Kriminalität

Kriminelle zieht es ins Spandauer Zentrum

Die Polizei hat Regionaldaten zur Verteilung der Straftaten veröffentlicht. Die Morgenpost nennt die wichtigsten Fakten.

 Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen in Spandau an der Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm (Archivbild)

Einsatzfahrzeuge der Polizei stehen in Spandau an der Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm (Archivbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Spandau liegt im Mittelfeld – zumindest, wenn es um die Kriminalität geht. Die Polizei registrierte in dem westlichsten Berliner Bezirk im vergangenen Jahr 26.240 Straftaten. Das ergibt sich aus dem am Montag veröffentlichten Kriminalitätsatlas, der unter diesem Stichwort auch im Internet auffindbar ist. Umgerechnet auf 100.000 Einwohner entspricht die Zahl der Straftaten einer von der Polizei zu Vergleichszwecken errechneten sogenannten Häufigkeitszahl von 10.088. Zum Vergleich: Beim traurigen Spitzenreiter, dem Bezirk Mitte, liegt die „Häufigkeitszahl“ bei 25.864. Am unteren Ende der Kriminalitätsskala findet sich mit einem Wert von 7664 Steglitz-Zehlendorf.

Auffällig ist, dass der Havel-Bezirk hinsichtlich seiner Kriminalitätsbelastung zweigeteilt ist. In Kladow und Gatow können sich die Bewohner relativ sicher fühlen („Häufigkeitszahl“ knapp 4500). In der Wilhelmstadt und im Zen­trum des Bezirks rund um das Rathaus Spandau ereigneten sich umgerechnet auf die Einwohnerzahl mit zwischen 16.000 und 17.000 Straftaten im vergangenen Jahr dagegen dreimal so viele Delikte wie in Gatow und Kladow.

Die Quartiere am Brunsbütteler Damm, am Falkenhagener Feld und in Hakenfelde liegen im Mittelfeld. Die Viertel Heerstraße Nord, Haselhorst und Siemensstadt landen mit „Häufigkeitszahlen“ zwischen 9.000 und gut 12.000 im Bezirk ebenfalls zwischen den Extremen. Mutmaßlicher Grund für die Unterschiede: In Kladow und Gatow wohnen viele vergleichsweise gut situierte Familien. Das Nachtleben ist überschaubar. Auch Straßenräuber dürften in den ländlich geprägten Wohnquartieren eher selten auf Opfer hoffen.

Hohe Kriminalitätsbelastung um den Bahnhof Spandau

In den dichter besiedelten und sozial schwachen Siedlungen in der Wilhelmstadt, und mit Einschränkungen auch im Viertel Heerstraße-Nord, ist das Konfliktpotenzial dagegen offenbar höher. Ein Grund für die hohe Kriminalitätsbelastung im Quartier rund um den Bahnhof Spandau, zu dem auch die Altstadt gehört, dürften die vielen Geschäfte und die vielen Passanten sein. Die Möglichkeit eines Diebstahls oder einer Auseinandersetzung ist höher. Der Bahnhof Spandau zieht – wie alle größeren Bahnhöfe – Kleinkriminelle an. Auffällig ist, dass in der Siedlung Heerstraße Nord besonders viele Sachbeschädigungen durch Graffiti-Schmierereien registriert werden.

Die meisten Autos in Spandau wurden im vergangenen Jahr mit 37 Fahrzeugen im Viertel am Brunsbütteler Damm gestohlen. In Hakenfelde waren es „nur“ 17 Autos. Berücksichtigt man die Einwohnerzahl liegt der Gesamtbezirk Spandau beim Diebstahl von Fahrzeugen im berlinweiten Vergleich im unteren Mittelfeld.

Unterschiede auch bei Wohnraumeinbrüchen

Im Berliner Durchschnitt liegt auch die „Häufigkeitszahl“ der Wohnraumeinbrüche. Auch hier fallen regionale Unterschiede auf. In diesem Punkt müssen sich die Bewohner von Kladow und Gatow am meisten vor Einbrüchen fürchten. 77 Mal suchten Kriminelle hier in Häusern oder Wohnungen nach Beute. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind die von Einfamilienhäusern geprägten Viertel im Bezirks-Ranking damit am stärksten von Einbrüchen betroffen. Am „sichersten“ vor ungebetenen Gästen leben die Einwohner in Spandau in Hakenfelde – womöglich auch deswegen, weil in diesen Wohnungen weniger zu holen ist. Das Risiko, entdeckt zu werden, dürfte dagegen größer sein als im dünner besiedelten Gatow oder Kladow.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Kriminalität in Spandau annähernd konstant geblieben. Vor fünf Jahren registrierte die Polizei im Verhältnis zur Einwohnerzahl noch zehn Prozent mehr Delikte. Unterm Strich ist der Bezirk, wie die gesamte Stadt, also etwas sicherer geworden. Negativer Ausreißer in der Bezirksbilanz ist die bereits seit Jahren als problematisch geltende Wilhelmstadt. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei umgerechnet auf 100.000 Einwohner hier 17.113 Straftaten. Ein Jahr zuvor lag die „Häufigkeitszahl“ noch bei 14.752. Vor allem die Zahl die Körperverletzungen ist gestiegen. Die Behörden registrierten hier 644 Straftaten, darunter 176 schwere und gefährliche Körperverletzungen.

„Die soziale Struktur in der Wilhelmstadt hat sich verändert“, sagt der CDU-Innenpolitiker Peter Trapp, dessen Wahlkreis in Spandau liegt. „Das könnte Auswirkungen gehabt haben.“

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