Reinickendorf
Verwahrlosung

Immer mehr Obdachlose am U-Bahnhof Wittenau

Immer öfter kampieren Wohnungslose am U-Bahnhof Wittenau. Das Ordnungsamt greift stärker durch und räumt den Bereich regelmäßig.

Die Zahl der Obdachlosen in Wittenau steigt. Besonders rund um den Bereich der S- und U-Bahnstation halten sich die Wohnungslosen auf.

Die Zahl der Obdachlosen in Wittenau steigt. Besonders rund um den Bereich der S- und U-Bahnstation halten sich die Wohnungslosen auf.

Foto: Michael Schulz

Berlin. Dicht nebeneinander liegen zwei Menschen auf dem Gehweg vor einem Supermarkt direkt an der U-Bahnstation Wittenau. Trotz der vielen Menschen, die zur Arbeit fahren, schlafen sie ruhig. Einige Meter weiter öffnet ein Mann eine Bierflasche und beobachtet das Treiben und den nächsten Obdachlosen, der auf der anderen Straßenseite eine Zeitung verkauft. Dieses Bild rund um den S- und U-Bahnhof Wittenau bietet sich den Menschen immer häufiger, nicht immer treffen sie auf friedliche Obdachlose. Ein Problem, das sich nach Angaben von Michael Schulz (Die Grauen) verschärft hat.

Obdachlose betteln am Gemüsestand

„In den vergangenen drei bis vier Jahren hat sich die Situation hier deutlich verschlechtert“, sagt Michael Schulz, der dort in der Nähe seit zwölf Jahren wohnt und die Situation täglich beobachtet. „Inzwischen ist es wirklich zu einem Problem geworden, weil viele, die zum Supermarkt gehen, angepöbelt werden“, sagt Schulz.

Diese Situation kennt auch Eyyüp Galisir, Mitarbeiter des Supermarktes Bolu. „Jeden Tag werden unsere Kunden hier draußen am Obst- und Gemüsestand um Geld angebettelt. Ich schicke die Obdachlosen dann weg, weil die Kunden genervt sind“, sagt er. Das Problem sei, dass die Bettler kurze Zeit später wieder vor Ort wären. Er befürchtet, dass die Kunden mit der Zeit fernbleiben könnten. Zudem würden sie Müll hinterlassen und dort auch urinieren, was gerade bei heißen Temperaturen zu massiver Geruchsbelästigung führen würde.

Nach Angaben von Michael Schulz müsse man zwischen zwei Gruppierungen unterscheiden: Den Wohnungslosen und den Alkoholikern – denn viele von ihnen würden sich nur dort aufhalten, um Bier zu trinken. „Der Eingang der U-Bahnstation wird als Tresen genutzt. Man muss einfach viel schneller eingreifen“, findet Schulz. Er denkt, dass sie sich dort vermehrt aufhalten, weil dort ein Verkehrsknotenpunkt ist. „Von hier kommt man schnell nach Tegel, Frohnau, ins Märkische Viertel und nach Reinickendorf“, sagt der hauptberufliche Fahrlehrer.

Bereich wird verstärkt vom Ordnungsamt kontrolliert

Ordnungsstadtrat Sebastian Maack sagt: „Das Problem ist uns bekannt, und der Bereich wird bereits seit letzter Woche verstärkt vom Ordnungsamt bestreift“, so der AfD-Politiker. Für den Umgang mit Obdachlosen habe er bereits 2017 ein Konzept entwickelt, das vorsieht, dass diesen zunächst ein soziales Angebot gemacht und der Platz erst dann geräumt werde. „Damit sind wir an dieser Stelle kulanter als fast alle anderen Bezirke, allerdings sind wir anschließend beim Räumen vermutlich auch etwas konsequenter“, so Maack.

„Problem wird nur verschoben“

Die Obdachlosen würden häufig an psychischen Problemen leiden, was sie davon abhalte, soziale Angebote anzunehmen, so der Stadtrat. Das heißt: Viele wollen an ihrer Situation gar nichts ändern. Das Konzept des Senats sieht vor, die Maßnahmen durch Psychologen zu begleiten – „das halte ich für sinnvoll und richtig“, sagt Maack.

Laut Michael Schulz müsste man jedoch wesentlich früher ansetzen. „Wenn jemandem die Wohnungsräumung droht, dann muss die Wohnungshilfe vorher agieren. Dann würden viele nicht auf der Straße landen“, sagt der 42-Jährige. In seinen Augen werde das Problem durch die Räumung nur verschoben, weil sich die Obdachlosen dann einen anderen Platz suchten.

Das weiß auch Sebastian Maack. „Wenn wir in Reinickendorf kurzfristig räumen, werden die Obdachlosen richtigerweise einfach nur woanders hingehen, wo man sich nicht um die Thematik kümmert.“ Das könnte laut Maack die Situation der Obdachlosen mit Blick in die Zukunft verschärfen.

Das Ziel ist für den Vorsitzenden der Grauen aber noch nicht erreicht. Michael Schulz möchte mit Ordnungsstadtrat Maack, Anwohnern und Vertretern von Polizei, BSR und BVG gemeinsam eine Lösung finden und daher eine Versammlung einberufen. Nur gemeinsam könne man das Problem in den Griff bekommen.