Reinickendorf
Mäckeritzwiesen

Überschwemmungsgefahr: Plan für die Mäckeritzwiesen steht

Der Mäckeritzgraben wird als Regenrückhalteraum dienen, Wasser der Grundstücke wird eingeleitet. 2021 könnte der Umbau losgehen.

Im Jahr 2017 waren die Mäkeritzwiesen überschwemmt, so dass Anwohnerin Bettina Lutze-Luis Fernandez nur noch mit dem Surfbrett durch den Garten paddeln konnte. Das soll mit den Maßnahmen des Senats nicht mehr passieren.

Im Jahr 2017 waren die Mäkeritzwiesen überschwemmt, so dass Anwohnerin Bettina Lutze-Luis Fernandez nur noch mit dem Surfbrett durch den Garten paddeln konnte. Das soll mit den Maßnahmen des Senats nicht mehr passieren.

Foto: David Heerde

Reinickendorf. Die Anwohner der Mäckeritzwiesen und des Singdrosselsteigs dürften momentan sehr unruhig sein. Zwar regnet es dieser Tage nicht so stark, doch das kann sich jederzeit ändern. Vor drei Jahren prasselte so viel Wasser auf den Boden, dass dieser die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte, eine Überschwemmung des Areals unterhalb des Flughafens im Tegeler Süden war die Folge. Der Senat hatte Hilfe zugesagt. Lange tat sich nichts, jetzt scheint etwas Bewegung in die Sache zu kommen.

Gärten waren überschwemmt, Wohnräume standen teilweise komplett unter Wasser, Möbel mussten entsorgt und Bäume gefällt werden – und das bei fast allen der insgesamt 180 Grundstücke. Damit sich dieses Szenario nicht wiederholt, hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutzs eine Hilfe in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus Siwana-Mitteln (Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds) für den Überschwemmungsschutz zugesprochen. Gemeinsam mit dem Bezirk Reinickendorf und den Berliner Wasserbetrieben suchten die Verantwortlichen nach Maßnahmen.

Wasser auf den Grundstücken wird über Einlaufschächte in Mäckeritzgraben eingeleitet

Im Auftrag des Senats haben die Berliner Wasserbetriebe (BWB) ein externes Ingenieurbüro beauftragt, eine Vorplanung für eine ordnungsgemäße Entwässerung des Siedlungsgebiets zu erstellen. Die erste Idee eines großen Regenrückhaltebeckens (Retentionsflächen) kann mangels ausreichender Flächen nicht weiterverfolgt werden, hieß es. Daher haben sich die Siedlervorstände, die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die Berliner Wasserbetriebe und der Abgeordnete Jörg Stroedter (SPD), an den sich die Siedler in ihrer Not gewandt hatten, für eine Variante entschieden – und zwar für die Verrohrung des Mäckeritzgrabens als Kanal.

Über offene Rinnen soll das Regenwasser der Wege in den Graben gelangen, das Wasser der Grundstücke wird über Einlaufschächte eingeleitet. Gleichzeitig dient der Mäckeritzgraben zukünftig als Regenrückhalteraum. „Am südlichen Ende des Grabens soll ein Sammelbecken errichtet werden, das Regenwasser auffängt; dort soll ein Pumpwerk das Regenwasser bei Bedarf in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal (BSSK) ableiten“, sagt eine Senatssprecherin.

Anwohner der Mäckeritzwiesen haben selbst Maßnahmen ergriffen

Die Anwohner der Siedlung Mäckeritzwiesen und des Singdrosselsteigs werden sich mit der Umsetzung allerdings noch gedulden müssen. Derzeit erstellt der Bezirk den Bebauungsplan. Staatssekretär für Umwelt

und Klimaschutz, Stefan Tidow, geht von einem Beginn der Baumaßnahmen Anfang 2021 aus, die Dauer wird auf ein Jahr geschätzt.

Deshalb sind die Anwohner nach Rücksprache mit den Verantwortlichen selbst tätig geworden und haben eine Übergangslösung gebaut. Den ehemaligen Mäckeritzgraben haben sie gemeinsam wieder ausgegraben und am Ende des Grabens eine Pumpe installiert, die das überschüssige Oberflächenwasser – Grundwasser wird nicht abgepumpt – durch ein Rohr in den Berlin-Spandauer Kanal leitet. Der Graben wurde nach Angaben des Senats bereits 1994 als Gewässer zweiter Ordnung entwidmet und dem Bezirksvermögen des Bezirks Reinickendorf zugeführt; ein Teil des ehemaligen Grabens wurde von den Siedlern verfüllt, um den gesetzlichen Bestimmungen und Auflagen der Berliner Feuerwehr zu entsprechen, heißt es vom Senat.

Was sich die Anwohner noch haben einfallen lassen, lesen sie hier: www.morgenpost.de

Einige Kosten müssen Siedler selbst übernehmen

Auf die Siedler wird allerdings einiges an Kosten zukommen. Da aus den SIWA-Mitteln nur Maßnahmen auf öffentlichen Flächen finanziert werden können – das heißt beispielsweise im Graben selbst, denn dieser ist Teil des Bezirksvermögens Reinickendorf – sind die Wege und Grundstücke im Siedlungsbereich nicht mit inbegriffen, da es sich um private Flächen handelt. Konkret bedeutet das: „Durch die SIWA-Mittel werden die Grabenverrohrung mit Einlaufschächten, der Rückhalteraum im südlichen Bereich des Grabens und das Pumpwerk finanziert“, sagt die Senatssprecherin. Die baulichen Maßnahmen im privaten Bereich müssten von den Anliegern selbst finanziert werden, also Kauf und Einbau von Regenwassertanks mit Tauchpumpe und der Wegebau mit Rinnenentwässerung. Der Wegebau ist entsprechend den Festlegungen des Bebauungsplanes umzusetzen, heißt es.

Was noch nicht geklärt ist, sind die Unterhaltungskosten der gesamten Anlange – der Senat kann zu jetzigem Zeitpunkt noch keine Angaben machen. Aus diesem Grund hat Ulf Wilhelm, Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Reinickendorf, zwei Anträge in die BVV eingebracht, damit die Unterhaltung der zukünftigen Hochwasserschutzanlage im Bereich ehemaliger Mäckeritzgraben durch den Bezirk übernommen wird und die Unterhaltungskosten dieser zukünftigen Hochwasserschutzanlage bei künftigen Bezirkshaushalten bei der bezirklichen Zuweisung durch die Finanzverwaltung berücksichtigt werden.