Es gibt Unmut im Berliner Hygienebeirat: Reinhard Bartezky, Vertreter des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, und Patrick Larscheid, Vertreter der Berliner Amtsärzte, setzen auf eigenen Wunsch ihre Mitarbeit in dem Gremium aus. In einem Schreiben an Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD), das der Berliner Morgenpost vorliegt, begründeten sie diesen Schritt damit, dass sie den Eindruck hätten, „dass wissenschaftliche Argumentationen und medizinische Fakten nur noch sehr ausgewählt in die Entscheidungen hinsichtlich des Vorgehens an Berliner Schulen einfließen“.
Auch würden Entscheidungen, die eigentlich im Beirat zumindest vorbesprochen werden sollten, häufig bereits gefällt wirken und im Hygienebeirat lediglich mitgeteilt. Die Mediziner hätten immer stärker empfunden, dass sie sich mit getroffenen Entscheidungen nicht identifizieren konnten, und es sei offensichtlich, dass es einen starken „Einfluss von außen“ auf die Bildungsverwaltung gebe. „Wir haben dann in der Öffentlichkeit die Schläge einstecken müsse, obwohl wir mit der Entscheidung gar nichts zu tun hatten“, so Larscheid. „Das ist ein Kommunikationsstil, den wir nicht gutheißen. Dann pausieren wir lieber.“
Landeselternsprecher bedauert die Entscheidung
Einen konkreten Anlass für die Entscheidung der Mediziner habe es nicht gegeben. „Wir sprechen darüber schon seit zwei Monaten“, so Larscheid. „Aber wir haben es uns schwer gemacht, weil dieses Gremium ja nicht unser Privatvergnügen ist, sondern wir da für die Berliner Kinder drin waren.“ Aber auf diese Art könne man nicht zusammenarbeiten.
Norman Heise, Landeselternsprecher und ebenfalls Mitglied des Hygienebeirats, bedauert die Entscheidung der Ärzte, denn dadurch fehle dem Expertengremium eine wichtige Perspektive. Er finde sie auch nicht nachvollziehbar, denn die einzige Entscheidung, die vorher getroffen worden war, sei die Aufhebung der Präsenzpflicht gewesen, so Heise, „alle anderen waren zumindest meines Wissens nach nicht vorab besprochen worden.“ In der Bildungsverwaltung habe man den Wunsch der Mediziner, sich eine „Auszeit“ nehmen zu wollen, zur Kenntnis genommen, „die Mitarbeit der beiden ist aber jederzeit wieder willkommen“, so ein Sprecher.


