Nach monatelangen Verzögerungen soll es am 18. Dezember soweit sein: Die ersten Flüchtlinge werden in das sogenannte Tempohome am Rohrdamm in der Spandauer Siemensstadt einziehen. Eigentlich war der Bezug der Container-Siedlung schon für den Frühsommer geplant, doch die Suche nach einem Betreiber zog sich hin. Erst seit Anfang des Monats steht dieser nun offiziell fest. Nach einer europaweiten Ausschreibung hat das Landesamt für Flüchtlinge (LAF) die Malteser Werke als Betreiber ausgewählt.

Einziehen sollen nach Auskunft von Daniel Tietze, Staatssekretär für Integration (Die Linke), vor allem Flüchtlinge, die bislang in der Spandauer Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne untergebracht waren. Derzeit leben dort etwa 190 Menschen, laut LAF machen rund 60 Prozent der Bewohner Familien aus. Sie sollen bis zum Ende des Jahres ausziehen. Allerdings wird die Kaserne ein weiteres Jahr als Ausweichquartier für die Flüchtlingsunterkunft in den Hangars des Flughafen Tempelhof bestehen bleiben. Ursprünglich war angekündigt worden, dass das Gelände bis Ende 2018 vollständig geräumt werden soll. 2019 sollen die Planungen für den neuen Standort der Bundespolizei auf dem Areal beginnen.

Das Tempohome in der Siemensstadt bietet insgesamt Platz für rund 280 Bewohner. Der Vertrag für die Nutzung endet allerdings bereits im August 2021 wieder. Danach wird das Gelände für den Schulbau benötigt, denn die angrenzende Schule an der Jungfernheide soll erheblich erweitert werden. Geplant ist laut Bezirksbürgermeister und Schulstadtrat Helmut Kleebank (SPD), die Sekundarstufe I von vier auf sechs Züge zu erhöhen. Außerdem sind eine gymnasiale Oberstufe, eine neue Grundschule und eine Turnhalle vorgesehen. "Die Schülerzahl wird sich etwas mehr als verdoppeln", sagte der Bezirksbürgermeister bei einer kürzlichen Informationsveranstaltung für Anwohner. "Die Fläche ist dabei unverzichtbar."

Container-Lösung für Grundschule wird geprüft

Der Bedarf an Schulplätzen ist in dem Gebiet hoch - auch ohne die Flüchtlingskinder, die durch das Tempohome zusätzlich in die Siemensstadt ziehen, so Kleebank. 35 Grundschulkinder würden zurzeit in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne leben, der Großteil habe bereits einen Schulplatz. Erfahrungsgemäß würden die meisten Kinder auch erst einmal an ihren Schulen bleiben wollen. Dennoch kann es sein, dass sich in Sachen Grundschule schon vor 2021 etwas in der Siemensstadt tut: Derzeit wird laut dem Bezirksbürgermeister geprüft, den Start der Grundschule vorzuziehen und übergangsweise Container auf dem jetzigen Schulgelände aufzustellen.

Eine Verzögerung für den Schulbau bedeutet die zwischenzeitliche Nutzung der Fläche für die Unterbringung von Flüchtlingen nicht, betonte Kleebank. Weil die Planungen Zeit brauchen, könnte ohnehin nicht vor 2021 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Übernommen werden die Arbeiten im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive von der Howoge. Davon, dass es in drei Jahren tatsächlich losgeht, zeigte sich Kleebank überzeugt: "Das Jahr 2021 steht. Ich gehe davon aus, dass sich alle vertragstreu verhalten."