Mütter schieben ihre Kinderwagen vorbei an rosafarbenen Taucherflossen in Schuhgröße 35. Daneben ein Kleiderständer voller Judoanzüge und ein Prinzessinnenkleid. In der „Viertel Box“, dem zentralen Aktionsraum am Wilhelmsruher Damm im Märkischen Viertel, hat ein Pop-up-Store aufgemacht. Er bietet noch bis 31. März Familien mit Kindern ein vielseitiges Angebot an Kinderkleidung. Von Größe 50 bis 164 ist alles dabei.

Große Spendenbereitschaft von Nachbarn aus dem Kiez
Es ist eine Herzensangelegenheit von Nachbarn für Nachbarn aus dem Kiez. Im Laden herrscht eine lockere Stimmung, und alle scheinen sich zu kennen. Organisatorinnen sind die beiden Freundinnen und Nachbarinnen Audrey und Madlyn. Sie sind begeistert von der großen Spendenbereitschaft der Nachbarn. „Es gab vier Tage, an denen Spenden von Kinderkleidung an verschiedenen Stellen im Bezirk abgegeben werden konnten. Und es ist sehr viel zusammengekommen.“
Die Textilien wurden gesichtet und gegebenenfalls noch einmal gewaschen. Danach wurde die Kleidung nach Größen sortiert und zur Lagerung verpackt. Am Ende kamen dabei rund 300 Kisten an Kleidung zusammen. „Um die 30 Freiwillige haben insgesamt bei der Aktion geholfen. Unter anderem auch die Regale hier im Laden aufgebaut“, erzählt Madlyn. Räumliche Unterstützung hatten sie dabei auch von der Gesobau.

Nachhaltigkeit im Kiez: Gesobau fördert Tauschbörse für Kinderkleidung
Franziska Hupke, Quartierskoordinatorin der Wohnungsbaugesellschaft, erklärt, wie es zu der Ladeneröffnung in der zentral gelegenen „Viertel Box“ kam: „Wir unterstützen dieses Projekt, weil Nachbarn aus unserem Quartier auf uns zugekommen sind und diese Idee von einer Tauschbörse für Kinderkleidung gepitcht haben. Mit dem Pop-up-Store in der ‚Viertel Box‘ wollen wir ausprobieren, wie die Idee im Kiez ankommt, und auch ein Zeichen für Nachbarschaft und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen setzen.“
Audrey und Madlyn erzählen, dass sie die Idee von der Kleiderweitergabe für „Herz im Kiez“ einfach nur vergrößert haben. „Wir haben vorher privat im kleinen Kreis getauscht. Und dann hatten wir die Idee, dass wir auch andere Familien im Märkischen Viertel entlasten könnten.“
Obwohl sehr viel Kleidung gespendet wurde, setzen die Organisatorinnen bei der Vergabe auf Fairness und nicht auf Schnelligkeit. Damit die Kleidung für alle und bis Ende März reicht, haben sie sich ein Punktesystem überlegt: Jedes Kleidungsstück ist eine bestimmte Anzahl von Punkten wert. Wenn eine Familie den Pop-up-Store betritt, dann erhält sie für ein Kind 100 Punkte und für jedes weitere Kind 50 Punkte. Mit den Punkten können sie sich dann bestimmte Kleidungsstücke aussuchen. „Wir haben das so gestaltet, dass man für 100 Punkte ein Kind von Kopf bis Fuß einkleiden kann“, erklärt Audrey.
Mit Kreativität und Budget-Tricks zum liebevoll eingerichteten Laden
Ob ordentlich gefaltet in Regalen oder sorgfältig auf Bügeln arrangiert: Die Kleidung befindet sich übersichtlich im Laden verteilt. Allein der Aufbau der Regale habe schon drei Tage in Anspruch genommen, erzählen die Ladenbetreiberinnen. Die Kleiderständer haben sie kostenlos aus einer Geschäftsauflösung in Oranienburg. Man merkt schnell, dass hier kreativ geplant wurde, um den Laden mit geringem Budget, aber viel Sorgfalt einzurichten. Und auch an die Kinder wurde gedacht: Vor dem Laden liegt eine Kiste mit Comics und Plastiktieren zum Spielen und Mitnehmen.
Schon am ersten Tag war der Andrang riesig, erzählen Audrey und Madlyn. Vor dem Pop-up-Store bildete sich eine lange Schlange. Da hat sich die ganze Arbeit wirklich gelohnt. Die beiden können sich nichts Besseres vorstellen, als die Gewissheit, dass die Kinder des Märkischen Viertels eingekleidet und die Familien entlastet sind. Auch für den Zusammenhalt im Kiez hat das Projekt positive Auswirkungen: „Es haben sich im Team und auch außerhalb des Teams Leute gefunden, die super miteinander kommunizieren können“, erzählt Audrey. Aus dem Kinderkleidungsshop sei ein richtiger Begegnungsort geworden.
Projektfortsetzung möglich: Wiederholung der Aktion wird geprüft
Bei so einer positiven Rückmeldung, stellt sich nun die Frage: Kann die Aktion vielleicht verlängert werden? Gesobau-Mitarbeiterin Franziska Hupke möchte sich nicht festlegen: „Wir müssen gucken, ob der Andrang so groß bleibt. Vielleicht gibt es die Option der Verlängerung hier an diesem Standort.“
Aber Audrey und Madlyn haben auch noch andere Ideen für die Fortführung in anderer Form. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir das Projekt regelmäßig zum Jahreszeitenwechsel stattfinden lassen, wenn die Kinder statt Winter- dann Sommerkleidung benötigen.“ Wie auch immer die Zukunft des Projekts wird: Über eine Wiederholung würden sich bestimmt viele Familien aus der Nachbarschaft freuen.
Öffnungszeiten: bis 31. März; Montag und Mittwoch: 9–14 Uhr; Dienstag, Donnerstag: 10–16 Uhr; Freitag: 10–14 Uhr; Wilhelmsruher Damm, gegenüber dem Märkischen Zentrum.


