In Heiligensee hat gestern die nächste große Sanierungsmaßnahme am Berliner Mauerweg begonnen. Auf rund einem Kilometer Länge, zwischen der Autobahn A111 und der Ruppiner Chaussee gelegen, bereitet das landeseigene Unternehmen Grün Berlin derzeit die Erneuerung des Weges vor. Der Teilbereich ist während der Bauarbeiten gesperrt und wird über die Ruppiner Chaussee und den Stolpmünder Weg umgeleitet. Die Ausweichstrecke ist vor Ort ausgeschildert.

Es handelt sich um das sechste Teilstück des insgesamt rund 160 Kilometer langen Erinnerungsrundwegs, das aufgrund starker Schäden grundlegend überarbeitet wird. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2026 geplant.

Mauerweg am Rande von Reinickendorf:

Der Abschnitt in Reinickendorf verläuft auf dem Gebiet des ehemaligen Grenzstreifens zwischen dem damaligen West-Berlin und der brandenburgischen Stadt Hennigsdorf. Wo heute Spaziergänger und Radfahrer unterwegs sind, standen einst Beobachtungstürme, Sperrzäune und Kontrollstreifen. Der heutige Verlauf des Mauerwegs folgt zum Teil dem historischen Zollweg, den bereits lange vor dem Mauerbau Grenzbeamte entlang der preußischen Grenze nutzten.

Auf der Westseite lag der Reinickendorfer Ortsteil Heiligensee, der östlich unmittelbar an die DDR-Gemeinde Stolpe-Süd (heute Hennigsdorf) grenzte. Die Verbindung über die Ruppiner Chaussee war seit August 1961 vollständig unterbrochen – nur Grenzpatrouillen, Signalzäune und Kontrollfahrzeuge passierten das Gebiet. Erst mit der politischen Wende 1989 öffnete sich der Übergang wieder für den zivilen Verkehr. Reste alter Fundamentstreifen und Trassenverläufe sind noch heute im Waldboden erkennbar.

Die baulichen Gegebenheiten waren schlecht für den Weg

Der sanierungsbedürftige Zustand des Abschnitts hat mit den baulichen Gegebenheiten der Vergangenheit zu tun: Uneinheitlicher Unterbau, aufgefüllte Grenzgräben und wechselnde Bodenverhältnisse machten den Weg vielerorts uneben und stellenweise kaum befahrbar. Nun erhält die Strecke einen neuen, langlebigen und witterungsbeständigen Belag, der Radfahrerinnen und Fußgängerinnen dauerhaft eine sichere Nutzung ermöglichen soll. Der abgetragene Asphalt wird recycelt, wo es technisch möglich ist, bleibt die bestehende Tragschicht erhalten. Neu modellierte Entwässerungsschneisen sollen das Regenwasser künftig gezielt in den angrenzenden Waldbereich leiten und dort zur natürlichen Bewässerung beitragen.

Neben der baulichen Aufwertung ist die Erinnerung an die Geschichte des Ortes integraler Bestandteil des Projekts. Eine neu errichtete Infostele mit historischem Bildmaterial informiert künftig in mehreren Sprachen über den Verlauf der ehemaligen Grenzanlagen und über den Wandel des Geländes vom militärischen Sperrgebiet zur grünen Freizeitroute. Ergänzt wird der Bereich durch eine neue Sitzbank aus unbehandeltem Eichenholz und verzinktem Stahl. Die 2,50 Meter lange Bank ist Teil einer speziell vom dänischen Wahl-Berliner Sigurd Larsen für den Mauerweg entwickelten Möbelfamilie, von der die ersten Exemplare 2023 im Schlesischen Busch aufgestellt worden sind. Der Designer hatte vor der Aufstellung die Hoffnung geäußert, dass das Naturholz nicht anziehend auf Graffiti-Sprayer wirken würde. Allerdings wurde diese Hoffnung – zumindest in Treptow – enttäuscht.

Bereits seit 2022 laufen Arbeiten an verschiedenen Teilbereichen zwischen Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf, Marienfelde und Spandau. Insgesamt investiert das Land Berlin bis Ende 2026 rund 12,4 Millionen Euro in die Instandsetzung der Strecke. 90 Prozent der Kosten trägt die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, die übrigen zehn Prozent stammen aus Mitteln der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.