Die U8 führt entlang der Berliner Sozial-Brennpunkte: Sie beginnt in Neukölln, führt über den Kotti und Wedding bis in die Reinickendorfer Brennpunkte Franz-Neumann-Platz und Wittenau. Die U8 hat einen legendär schlechten Ruf, die BVG hat im vergangenen Jahr extra Reinigungsstreifen eingesetzt. Sie sollten für mehr Sauberkeit und Sicherheit sorgen. Der Einsatz war erfolgreich. Trotzdem kann die U8 noch immer ein Abenteuer sein. Da ist es dreckig, es gibt verhaltensauffällige Fahrgäste.

Und genau dort setzen nun Unbekannte mit einer Plakataktion an: Auf Plakaten, die im Design den sogenannten BVG-Perlenschnüren gleichen, benennen sie markante U-Bahn-Stationen auf der U8 und anderen Linien wie der U2, U5 und U7 auf ironische Weise um: Der Reinickendorfer U-Bahnhof „Residenzstraße“ wird zur „Rülpsidenzstraße“, das „Kottbusser Tor“ zum „Hoffentlich-nur-Hunde-Kot-busser Tor“ und der „Gesundbrunnen“ zum „Der-Typ-klingt-nicht-gesund-Brunnen“.

Opel Rocks: Rätselhafte Werbeplakate hängen illegal in Berlin

Was hat es mit den Plakaten auf sich? Ein Urheber ist nicht genannt. Aber am Rande steht eine herkömmliche Werbebotschaft: „Stadt ohne Stress. Opel Rocks. Händler abchecken. Oder Opel.de.“ Die Zentrale von Opel in Rüsselsheim weiß bei einem Anruf der Morgenpost zunächst nicht von der Werbung. „Eventuell handelt es sich um eine Aktion eines Berliner Händlers“, mutmaßt der Sprecher. Später stellt sich heraus: Es ist eine freche Kampagne der Agentur Jung von Matt.

Rätselhafte Werbekampagne für den Opel Rocks
„Unter den Linden“ wird zu „Unter den Tourimassen“© Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Und so frech wie die Texte, so frech auch ein Teil der Plakatierung: Zumindest einige der Plakate hängen illegal an Laternenmasten, der Humor ist nicht gerade filigran. Aber das hat auch mit der Zielgruppe zu tun: Der Opel Rocks gilt nicht als Auto, man darf ihn bereits ab 15 Jahren fahren. Ein Alter, wo man sonst allenfalls in der Berliner U-Bahn sitzt und dort Charakterstudien betreibt.

Berliner U-Bahn: Stationen erhalten kreative Spitznamen von Spaßvögeln

Da wird auf der U7 wird aus dem „Gleisdreieck“ das „Schweißdreieck“ und aus der „Konstanzer Straße“ die „Kotzstanzer Straße“. Und der „Herpesplatz“ steht für den „Hermannplatz“. Bei der U5 wird der Bahnhof „Unter den Linden“ zu „Unter den Tourimassen“. Die nächsten Bahnhöfe geben dann eher einen inneren Monolog wieder: „Besoffene Briten“, „Bier rein“, „Briten raus“. Im östlichen Teil der Linie wird aus der Station „Kienberg (Gärten der Welt)“ „Eine-aufs-Kinnberg“, „Biesdorf-Süd“ wird zu „Beißdorf-Süd“ und Hellersdorf zu „Was zur Hellersdorf“. Die Endstation trägt einen universellen Seufzer, den vor allem Eltern mit Kinderwagen sehr oft auf allen Berliner Linien gen Himmel schicken: „F*ck, Fahrstuhl kaputt.“

Die BVG reagiert auf die Fragen der Morgenpost, ob denn jeder einfach so das Design der Perlenschnüre verwenden könne und was sie davon halte, mit Unglaube. „Hier handelt es sich offensichtlich nicht um eine Aktion von Opel, sondern einen Scherz“, antwortet ein Sprecher der BVG. Er ist sich sicher, dass „die Kollegen dort viele der Begriffe, die dort zu lesen sind, sicherlich nicht nutzen“. Außerdem sei das abgebildete bekannte Logo nicht das Original. Damit hat er allerdings genauso recht wie unrecht: Denn die Anzeige ziert die modernisierte und noch relativ unbekannte Variante des „Blitz im Kreis“-Logos von Opel.