Reinickendorf
Brauerei

Aroma-Bier aus der Kreativ-Brauerei in Hermsdorf

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Martin Schmidt hat eigentlich in der Automobilindustrie gearbeitet. Jetzt führt er seine eigene Brauerei in Hermsdorf. In dem Bottich wird die Maische herstellt.

Martin Schmidt hat eigentlich in der Automobilindustrie gearbeitet. Jetzt führt er seine eigene Brauerei in Hermsdorf. In dem Bottich wird die Maische herstellt.

Foto: Maurizio Gambarini

Der Hermsdorfer Martin Schmidt erfüllt sich einen Traum und wird Kreativ-Brauer. In seiner kleinen Produktion macht er alles selbst.

Hermsdorf. Behutsam hebt Martin Schmidt einen 25 Kilo schweren Sack hoch und schüttet das Malz in die Mühle. „Das wird jetzt geschrotet“, sagt er. Anschließend gibt er alles in einen großen Bottich. Das Malz liegt in einem Sieb, von unten wird Wasser eingelassen, nach oben gepumpt und nach und nach je nach Sorte in mehreren Stufen erhitzt. „Das nennt man einmaischen.“ Heißt: Malzbestandteile werden mit Wasser in unterschiedlichen Temperaturstufen gelöst, damit Extraktstoffe gewonnen werden können, die für die Qualität des Bieres entscheidend sind.

Martin Schmidt hat ein Lächeln im Gesicht, während er den Deckel schließt und die Temperatur einstellt. Er hat sich einen langgehegten Traum erfüllt und braut seit Anfang des Jahres sein eigenes Bier in seiner kleinen Brauerei am Robinienweg in Hermsdorf.

Dabei handelt es sich aber um kein gewöhnliches Bier. Hinter den sieben Sorten Neumond, Finesse, Landpartie, Nachtlicht, Lokalpause, Strandkorb und Vollmond verbergen sich besondere Sorten. Denn der Kreativ-Brauer, wie er sich selbst bezeichnet, experimentiert gern mit Aromen. „Aber alles auf einer natürlichen Basis. Bei mir kommt nichts Künstliches ins Getränk“, versichert er. Die Aromen bekommt er durch die Zugabe unterschiedlicher Hopfensorten.

Selbstgebrautes mit Noten von Melone und Erdbeer

Martin Schmidt möchte Bier rausholen aus dem negativen Image und den Kneipen und Liebhabern eine Alternative bieten. „Bier ist wie Wein. Zu jedem Essen gibt es die passende Sorte“, sagt der ausgebildete Biersommelier und holt die Sorte Landpartie hervor. „Das ist super geeignet zu leichten Speisen wie Meeresfrüchten, Fisch, Spargel oder fruchtigen Desserts.“

Mit zarten Noten aus Melone und Erdbeer begleite dieses Weißbier die Speisen perfekt. Wer es etwas kräftiger mag, greift zum Neumond. „Mit Noten von Espresso, dunkler Schokolade und Sherry geht das sehr gut zu Grillgerichten und Wild oder zu Pralinen“, weiß Schmidt. Für den absoluten Genuss hat er auf das Etikett die empfohlene Temperatur vermerkt, bei der das Biet getrunken werden sollte.

Noch vor einigen Jahren lebte er mit seiner Frau in München und hat in der Automobilindustrie gearbeitet. Doch erfüllt hat ihn diese Arbeit zum Schluss nicht mehr. „Ich habe mich schon immer für besondere Biere interessiert und als junger Mann zu Partys keine gängigen Sorten mitgebracht“, erinnert sich Schmidt. Bei seinen Freunden war er dafür bekannt.

Nach einer Ausbildung zum Biersommelier vor drei Jahren und mehreren Praktika in Brauereien, um das Handwerkszeug zu erlernen, ist er in seine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt – in Hermsdorf wurde er geboren. Das meiste hat er sich aber selbst beigebracht und feilt seit dem immer wieder an seinen Rezepturen.

Bald gibt es das Bier in ausgewählten Supermärkten zu kaufen

Jetzt steht er in seiner kleinen Brauerei und macht alles selbst: Nach dem Einmaischen und der Zugabe des Hopfens wird die Flüssigkeit durch einen Plattenwärmetauscher geleitet, der diese auf 25 Grad Celsius runterkühlt, anschließend fließt alles in einen 625 Liter Tank, wo dann Hefe zugegeben wird – diese spaltet den Malzzucker in Kohlensäure und Alkohol.

Eineinhalb Wochen lagert das so genannte Jungbier, bevor es in dunklen Mehrwegglasflaschen abgefüllt und verkronkorkt wird. Nach einer weiteren Woche Lagerung wird es etikettiert. Die dunklen Flaschen seien wichtig, um das Bier vor Licht zu schützen. „Wenn es zu lange im Licht stand, schmeckt man das später. Vergleichbar mit einem nassen Pappdeckel“, sagt Schmidt.

Noch ist die Arbeit zu bewältigen, doch schon bald könnte sich das ändern, wenn die Nachfrage steigt. Das Bier wird nämlich nicht nur direkt bei ihm vor Ort, sondern voraussichtlich ab Februar auch in ausgewählten Supermärkten wie im Edeka am Eichborndamm zu kaufen sein. „Ich berate auch Gastronomen, die ihren Gästen etwas anderes anbieten möchten als die Standardbiere“, sagt Martin Schmidt.

In Zukunft soll Bier in Fässern von Spirituosen gebraut werden

Gern informiert er auch Privatkunden bei sich vor Ort und organisiert eine Verkostung. Einige Tausend Flaschen lagern bereits in seinen Räumen, wöchentlich kommen weitere hinzu. Dafür steht er an einigen Tagen von 7 bis 20 Uhr in seiner kleinen Produktionsstätte. Am Vor- und Nachtag muss alles gründlich gereinigt und desinfiziert werden.

Zwar ist der Betrieb gerade erst angelaufen, doch er schmiedet bereits Pläne für die nahe Zukunft. Er ist mit Menschen in Kontakt, die Spirituosen wie Rum, Vodka oder Gin brennen. Diese Fässer möchte er im Anschluss für sein Bier verwenden. „Das wird richtig gut schmecken.“

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