Reinickendorf
Hospiz

Große Nachfrage beim ersten Hospiz in Reinickendorf

Nach knapp zwei Jahren Bauzeit ist das erste Hospiz in Reinickendorf fertig. Kaum eröffnet, sind die vierzehn Zimmer schon belegt.

Die Gäste des Hospizes sind im Neubau untergebracht, Küche und Büros im historischen Katharinenhaus.

Die Gäste des Hospizes sind im Neubau untergebracht, Küche und Büros im historischen Katharinenhaus.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Den letzten Lebensabschnitt in Würde erleben, Menschen bei sich zu haben, die einem in dieser Zeit Geborgenheit geben und die Schmerzen nehmen – das erleben nun vierzehn Menschen im Hospiz in Reinickendorf. Es ist das erste des Bezirks, das nach zwei Jahren Bauzeit den Betrieb aufgenommen hat. Allerdings ist jetzt schon aufgrund der hohen Nachfrage klar: Ein Hospiz wird nicht reichen.

„Ort des Lebens“ – so beschreiben die Verantwortlichen das Hospiz in Hermsdorf an der Kurhausstraße. Für viele mag das wohl widersprüchlich klingen, schließlich sind die „Gäste“, wie die Hospiz-Mitarbeiter die zu pflegenden Menschen nennen, zum Sterben gekommen. „Sie sind aber noch nicht tot. Wir möchten diese Zeit so schön wie möglich gestalten“, sagt Joachim Müller, der das Hospiz in Pankow leitet und in Reinickendorf beratend zur Seite gestanden hat.

Hospiz-Gäste können im Bett auf dem Balkon die Sonne genießen

Obwohl der Tod ein täglicher Begleiter ist, spürt man diesen gar nicht, wenn man sich im Gebäude aufhält. Die Flure des Neubaus sind komplett verglast und lichtdurchflutet, die insgesamt 16 Zimmer in hellen Farben gestaltet – vierzehn Zimmer sind für die Gäste, zwei für Angehörige. „Viele bringen persönliche Dinge mit wie Bilder, Fotos, Porzellanfiguren oder auch den eigenen Sessel“, weiß Müller. Das Besondere an dem Hospiz in Hermsdorf ist, dass jedes Zimmer entweder einen Balkon oder eine Terrasse hat, auf den die Pfleger den Gast samt Bett schieben können, wenn es anders nicht mehr geht. Architektonisch ist der Neubau so gestaltet, dass es möglich ist, sich untereinander zu vernetzen, aber auch komplett alleine zu sein. Eine Wand bis zur Mitte des Balkons bietet Schutz, tritt man ans Geländer sieht man seine Nachbarn und kann ins Gespräch kommen. Abwechslung bietet auch ein Spaziergang zur Küche – durch die verglaste Front kann man den Köchen beim Arbeiten zusehen. Essen bekommen die Gäste übrigens wann sie es möchten.

Zwischen drei bis vier Wochen seien die durchschnittlich 70-jährigen Gäste nach Angaben Müllers im Hospiz, circa 150 sind es im gesamten Jahr. Die Krankheit Krebs dominiere bei den überwiegend Alleinstehenden, die keine Angehörigen hätten, die sie zu Hause betreuen könnten. „Jeder Mitarbeiter hat eine dreijährige Ausbildung absolviert und wurde speziell geschult“, sagt Müller. Diese Betreuung könnten Angehörige gar nicht leisten. Fachkräftemangel sei im Hospiz kein Thema, eher die Tatsache, dass man auf einen Platz mehrere Wochen warten müsse. „Die meisten informieren sich aber rechtzeitig“, weiß Müller. Ist ein Angehörigen-Zimmer frei, könne das aber auch im Notfall bezogen werden. Doch jetzt steht bereits fest: Die Nachfrage ist so hoch, dass auch zwei weitere Hospize kaum ausreichen würden.

Kostenplan des neuen Hospizes um 700.000 Euro überschritten

Die Verantwortlichen sind mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Zwar seien es statt den einst geplanten 5,1 Millionen Euro, 5,8 Millionen Euro geworden, „das lag aber daran, dass es unter anderem Schäden am Altbau gab, den niemand vorhersehen konnte“, sagt Thilo Spychalski, Geschäftsführer der Caritas-Klinik Dominikus Berlin-Reinickendorf. Das Katharinenhaus, in dem unter anderem Küche und Büros untergebracht sind, sei 120 Jahre alt. Ansonsten sei alles nach Plan gelaufen. Einzig auf Spenden sei man angewiesen. „Pro Jahr brauchen wir circa 80.000 Euro, um auf Null zu kommen“, sagt Spychalski. Circa 400 Euro kostet ein Gast pro Tag, 95 Prozent zahlen die Krankenkassen, fünf Prozent der Träger. Doch der kann die Summe nicht alleine stemmen. Der Geschäftsführer ist aber positiv gestimmt, „die Spendenbereitschaft ist hoch.“

Kontaktdaten des Hospizes

Auch wenn der Betrieb bereits läuft, so musste eine große Einweihungsfeier aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden. Jetzt soll es Mai oder Juni 2021 soweit sein, damit sich auch Anwohner einen Eindruck verschaffen können. Wer sich aber jetzt schon informieren möchte, kann das bei folgender Adresse tun: Caritas-Hospiz Katharinenhaus Berlin-Reinickendorf, Kurhausstraße 30, 13467 Berlin, für Fragen zur Anmeldung für einen Hospizplatz steht Sozialarbeiterin Frau Liebenau zur Verfügung, Tel.: (030) 3149 1944 (Mo-Fr, 9-14 Uhr), Mail: anmeldung@caritas-hospiz-reinickendorf.de. Bei alle anderen Anliegen hilft Pflegedienstleiter Herr Neumann unter Tel.: (030) 3149 1942, Mail: t.neumann@caritas-hospiz-reinickendorf.de