CCC Studios

„Alles oder nichts“: Die neue Seifenoper aus Spandau

In den CCC Studios werden derzeit die ersten 60 Folgen der täglichen Serie „Alles oder nichts“ gedreht. Fernsehstart ist am Montag.

Die Schauspieler Martin Augustin Schneider (l-r), Anna Mennicken und Varol Sahin bei den Dreharbeiten

Die Schauspieler Martin Augustin Schneider (l-r), Anna Mennicken und Varol Sahin bei den Dreharbeiten

Foto: dpa Picture-Alliance / Jörg Carstensen / picture alliance/dpa

Spandau. Wer an den CCC Studios in Spandau vorbeiläuft, ahnt wohl in den meisten Fällen nicht, was sich im Inneren der dunkelroten Gebäude befindet: mehrere Wohnungen, eine Firma, sogar ein Nachtklub – oder wenigstens die Kulissen davon. In den Filmstudios wird zurzeit die neue Daily Soap „Alles oder nichts“ gedreht. Seit Anfang Juli wurden dafür die Studios in die Welt der Serie verwandelt. Wer nun durch das Gebäude spaziert, der kommt von einer mit Graffiti besprühten U-Bahnstation in die „Brock AG“ – eine Immobilienfirma mit Marmorfußboden, Samtsofas und edlem Schreibtisch – und weiter in die chaotische, in die Jahre gekommene Küche der Familie Neumann. Gegensätze und unterschiedliche Lebenswelten prallen hier in direkter Nachbarschaft aufeinander.

Die tägliche Soap „Alles oder nichts“ startet am kommenden Montag, dem 22. Oktober, um 18.30 Uhr auf Sat1 und erzählt vom Kampf um das Erbe des verstorbenen Bauunternehmers Axel Brock. Neben einer Ehefrau und zwei gemeinsamen Kindern hinterlässt er auch drei uneheliche Kinder – einen Obdachlosen, eine Tänzerin aus einer Poledance-Bar und die Tochter einer Imbissbetreiberin. Nun beginnt das Ringen um das Geld, um Macht, aber auch die Suche nach seinem Platz im Leben.

„Wenn man eine tägliche Serie plant, überlegt man sich, was es auf dem deutschen TV-Markt noch nicht gibt und was die Zuschauer täglich sehen wollen“, erzählt Produzent Christian Popp. Das Konzept der Soap greife die gesellschaftliche Spaltung auf und stelle die Sehnsüchte vieler Menschen nach Reichtum und Ruhm dar. Er nennt „Alles oder nichts“ eine „zeitgemäße Glamour-Soap“, aber auch eine „Konfliktserie“. „Ich glaube, sie trifft damit auch den Zeitgeist“, sagt Produzent Popp.

In den Filmstudios wird ununterbrochen produziert

Die mehr als 70 Jahre alten CCC Studios, in denen in den vergangenen Jahren unter anderem auch die Studioanteile der ersten deutschen Netflix-Serie „Dark“ und der Miniserie „Ku’damm 59“ gedreht wurden, seien für „Alles oder nichts“ umfassend aufgerüstet worden. „Wir sind die Ersten, die die Studios für eine tägliche Serie nutzen“, sagt Popp. Überzeugt hätten die Hallen durch ihre Höhe und Größe – 1800 Quadratmeter könnten hier bebaut werden. Ein weiterer Pluspunkt: Crew und Schauspieler können in Spandau völlig ungestört arbeiten. „Das hier ist unser wunderbares Reich. Wir sind die einzigen Mieter“, erzählt Popp.

In den Filmstudios wird nun ununterbrochen produziert. Montags finden Proben statt, an den anderen Tagen wird gedreht. „Die Herausforderung ist, dass man das parallel hinbekommen muss, Texte zu lernen und zu drehen“, erzählt Schauspielerin Sarah Maria Besgen. Das sei nur mit großer Disziplin und einem „Tunnelblick“ zu schaffen. Die 39-Jährige spielt in der Serie die Rolle der verwitweten Ehefrau, die versucht, die Familie zusammenzuhalten, aber auch, das Unternehmen zu leiten. „Das ist das Schöne, dass ich da sehr viel zeigen kann. Das Emotionale, aber auch das Toughe“, sagt Besgen.

Die Schauspielerin war bereits in vielen Serien, Fernsehfilmen oder Telenovelas zu sehen, etwa „Verbotene Liebe“ oder „Rosamunde Pilcher“. Die täglichen Formate stellen für sie dabei einen besonderen Reiz dar. „Man kommt viel intensiver mit der Figur in Berührung. Die Rollenentwicklung über eine lange Zeit finde ich toll“, sagt die Darstellerin.

Neben den erfahrenen Schauspielern sind bei der neuen Serie aber auch einige dabei, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Die 24-jährige Anna Mennicken etwa, die ebenfalls eine der Hauptrollen übernimmt – und das bis heute noch nicht wirklich fassen kann. „Ich war total perplex und kann das noch gar nicht richtig verarbeiten“, erzählt sie. Die gebürtige Aachenerin ist für die Rolle als Jenni nach Berlin gezogen. Sie mag die Spree in der Stadt, das Grün und die vielen Menschen – auch wenn sie momentan viel Zeit in den Spandauer Filmstudios verbringt. „Ich habe so etwas ja noch nie gemacht und erst mal ein bisschen Angst gehabt, was da für Menschen kommen“, sagt sie. Aber die Sorgen seien unbegründet gewesen: Das Team verstehe sich gut, trotz der manchmal anstrengenden Arbeit, erzählt sie.

Format soll Drama, Liebe, Intrigen und Humor bieten

Mennickens Figur der Jenni ist in der Serie eine der unverhofften Erbinnen. Sie stammt aus einer Familie, die bislang immer knapp bei Kasse war und nun versucht, mit der neuen Situation umzugehen. „Jenni ist das Geld weniger wichtig als die Tatsache, dass sie aus den Umständen, unter denen sie groß geworden ist, rauskommen kann“, sagt Produzent Popp. „Wir erzählen in ihrer Familie den Versuch einer Aufsteiger­geschichte.“ Natürlich spielen in „Alles oder nichts“ auch die klassischen Themenfelder von täglichen Soaps eine wesentliche Rolle: Drama, Liebe, Intrigen, Humor – all das soll auch das neue Format bieten.

Für 60 Folgen liegen die Drehbücher laut Produzent bislang bereits vor. Im Hinblick auf die Fernsehpremiere am 22. Oktober sagt Popp: „Jetzt bin ich noch ganz entspannt.“ Die Anspannung und Gedanken daran, ob die Serie bei den Zuschauern ankommt oder nicht, die kämen erst am Tag vorher, so der Produzent.

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