Reinickendorf
Strandbad Tegel

Darum kann das Strandbad Tegel nicht sofort öffnen

Reinickendorfer Politiker freuen sich über den neuen Betreiber. Ein Öffnung des Strandbads in diesem Sommer ist trotzdem nicht möglich.

Im Mai 2021 soll hier im Strandbad Tegel das Baden wieder möglich sein.

Im Mai 2021 soll hier im Strandbad Tegel das Baden wieder möglich sein.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Dass das Strandbad Tegel mit der neu gegründeten Strandbad Tegelsee gGmbH einen neuen Betreiber hat und wahrscheinlich im Mai 2021 öffnen wird, hat im Bezirk große Freude ausgelöst. Schließlich warten die Reinickendorfer seit nun vier Jahren auf die Wiedereröffnung. Und trotzdem gibt es für viele einen kleinen Wermutstropfen.

Denn was sich viele fragen: Wieso kann das Strandbad nicht schon jetzt öffnen? Schließlich kündigt der Deutsche Wetterdienst auch in den kommenden Tagen Temperaturen um die 30 Grad an. Wer sich das Gelände genauer angesehen hat, ahnt es schon: Die Gebäude sind runtergekommen, Scheiben eingeschlagen, das Kassenhäuschen demoliert. Aber selbst wenn man diese Bereiche absperren würde, kann ein reiner Badebetrieb nicht gestattet werden. Der Grund: Das Strandbad Tegel befindet sich in einem Trinkwasserschutzgebiet. Und da gelten strenge Regeln. Der neue Pächter hat bei der offiziellen Vorstellung auch erwähnt, dass deswegen noch zahlreiche Genehmigungen einzuholen sind. Ganz oben auf der Liste steht die Erneuerung der doppelwandigen Abwasserrohre.

Kiezinitiative fordert seit vier Jahren die Wiedereröffnung des Strandbades Tegel

Das musste auch Felix Schönebeck vom Verein „I love Tegel“ erfahren – seit der Schließung vor vier Jahren fordert er mit dem Reinickendorfer Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) die Wiedereröffnung des Strandbades. Schönebeck hatte den Berliner Bäder-Betrieben gemeinsam mit zwei befreundeten Unternehmern einen kurzfristigen Betrieb vorgeschlagen – die W&W Mobile WC-Anlagen GmbH würde ausreichend Toiletten zur Verfügung stellen, die Firma Manuel Antony Dienstleistungen für Müllbeseitigung und Sauberkeit im Strandbad sorgen. Nur genau dieses Aufstellen der mobilen Toiletten im Trinkwasserschutzgebiet waren damals wie heute das Problem. Zudem stand schon vor zwei Jahren im Raum, ob kurzfristig das Strandbad als öffentliche Badestelle für Gäste kostenfrei geöffnet werden kann. Denn das hieße: Baden auf eigene Gefahr. Und das war den Bäder-Betrieben zu heikel.

Trotzdem freut sich Felix Schönebeck über die Verkündung eines neuen Betreibers. „Das Strandbad Tegel soll schon im kommenden Jahr wieder für die Menschen geöffnet werden. Eintrittspreise und Angebote sollen preiswert und erschwinglich sind. Kinder und Jugendliche haben nach den Plänen freien Eintritt zum Strandbad. Die Reinickendorfer sind eingeladen, das Konzept aktiv mitzugestalten. Das sind wirklich tolle Nachrichten für den Bezirk.“

Reinickendorfer Politiker äußern sich positiv über die Eröffnung

In erster Linie gibt es positiven Stimmen aus dem Bezirk – auch seitens der Politik. „Ich freue mich, dass der jahrelange, parteiübergreifende Einsatz aller Beteiligten, von Bezirksbürgermeister Frank Balzer, über die Reinickendorfer Abgeordneten bis hin zum einstimmigen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf dazu geführt hat, Senat und Bäderbetriebe doch noch von der Vergabe des Strandbad Tegels an einen privaten Betreiber zu überzeugen. Die Entscheidung hätte schon lange fallen können, aber am Ende zählt das Ergebnis: Besser spät als nie“, sagt der zuständige Wahlkreisabgeordnete Stephan Schmidt (CDU).

Und auch Jörg Stroedter, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, zeigt sich erleichtert: „Endlich gibt es nach 4-jährigem Warten auf die Öffnung des Strandbads Tegel eine wirklich gute Nachricht für uns in Reinickendorf! Ich freue mich, dass es den beteiligten Akteuren jetzt gelungen ist, einen Pächter mit einem umfassenden Konzept zu finden und eine Wiederöffnung im Sommer 2021 realistisch wird – so wie ich es immer wieder öffentlich angekündigt habe.“

Forderungen an Bezirk und Senat den neuen Betreiber zu unterstützen

Felix Lederle, Fraktionsvorsitzender der Linken, sagt: „Die Linksfraktion begrüßt, dass das für den Bezirk wichtige Strandbad Tegel im nächsten Jahr seinen Betrieb wieder aufnehmen kann. Anders als zu Frank Henkels Zeiten als immer nur Sondergenehmigungen für jeweils ein Jahr erteilt wurden bis dies rechtlich nicht mehr möglich war, was dann zur Schließung geführt hat, ist es nun mittels langfristiger Erbbaupacht gelungen, eine nachhaltige und gute Lösung für das Strandbad zu finden, ohne den Berliner Steuerzahler über Gebühr zu belasten. Hinter der neu gegründeten Betriebsgesellschaft steht die gemeinnützige Nachbarschaftsinitiative „Neue Nachbarschaft/ Moabit e.V.“, die auf dieser Grundlage in der Lage ist, die dringend notwendigen Investitionen zu tätigen und in anderen Zusammenhängen bereits eine ausgezeichnete Arbeit geleistet und nun ein gutes Konzept für das Strandbad vorgelegt hat.“ Lederle fordert aber auch den Bezirk auf den neuen Betreiber im Rahmen seiner Möglichkeiten nach Kräften zu unterstützen.

Eine Forderung kommt auch seitens Schönebecks, aber an den Senat. Denn die Anbindung an das Strandbad Tegel ist bislang nicht geklärt. „Die Busanbindung ist Sache der BVG, der Waldparkplatz Sache der Berliner Forsten. Das alles liegt in der klaren Verantwortung des Senats. Der mutige Betreiber sollte hier nicht im Regen stehen gelassen werden.“ Bislang gibt es weder ausreichend Parkplätze, noch eine Busverbindung. Nach jetzigem Stand müssten Badegäste knapp 1,5 Kilometer laufen. Der neue Betreiber kündigte aber bereits an, an einer Lösung zu arbeiten.