Meist nutzt Hakan Mamout-Oglou die sozialen Netzwerke dafür, um mit den schnell geschnittenen Clips seines Kameramanns Ali Peker für seinen „Fly Döner“ in Wittenau zu werben. Mal kassiert er ein „Shitstürmchen“, wenn er über Soßenbrot für 2 Euro erzählt, mal hat er riesige Schlangen vor der Tür, wenn er zum Black-Friday-Döner zum Niedrigpreis lädt. Doch beim Video vor einer Woche ging es ihm nicht um ihn selbst und seinen Laden und nicht um Euros.

Er erzählte, dass er zu Weihnachten Bedürftige verköstigen will: „Ich will dieses Jahr rausgehen, ich will warmes Essen bringen, ich will Liebe bringen, ich will Hoffnung bringen und die Menschlichkeit bringen.“ Und er rief alle Interessierten auf, dass sie eingeladen sind, ihn dabei zu unterstützen.

Die Spendenaktion wuchs schnell: 400 Portionen für Bedürftige geplant

Mit der Resonanz, die dann umgehend kam, hatte er nicht gerechnet. Da meldeten sich Osman Alakus, der mit seinem vergitterten Dönerwagen „Die Zelle“ („Es gibt Gründe für Gitter und den Namen“) dreimal die Woche im Märkischen Viertel am Drehspieß steht; auch Bryan Krüger, der in der Woche laut gut gelaunter Selbstauskunft „als Müllkutscher“ arbeitet und am Wochenende mit seinem Foodtruck „Bryans Burgers“ brät, ist dabei. Die Kebab-Kette „Döner Game“ unterstützt genau wie Dönerfluencer Can F. Kennedy. „Das ist ganz schön groß geworden. Ich dachte ursprünglich, wir verteilen 50, 60 Döner“, staunt Hakan Mamout-Oglou. Nun kalkulieren sie mit Essen für 400 Menschen. Da kann jede Hand helfen.

Und David Jahn, Bezirksverordneter der FDP Reinickendorf, hat mit einem Fladenbrot in der Hand im Laden von Hakan Mamout-Oglou von der Aktion gehört. Schnell hat er einige Parteikollegen mobilisiert, die am Heiligabend mithelfen. „Meine Frau hat, auch für mich überraschend, sofort gesagt, dass es für sie in Ordnung ist, wenn ich Heiligabend tagsüber weg bin“, sagt er und lacht.

David Jahn mit dem Besitzer des Döner-Imbiss Fly Döner
David Jahn mit dem Besitzer des Döner-Imbisses Fly Döner.© Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Hakan Mamout-Oglou ist begeistert, dass die Politik mit anpackt, und hat gleich noch ein paar organisatorische Verbesserungsvorschläge für den Bezirk: „Reinickendorf ist stark, aber es könnte mehr Orte geben, an denen Menschen zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen. Besonders Familien, Jugendliche und Menschen in Not brauchen mehr Aufmerksamkeit und Angebote.“ Jahn verspricht, sich zu kümmern.

Frank Zander als Vorbild: Mamout-Oglou und Familie unterstützen Bedürftige

„Mein Vorbild ist Frank Zander“, sagt Mamout-Oglou. Der Berliner Sänger hat am Montag zum 31. Mal sein Weihnachtsgänseessen für mittlerweile 2500 bedürftige Gäste veranstaltet. „Ich habe selbst schwere Zeiten erlebt und weiß, wie es sich anfühlt, wenn es im Leben nicht läuft“, sagt er, ohne tiefer ins Detail zu gehen.

Die gesamte Familie von Hakan Mamout-Oglou hilft mit, von der Mutter bis zum Onkel, wenn sie an Heiligabend am Leopoldplatz 1 aufbauen. „Es geht auch nicht nur ums Essen austeilen, wir wollen mit den Leuten auch ins Gespräch kommen. Ich bringe auch meine Kinder mit, damit sie sehen, dass das Leben draußen nicht immer rosig ist.“ „Ich denke, ab 14 Uhr geht es richtig los“, so Mamout-Oglou. Er glaubt, dass es 3 bis 4 Stunden dauert, „bis alles Essen weg ist.“ Es wird auch gespendete Kleidung verteilt und es gibt eine medizinische Grund- und Wundversorgung durch eine Mitarbeiterin der Charité, die sich ebenfalls auf das Video gemeldet hat.

Gulasch statt Döner: Essensaktion für Bedürftige am Leopoldplatz

Eigentlich wollten sie statt der traditionellen Gänsekeule bei Zander Döner verteilen – liegt nahe bei einem Döner-Verkäufer. Aber das klappte so kurzfristig aus Genehmigungsgründen nicht. „Mit dem Propangas unterwegs war wegen der Sicherheit nicht erlaubt, darum gibt es jetzt erstmal Hausmannskost. Gulasch mit Reis, Bohnensuppe und Salate.“ Aber auch ein paar Süßwaren. Doch der Plan mit dem Döner ist noch nicht vom Tisch: „Vielleicht schon beim nächsten Mal im Januar.“ Denn die Aktion soll nun regelmäßig stattfinden. „Wir sind alle keine Millionäre, aber wir haben unser Auskommen, und die, die verdienen, sollten die Armen nicht vergessen.“

Aber warum hat sich der Betreiber eines Döner-Lokals in Reinickendorf gerade den Leopoldplatz ausgesucht? „Das ist ein Problemviertel, das ich selbst sehr gut kenne, weil ich da groß geworden bin. Die Obdachlosigkeit nimmt immer mehr zu.“

Dass es nun gerade zu Weihnachten passiert, ist der lebenslangen Prägung durchs Umfeld geschuldet. Die Familie feiert Weihnachten nämlich nicht. „Mein Papa kommt aus der Türkei, meine Mutter aus Griechenland, nur für die Kinder gab es da Briefe vom Nikolaus.“ Aber natürlich habe er sein ganzes Leben in Berlin von seinen Freunden mitbekommen, wie wichtig den meisten Deutschen das Fest ist. „Für mich ist es selbstverständlich, das zu respektieren und das, was wir an Heiligabend mit unserer Aktion starten, ist ja ein bisschen auch das, was für viele die Essenz von Weihnachten ist: Wärme, Gesellschaft, gemeinsames Essen.“