzelnen Häuser sollen mit ihrer Höhe die der bestehenden umliegenden Gebäude nicht überschreiten und als "Wohnhöfe" angeordnet sein. Dass das Berliner Modell eingehalten wird, habe nie zur Debatte gestanden, betont der Gatower, und: "Wir sind auch für den Erhalt der Natur. Große Bäume sollen bestehen bleiben."

Mit ihrem Konzept, das aktuell noch einmal angepasst wird, will sich Orlob mit seinen Partnern so bald wie möglich erneut bewerben. Stadtrat Bewig sagt, die Pläne des Stadtentwicklungsamtes seien bewusst offen gehalten, sodass die verschiedenen Interessenten aus den vergangenen Jahren ihre Ideen einreichen können. Vorgesehen ist nach derzeitigem Stand ein Konzeptverfahren, bei dem die Qualität des Nutzungskonzepts als wichtigstes Kriterium gilt. Die Entscheidung soll am Ende eine Jury treffen.

Bis tatsächlich gebaut wird am "Weiten Blick", wird es aber wohl noch eine Weile dauern. Viele Punkte sind noch offen. Laut Bewig würde man als Bezirk die Fläche gerne selbst an einen Investor geben. Doch das Areal ist eine landeseigene Fläche, für einen Verkauf zuständig wäre daher die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Die Spandauer Liegenschaftsverwaltung prüft derzeit allerdings, inwieweit es für den Bezirk möglich ist, die Fläche dennoch selbst zu vergeben. Zudem müsse ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden, sagt Bewig, weil die alten Überlegungen überholt seien. Auch die Frage, wie das neue Wohngebiet erschlossen werden soll, steht noch im Raum. Die Kosten dafür müsste der Investor tragen, so Bewig.

FDP-Fraktionschef Unger hat angekündigt, in einer der kommenden Sitzungen des Stadtentwicklungsausschusses erneut einen Zwischenstand zum "Weiten Blick" abzufragen. Oftmals gebe es Kritik an der Senatsverwaltung, dass der Bau von Wohnungen zu langsam vorangehe, sagt Unger. "Hier haben wir aber die Möglichkeit, schnell welche zu schaffen."

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