Reinickendorf
Nach der Tegel-Schließung

Zukunftsvisionen für Tegel: So könnte das Areal mal aussehen

Verantwortliche stellen sich den Bürgerfragen zur Zukunft des City-Airports Tegel nach seiner Schließung. Es gibt viele Ideen.

So bunt könnte es nach der Schließung des Flughafens Tegel auf dem Areal einmal zugehen.

So bunt könnte es nach der Schließung des Flughafens Tegel auf dem Areal einmal zugehen.

Foto: Tim Dinter

Nachdem jahrelang immer neue Eröffnungstermine erst festgelegt und anschließend wieder abgesagt wurden, soll es im Herbst soweit sein. Der Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld soll am 31. Oktober 2020 in Betrieb gehen. Eine Woche später, am 8. November, soll dann der Flugbetrieb in Tegel enden.

Nach dem Willen des Senats sollen das riesige Airport-Areal und das denkmalgeschützte Terminalgebäude Platz bieten für „Berlin TXL – The Urban Tech Republic“, einem Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien, sowie für ein neues, smartes Wohnviertel, dem „Schumacher Quartier“. In einer öffentlichen Standortkonferenz informierten Projektbeteiligte am Mittwoch über den aktuellen Stand der Planungen.

Lesen Sie auch: Umbau Flughafen Tegel - Wohnungen in Holzbauweise entstehen

Rund 1000 Interessierte waren in das Kühlhaus Berlin an der Luckenwalder Straße in Kreuzberg gekommen, um unter anderem von Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), dem Präsidenten der Beuth-Hochschule, Werner Ullmann, und von Jörg Franzen, Chef der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau, Neuigkeiten zum künftig größten Entwicklungsprojekt in der Hauptstadt zu erfahren – und ihre Meinung dazu kundzutun.

Flughafen Tegel: Fläche von 461 Hektar beflügelt Zukunftsvisionen

Zur Erinnerung: Seit 2008 wird über die Zukunft des 461 Hektar großen Areals bereits in verschiedensten Gremien beraten und die Idee des Innovationsparks in sogenannten Werkstattverfahren entwickelt. Der entsprechende Masterplan wurde vom Senat 2013 beschlossen. Der zunehmende Bedarf an Wohnraum führte schließlich dazu, mit dem „Schumacher Quartier“ auch großflächig Wohnungsbau auf dem Areal und in den angrenzenden Bereichen in den Planungen zu berücksichtigen. 2018 wurden Bebauungspläne für Teile der „Urban Tech Republic“ und für das „Schumacher Quartier“ öffentlich ausgelegt, und 2019 wurde der landschaftsplanerische Wettbewerb für den Quartiers- und Landschaftspark entschieden.

Das Land Berlin hat die Tegel Projekt GmbH damit beauftragt, dies alles auf den Flächen des City-Flughafens zu entwickeln. Im Technologiepark sollen bis zu 1000 Unternehmen mit 20.000 Beschäftigten sowie rund 5000 Studierende für die Zukunft der Städte forschen, Lösungen entwickeln und produzieren.

Im benachbarten „Schumacher Quartier“ sollen den Planungen zufolge bis zu 9000 Wohnungen rund 20.000 Menschen eine neues Zuhause geben. Der Senat hat dazu Mitte 2019 die Fortführung der Planungen zur künftigen „Urban Tech Republic“ im Bereich der heutigen Tegeler Flughafenterminals A, B und D beschlossen. Für rund 365 Millionen Euro soll der denkmalgeschützte Komplex nach der Schließung des Flughafens nun umgebaut werden.

Die Investitionsmittel sollen gleich für mehrere Bereiche eingesetzt werden: für den denkmalgerechten Umbau des Terminals A als künftigen Standort des Forschungsschwerpunktes „Urbane Technologien“ der Beuth-Hochschule für Technik Berlin, für die Umnutzung des Terminals B als Gründungs- und Innovationszentrum mit Kongress- und Veranstaltungsräumen sowie schließlich für den Umbau des Terminals D zu einem Technologiezentrum mit Laboren.

Bund will Hubschrauberstaffel zunächst in Tegel belassen

Die Standortkonferenz am Mittwoch war bereits die zehnte. Entsprechend gut informiert waren die meisten Besucher bereits und stellten entsprechend konkrete Nachfragen. „Ich habe gehört, dass die Flugbereitschaft des Bundes erst 2030 aus Tegel abzieht. Blockiert das nicht das Projekt?“, wollte ein Besucher wissen. „Es stimmt, der Bund will seine Hubschrauberstaffel zunächst in Tegel belassen“, übernahm Verwaltungs-Staatssekretär Frank Nägele (SPD) die Beantwortung der Frage. Jedoch sei man mit dem Bund in Gesprächen und hoffe auf einen früheren Abzug. Zudem betreffe dies nur einen kleinen Teilbereich des Areals, der die weiteren Planungen nicht behindere, versicherte Nägele.

Auch um die Versorgung mit Kita-und Schulplätzen machten sich einige Anwohner aus den angrenzenden Quartieren Sorgen. Mit sechs Kitas sowie einem Bildungscampus mit Grund- und Sekundarschule sei gute Vorsorge getroffen, versicherte Nägele.

Werden die Wohnungen bezahlbar sein? Auch diese Frage beschäftigte viele. „Eine Hälfte wird von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die übrigen von Genossenschaften und Baugruppen errichtet“, sagte Philipp Bouteiller, Chef der Tegel Projekt GmbH. Zudem sollen 40 Prozent der Wohnungen mietpreisgebunden sein.

Die Gebäude seien als „sozial-ökologisches Modellquartier“ geplant, ergänzte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher. So sollen sämtliche Wohnhäuser auf dem Areal in Holzbauweise errichtet werden. Dies sei ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Zwar würden die Kosten eines Holzbaus derzeit noch rund 15 Prozent über denen in herkömmlicher Bauweise liegen. „Aber das wird sich in dem Moment ändern, wenn es uns gelingt, die Holzbauwirtschaft in der Region zu puschen“, sagte die Senatorin.

Auch die Verkehrserschließung des neuen Stadtviertels war ein Thema. Schließlich soll das Quartier autofrei sein. „Die Verkehrsanbindung erfolgt über die Straßenbahn, geplant sind Busverkehre, auf dem Gelände werden zudem gute Fahrradverbindungen entstehen. In sogenannten Quartiersgaragen an den Rändern des Areals sollen alle Angebote des öffentlichen Nahverkehrs, Bike- und Carsharing sowie E-Mobilität gebündelt und so das Umsteigen erleichtert werden“, sagte Bouteiller. Derzeit würden zudem drei verschiedene Streckenvarianten geprüft, um die U-Bahn in das Quartier zu führen.

Erste Bauarbeiten sollen im Jahr 2021 beginnen

Nur bei dem Wunsch eines Besuchers wurde der Chef der Tegel Projekt GmbH etwas schmallippig. Auf die Frage, ob denn nicht wenigstens ein Teil von Tegel als Flughafen offen bleiben könne, antwortete er äußerst knapp: „Nein!“

Der Baubeginn für die öffentliche Erschließung soll voraussichtlich im Jahr 2021 erfolgen – nach der Übergabe des Flughafengeländes. Bis 2030 sollen dann sukzessive Schulen und Kitas errichtet werden. Ebenso werde das Quartier in mehreren Schritten bis 2030 fertiggestellt.