Reinickendorf
Zeichen für Toleranz

Regenbogenfahne wird nicht am Tag gegen Homophobie gehisst

CDU und AfD sprechen sich gegen die Regenbogenfahne aus. Das Hissen in der Woche des Christopher Street Day müsse reichen, heißt es.

Im nächsten Jahr wird am Tag gegen Homophobie keine Regenbogenfahne gehisst

Im nächsten Jahr wird am Tag gegen Homophobie keine Regenbogenfahne gehisst

Foto: Rainer Keuenhof / imago/Manngold

Berlin-Reinickendorf. Ein Zeichen für Toleranz setzen und dafür am 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Homophobie, die Regenbogenfahne vor dem Rathaus Reinickendorf hissen: Das fordern die Fraktionen FDP, SPD, Linke und Grüne.

"Wir müssen endlich ein Zeichen setzen. Es kann nicht sein, dass wir erst etwas beschließen, nachdem etwas passiert ist. Vorsorge ist besser als Nachsorge“, sagt Mieke Senftleben (FDP), die das Thema in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht hat. Ihr ist es wichtig, das Wort Toleranz mit Leben zu füllen und die Menschen mit dem Hissen der Regenbogenfahne zum Nachdenken anzuregen. Denn: Die Straftaten auf homosexuelle Menschen sind von 2016 (291 Übergriffe) auf 2017 (324 Übergriffe) gestiegen. Ein Grund mehr, die Menschen im Bezirk zu sensibilisieren, sagt Senftleben. „Es tut niemandem weh, die Fahne zu hissen und Toleranz wollen wir doch alle", betont die Fraktionsvorsitzende der FDP.

Verein "Regenbogen Reinickendorf" berät Homo- und Transsexuelle

Die Fraktionen der Grünen, SPD und Linke stimmen dem zu. „Wir Reinickendorfer sollten uns auf die Seite der Betroffenen stellen“, so Hinrich Westerkamp (Grüne). In gleichem Zug spricht er die queerpolitische Bootsfahrt im Mai dieses Jahres auf dem Tegeler See an, auf der Politiker mit Teilnehmern über Angebote für Homo- und Transsexuelle gesprochen haben. Das Resultat: In den Außenbezirken fehlt ein Beratungsangebot. Andreas Otto hat daraufhin kürzlich den Verein "Regenbogen Reinickendorf" gegründet, der Homo- und Transsexuellen bei allen Themen beratend zur Seite steht. Dennoch sei es wichtig, auf das Problem der Homophobie aufmerksam zu machen, sagt Westerkamp.

Strikte Fahnenverordnung

Die CDU- und AfD-Fraktion sehen das anders. Die Regenbogenfahne werde jedes Jahr in der Woche des "Christopher Street Day" gehisst, das müsse genügen, sagt Dirk Steffel (CDU). Denn damit zeige der Bezirk ganz deutlich, dass er sich für Toleranz einsetze. "Es ist viel sinnvoller, in Ausschüssen, in Vereinen oder an Schulen das Thema direkt anzusprechen", sagt Steffel. Zudem gebe es eine strikte Fahnenverordnung, an die es sich zu halten gelte. Die AfD teilt diese Argumentation, sagt, dass das Hissen der Fahne keine Probleme wird lösen können.

Mieke Senftleben, die den Antrag mit ihrer Fraktion eingebracht hat, kann die Gründe nicht nachvollziehen, schließlich gehe es um einen einzigen Tag - von einer Inflation kann nicht gesprochen werden. "Natürlich können wir das Problem an sich so nicht lösen. Aber wir müssen Flagge zeigen, damit die Menschen anfangen nachzudenken", betont Senftleben.

Genützt haben die Reden der Fraktionen FDP, SPD, Grüne und Linke in der Bezirksverordnetenversammlung nicht. Der Antrag wurde durch CDU und AfD abgelehnt, so dass auch im kommenden Jahr am 17. Mai keine Regenbogenfahne gehisst wird.

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