Er teilte ordentlich aus: Die Zusammenarbeit mit der CDU sei nicht mehr verlässlich, einige Mitglieder betrieben reine „Selfie-Politik“. Zudem habe die neue CDU-Fraktionsvorsitzende ja zwei Anläufe gebraucht, „um durchzukommen“. Die Stimmung in der CDU gleiche offenbar einer „Schlangengrube“: „Das reicht vielleicht fürs Dschungelcamp, aber nicht für dieses hohe Haus“, so der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Reinickendorfer BVV, Björn Hawlitschka, bei der Bezirksverordnetenversammlung am Mittwoch.

Es sind turbulente Zeiten in der Reinickendorfer Politik. Die CDU hatte zuletzt nicht nur ihre Fraktionsvorsitzende an die FDP verloren. Auch der massive Umbau des Partei-Personals durch den Reinickendorfer Kreisvorsitzenden-Chef Marvin Schulz sorgte für viel innerparteilichen Ärger.

Wahl von CDU-Fraktionschefin Hoffmann sorgt für Debatte

Hörbar verärgert, allerdings durch die Aussagen des SPD-Manns Hawlitschka, trat nach der direkten Erwähnung auch die neue CDU-Fraktionsvorsitzende Cassandra Hoffmann vors Rednerpult. Sie wies die Aussage zurück, dass ihre Wahl zwei Anläufe gebraucht habe.

Je nach Definition haben sowohl Hawlitschka als auch Hoffmann recht: Am Montagabend wurde die Politikerin gewählt, und zwar im ersten Wahlgang. Eigentlich wollte die Parteiführung um den Bundestagsabgeordneten Marvin Schulz die Wahl jedoch schon nach dem überraschenden Abgang von Sylvia Schmidt kurzfristig Ende Januar auf die Tagesordnung setzen. Das scheiterte aber aufgrund der zu kurzen Frist und an den Bedenken einiger CDUler.

Schwaches Wahlergebnis offenbart Unstimmigkeiten in der Fraktion

Doch auch die erfolgte Wahl am Montag zeichnet kein Bild einer einigen Partei: Sie erhielt eine Zustimmung von 60 Prozent (15 von 25 Fraktionären stimmten zu). Aus der Partei selbst ist zu hören, dass dieses Ergebnis auch als persönliche Schlappe für den Kreisvorsitzenden Marvin Schulz zu sehen ist.

Denn immerhin hatten bei seiner damaligen Wahl zum Fraktionsvorsitzenden sowohl er als auch seine Nachfolgerin Sylvia Schmidt eine Zustimmung von 100 Prozent eingefahren und damit volle Rückendeckung der eigenen Fraktion gehabt.