Als Autofahrer in Berlin braucht man gute Nerven und Geduld – vor allem bei der Parkplatz-Suche. Das merken wohl auch täglich die Bewohner von Reinickendorf. Das Bezirksamt will dieses Problem lösen. Das Stadtentwicklungsamt gab daraufhin eine Studie in Auftrag – Kostenpunkt 100.000 Euro.
Das Ergebnis hat nun der CDU-Bezirksverordnete Felix Schönebeck in einer Pressemitteilung veröffentlicht. Demnach empfehlen die Macher der Untersuchung, dass in Tegel die erste Parkzone des Bezirks Reinickendorf eingerichtet werden sollte. Parken im öffentlichen Raum könnte in Zukunft zwei Euro pro Stunde kosten.
Tegel: Fahrzeuge werden behindernd geparkt
Zur Einordnung: In Tegel gibt es 10.600 Parkplätze im Straßenland und 5900 Stellplätze auf privaten sowie öffentlich zugänglichen Sammelanlagen wie Parkhäusern. Trotz dieses Angebots gibt es laut Studie jedoch kaum freie Stellplätze. Oft würden Fahrzeuge behindernd abgestellt, beispielsweise im Kreuzungsbereich oder an abgesenkten Bordsteinen. Werktags um 11 Uhr sei die Belegung der Parkplätze am höchsten – im Bereich Alt-Tegel, Borsigturm und Tegel-Süd liegt die Nachfrage zu dieser Zeit bei bis zu 99 Prozent.
Dazu kommentierte Schönebeck: „Als die Anwohnerparkzone mit dreistündiger Parkscheibenregelung 2016 eingerichtet wurde, hatte sich die Lage entspannt. Mittlerweile ist das wieder anders. Für eine spürbare Verbesserung würden schon verstärkte Kontrollen sorgen – ohne dass man über teure Parkscheine nachdenken muss.”
Pendler belegen Parkplätze in Tegel
Die Untersuchung zeigt laut Schönebeck auch, dass tagsüber in Alt-Tegel und in Tegel-Süd rund ein Drittel der abgestellten Fahrzeuge Autos von Personen sind, die dort nicht wohnen. Rund um den Borsigturm sei es sogar mehr als die Hälfte. Dabei handelt es sich oft um Pendler, die dann auch deutlich länger als die erlaubten drei Stunden im Gebiet parken.
Die Macher der Studie schlagen daher vor, in Alt-Tegel, rund um den Borsigturm und in Tegel-Süd, zwischen Egelstraße, Sterkrader Straße, Bernauer Straße und Wittestraße Parkzonen mit Parkraumbewirtschaftung zu errichten. Dem CDU-Politiker Schönebeck zufolge wurde bei der Diskussion zur Studie bekannt, dass die Parkzone nicht einheitlich gelten, sondern in mehrere Zonen aufgeteilt werden soll. Wer in der Parkzone in Tegel-Süd wohnt, aber in Alt-Tegel oder am Borsigturm parkt, wird trotz Anwohnerparkausweises zur Kasse gebeten.
Der CDU-Politiker rechnet vor: „Eine Stunde Parken am Straßenrand würde künftig zwei Euro kosten – mehr als in den Tegeler Parkhäusern, die 1,50 Euro pro Stunde verlangen. (...) Für eine dreistündige Dampferfahrt müssten zusätzlich sechs Euro, für einen zweistündigen Arztbesuch vier Euro eingeplant werden.“ Einzelhandel und Gastronomie in Tegel seien bereits maximal durch Dauerbaustellen und die fehlende U-Bahn gebeutelt. „Die Kaufkraft in Tegel hat mit sinkender Attraktivität nachgelassen. Die Parkraumbewirtschaftung könnte der Sargnagel für viele Tegeler Unternehmen und Geschäfte sein. Das müssen wir definitiv verhindern”, mahnte Schönebeck.
Bezirk: Parkgebühren sollen die Nutzung der Parkhäuser fördern
Korinna Stephan (Grüne), Stadträtin für Stadtentwicklung, weist in einer Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Berliner Morgenpost darauf hin, die Studie habe nicht nur das Parken untersucht. Vielmehr seien auch „Mobilitätshemmnisse, Fußverkehrsbarrieren, Nutzungspotenziale alternativer Mobilitätsangebote und die Auswirkungen eines Bevölkerungswachstums auf das gesamte Gebiet“ betrachtet worden. Die Studie sei über eine ordnungsgemäßie Ausschreibung und Vergabe erfolgt.
Laut den Empfehlungen der Verkehrsplaner gehe es um die Einrichtung mehrerer kleinerer Parkzonen sowie einen mittleren Gebührensatz. Damit solle der Parkdruck und Parksuchverkehr reduziert werden. Zudem wolle man die Nutzung der bestehenden Parkhäuser erhöhen und den öffentlichen Raum entlasten.
Davon profitiere der Handel, da die Erreichbarkeit durch die dann freien Kurzzeitparkplätze erhöht würde. Dauerparker, Pendler und Angestellte würden weniger Flächen blockieren, der Lieferverkehr könne besser abgewickelt werden.
Die Einnahmen könnten zudem dem Bezirkshaushalt zufließen, womit Maßnahmen zur Aufwertung des Ortsteils Tegel finanzierbar würden. Korinna Stephan betont, es handele sich bislang um eine fachliche Empfehlung, das Bezirksamt werde sich erst noch mit den Ergebnissen befassen. Sollte man dies weiter verfolgen, werde man auch die Öffentlichkeit und die Gewerbetreibenden mit einbinden.