Das Bankensterben in Wittenau geht weiter. Wie die Postbank am Mittwoch mitteilte, zieht sie sich Ende November mit ihrer Filiale an der Oranienburger Straße 80 aus Reinickendorf zurück. Kunden können letztmalig am Mittwoch, den 28. November 2018, ihre Bankgeschäfte vor Ort erledigen.
Den Service der Post- und Paketdienstleistungen überträgt die Postbank zeitgleich auf eine neue Partnerfiliale der Deutschen Post. Zu diesem Zweck plant die Deutsche Post die zeitgleiche Eröffnung eines Standortes an der Roedernallee 88-90. "Für die Kunden bedeutet dies zwar einen Wechsel von Standort und Ansprechpartnern, die Dienstleistungen der Post können sie aber wie gewohnt in Anspruch nehmen", sagt ein Sprecher der Postbank der Berliner Morgenpost.
Für Beratungsangebote zum Thema Baufinanzierung, Altersvorsorge und Privatkredite empfiehlt die Postbank die Filiale in Wittenau am Wilhelmsruher Damm 150 oder die Postbank Finanzberatung, die die Kunden auf Wunsch auch zu Hause berate.
Die nächste Möglichkeit, kostenfrei Bargeld abzuheben, finden die Kunden an der Oranienburger Straße 61 (Shell) oder am Wilhelmsruher Damm 130-132 (Deutsche Bank). Darüber hinaus verweist das Unternehmen darauf, dass bereits viele Supermärkte im Umfeld das sogenannte Cashback-Verfahren anbieten würden, bei dem man sich nach dem Einkauf auch kostenfrei Geld auszahlen lassen kann. Dieser Service stehe bei Netto an der Hermsdorfer Straße 55 oder bei Edeka am Wilhelmsruher Damm 231 zu Verfügung.
Digitalisierung hinterlässt Spuren
"Wie alle Banken beobachtet auch die Postbank, dass sich der Markt sowie das Verhalten unserer Kunden in Zeiten der Digitalisierung verändern", erläutert der Sprecher auf Nachfrage. Auf diese Entwicklung stelle sich das Unternehmen ein und entwickle neue Filialformate. "Zudem überprüfen wir kontinuierlich unser Filialnetz hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit und der Optimierungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang hat die Postbank beschlossen, die Filiale in der Oranienburger Straße zu schließen."
Nach der Commerzbank im Sommer 2016, der Volksbank im Dezember 2016 und der Berliner Bank, heute Deutsche Bank, im April 2017, hatte im Juli 2017 auch die Sparkasse ihre Filiale an der Oranienburger Straße aufgegeben. Die Postbank war die letzte Bank mit einem klassischen Filialgeschäft und damit der Betreuung der Kunden von Angesicht zu Angesicht durch Mitarbeiter.
Kritik an Schließung der Postbank in Wittenau
Nachdem die Schließung bereits Ende Juni bekannt wurde, reagierten zahlreiche Anwohner empört. Die Berliner Morgenpost berichtete. "Das Problem ist, dass man in Wittenau eh schon keine Möglichkeiten mehr hat, Geld abzuheben und jetzt ist die letzte Möglichkeit auch bald weg. Echt traurig alles", schrieb beispielsweise Nicole Sadovski.
Mandy Pranger stellte fest: "Na toll, erst die Commerzbank, dann die Volksbank und Berliner Bank und nun auch noch die. Bald muss man ans andere Ende von Deutschland, um eine Filiale mit Personal zu finden." Jutta Mees denkt vor allem an die Menschen, die nicht mit Online-Banking aufgewachsen sind und auf eine persönliche Kundenbetreuung angewiesen sind. "Hier wird vergessen, dass es hier eine Menge älterer Menschen gibt. Ist das Kundendienst?", fragt sie sich.
Lutz Behnke hingegen, gibt zu bedenken, dass heutzutage keiner mehr bereit sei, für diese Dienstleistungen Geld zu bezahlen. "Kostenlose Girokonten haben wollen und sich dann wundern, wenn kostenintensiver, weil durch Menschen geleisteter Service nicht mehr angeboten werden kann. Die Geiz-ist-Geil-Generation hat ihre Spuren hinterlassen", schrieb er.
Verheerend für ältere Menschen
Auch der Wittenauer CDU-Bezirksverordnete und Leiter der überparteilichen Arbeitsgemeinschaft Wittenauer Geschäftsleute, Björn Wohlert, hat wenig Verständnis für die Entscheidung. "Die Kieze brauchen Stabilität und die Banken tragen hierfür eine enorme Verantwortung. Vor allem für die zahlreichen älteren Wittenauer Bürger und Geschäftsleute sind die Bankenschließungen verheerend", stellt er fest. "Für die Postbank hätte sich doch sogar die Chance geboten, neue Kunden durch das Schließen der Konkurrenz zu gewinnen", glaubt er. Dass ab Dezember wenigstens die Pakete im Sozialwarenhaus abgegeben werden könnten, freue ihn. „Das ist ein guter Standort in der Nähe.“


