Reinickendorf
Entwässerung

Lösung für Wasserproblem in der Cité Guynemer ist in Sicht

Aufgrund alter Leitungen, staut sich Abwasser im Keller. Da die Straßen aber privat sind, können die Wasserbetriebe nicht viel machen.

Jörg Stroedter (SPD, MdA,) setzt sich seit Jahren für die Anliegen der Anwohner in der Cité Guynemer ein. Er will bewirken, dass die Straßen öffentlich gemacht werden und somit die Berliner Wasserbetriebe sich um die Wasserleitungen kümmern.

Jörg Stroedter (SPD, MdA,) setzt sich seit Jahren für die Anliegen der Anwohner in der Cité Guynemer ein. Er will bewirken, dass die Straßen öffentlich gemacht werden und somit die Berliner Wasserbetriebe sich um die Wasserleitungen kümmern.

Foto: Susanne Kollmann

Reinickendorf. Ein starker Regenguss und der Keller könnte wieder unter Wasser stehen – mit dieser Angst leben viele Menschen in der Cité Guynemer seit etlichen Jahren. Was sich dann im Keller sammelt, ist Abwasser. Und das stinkt. Nach Angaben der Anwohner soll ein überfordertes Pumpwerk der Grund sein. Das Problem ist aber, dass die Straßen und Leitungen in der Cité Guynemer nicht nach deutschem Recht angelegt wurden. Es sind Privatstraßen und damit sind die Berliner Wasserbetriebe nicht zuständig. Eine Besserung der Situation scheint nun aber in Sicht.

Die Cité Guynemer liegt zwischen dem Flughafen Tegel und der Seidelstraße. Auf dem Gelände wurden Anfang der 1950er-Jahre Wohnungen für das Personal der französischen Luftwaffe errichtet. Nach dem Abzug der Alliierten aus Berlin wurden die Grundstücke von der damaligen Oberfinanzdirektion Berlin an Einzelpersonen und Immobilienunternehmen verkauft.

Genau so alt wie die Siedlung sind auch die Wasserleitungen. Zuständig für die Be- und Entwässerung ist das Unternehmen Cité-West Immobilien, die Straßen wurden bereits fast alle an die Wohnungsunternehmen verkauft, die dort investiert haben. Geschäftsführer Roland Türk hatte den Anwohnern erst vor wenigen Wochen einen Schrecken eingejagt, weil er die Firma als „in liquidation“ (die Firma auflösen) ausgewiesen hat. Viele dachten, die Entwässerung könnte dort nun komplett zusammenbrechen. Bei einem Schrecken ist es aber auch geblieben. „Ich wollte alle Beteiligten wachrütteln, um zu zeigen, dass es so nicht mehr weitergeht“, sagt Roland Türk. In den nächsten Wochen will er das Auflösen der Firma wieder rückgängig machen, sagt er. Ausreichend Geld, um alles instand zu setzen sei aber nicht da.

Stroedter: Wasserbetriebe müssen Zuständigkeit bekommen

Einer, der sich seit vielen Jahren für die Anwohner einsetzt, ist der Abgeordnete Jörg Stroedter (SPD). Er war es auch, der alle Beteiligten wie Vertreter der Berliner Wasserbetriebe, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), der Cité-West Immobilien, Wohnungsunternehmen und Anwohner zu einer Veranstaltung eingeladen hat, um gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. „Das Ziel ist, dass die Anwohner aus dieser Drucksituation rauskommen und die Berliner Wasserbetriebe die Zuständigkeit bekommen“, sagt Stroedter. Dafür müssten die Straßen öffentlich gemacht werden. Und das könnte, nach Angaben Stroedters, Jahre dauern.

Stroedter findet es zwar gut, dass in dem Gebiet viel neu gebaut worden ist, kritisiert aber, dass der Bezirk Baugenehmigungen erteilt hat, ohne das Grundproblem zu beseitigen. Denn die neuen Wohnungen wurden alle an das alte, marode Netz samt überfordertem Pumpwerk angeschlossen, was die Situation nicht verbessert. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, dann hätte ich hier keine Wohnung gekauft“, sagt Anwohnerin Yvonne Möritz, die nun befürchtet, die Kosten für die Sanierung mittragen zu müssen.

Gegen Wasserrückstau müssen sich Anwohner selbst schützen

Obwohl die Berliner Wasserbetriebe für die Cité Guynemer nicht zuständig sind, sind sie bereits in Vorleistung gegangen und haben sich auf Bitten von Jörg Stroedter das System und das Pumpwerk angeschaut – letzteres soll zeitnah gereinigt werden. „Die Anwohner müssen sich immer selbst gegen Wasserrückstau sichern und eine Rückstauklappe einbauen“, sagt Stephan Krüger, Abteilungsleiter für Entwässerung bei den Wasserbetrieben. Die Klappe sei wichtig, damit das Abwasser nicht in die Keller laufe. Anwohner, die über eine derartige Klappe verfügen, beklagen dennoch, ihre Toilette oder die Dusche über Tage nicht nutzen zu können, wenn sich Abwasser anstaue.

Wasserbetriebe wollen Höhe der Investition ermitteln

Im nächsten Schritt soll von den Wasserbetrieben ermittelt werden, wie viel Geld investiert werden muss. „Das Problem ist, dass wir ja noch gar nicht wissen, wie die Leitungen überhaupt aussehen“, sagt Stroedter. Hinzu kommt, dass sich vermutlich viele Leitungen gar nicht unter den Straßen befinden, sondern kreuz und quer unter den Grundstücken einiger Hauseigentümer angelegt wurden. Heißt: „Wenn es nicht so ist, wie es normalerweise sein muss, dann ist mehr zu machen und die Kosten werden höher“, ahnt Stroedter, der alle Grundstückseigentümer auffordert, den Berliner Wasserbetrieben Zugang zu gewähren, damit sie sich die Leitungen ansehen können. Die Berliner Wasserbetriebe kalkulieren mit einer Zeit zwischen drei und fünf Jahren für eine Erneuerung der Wasserleitungen, wenn die Straßen zeitnah umgewidmet werden.

Inzwischen gibt es einen regen Austausch zwischen den Wasserbetrieben und der Cité-West Immobilien, der laut Wasserbetriebe-Finanzvorstand Frank Bruckmann auch fortgesetzt wird. Die Wasserbetriebe sind bereit, sich in der Zukunft um Wasser und Abwasser zu kümmern, wenn sie es denn dürfen – dafür ist die Umwidmung der Straßen erforderlich.

24-Stunden-Notdienst hilft bei Überschwemmungen

Für die Anwohner dürfte wohl ein Satz von Roland Türk für etwas Beruhigung gesorgt haben: „In den nächsten Jahren, wird das Wasser nicht abgestellt. Vorausgesetzt, die Gespräche mit der BImA und den Wasserbetrieben verlaufen weiter so positiv.“ Kurzfristig sagte Türk zu, ein Fachunternehmen zu beauftragen, das bei Überschwemmungen mit einem 24-Stunden-Notdienst erreichbar ist. Bisher war das nur an Werktagen der Fall.

Laut Jörg Stroedter muss der Bezirk gezwungen werden, sich dafür einzusetzen, dass die Straßen öffentlich gemacht werden. Bis das soweit ist, will Roland Türk mit der Firma Cité-West Immobilien das System so lange betreiben. Genau dieses Thema wird im nächsten Stadtplanungsausschuss am 23. Januar ab 17 Uhr im Rathaus Reinickendorf diskutiert.