Reinickendorf
Verschimmelte Wohnung

Neue Hoffnung für Denkmäler der Trettachzeile

Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger besucht die Bürgerinitiative Trettachzeile und verspricht Hilfe für Denkmal und gegen Schimmel.

Katrin Schmidberger (Grüne, links) macht sich ein Bild von der Situation in der Wohnung von Regina Schönfeld (rechts)

Katrin Schmidberger (Grüne, links) macht sich ein Bild von der Situation in der Wohnung von Regina Schönfeld (rechts)

Foto: Charlene Rautenberg

Berlin. In der Wohnung von Heinz-Jürgen Korte hängen überall weiße Zettel an der Wand. Darauf Jahreszahlen und Wörter wie "Feuchtigkeitsflecken" oder "Schimmel". Dabei sprechen die dunklen Stellen an den Wänden in Schlafzimmer, Kinderzimmer, Küche, Bad und Vorratskammer für sich. An den Herd jedenfalls stellt sich Regina Schönfeld, die Lebensgefährtin von Heinz-Jürgen Korte, schon längst nicht mehr. Überhaupt hält sie sich nur noch ungern in der gemeinsamen Drei-Zimmer-Wohnung auf. "Das Bad ist bei uns der trockenste Raum", sagt Heinz-Jürgen Korte.

"Hier könnte ich nicht wohnen"

Seit 2010 breitet sich der Schimmel aus. Küchenfliesen, Tapeten und die Rückwand des Kleiderschranks mussten schon entfernt werden. Im Wohnzimmer schimmelt es nicht mehr, deshalb stapeln sich dort Kleiderberge und Kochtöpfe, alle Lebensmittel stehen im Bücherregal. "Neben Goethe", sagt der Bewohner. Die Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger schreckt mit angeekeltem Gesicht zurück, als sie die verschimmelte Wand in der Küche des Wohnhauses sieht. "Hier könnte ich nicht wohnen", sagt sie beim Begehen der Räume.

Sie wurde von Vertretern der Bürgerinitiative "Altes Wasserwerk Tegel" eingeladen. Denn auf dem Areal mit denkmalgeschützten Gebäuden zwischen Trettachzeile, Ziekowstraße und Trepliner Weg in Tegel gibt es neben Schimmel noch ganz andere Probleme: Dort regt sich Protest gegen den hoch umstrittenen Bebauungsplan, den das Bezirksamt im Februar vorgelegt hat.

Demnach soll das 13.620 Quadratmeter große, überwiegend gewerblich genutzte Gelände nun als Wohn-, Misch- und öffentliche Grünfläche neu geplant werden. Konkret heißt das, dass der Eigentümer, die Projekt Immobilien Berlin GmbH, dort acht Wohnhäuser mit vier Geschossen und insgesamt 91 Wohnungen bauen darf.

Unterstützung für den Erhalt der Werkstätten

Von den drei denkmalgeschützten Gebäuden soll eins zugunsten von zwei Neubauten abgerissen werden. Das betrifft die Motorradwerkstatt "Pfiffikus" von Heinz-Jürgen Korte und die Kfz-Werkstatt seines Nachbarn Frank Müller. "Das bedroht unsere Existenz", sagt Heinz-Jürgen Korte. Wie seine Frau kann er sich nicht vorstellen, mit seinem Gewerbe von dort wegzuziehen. "Ein vergleichbares Grundstück werde ich zu dem Preis nicht mehr finden und mir brechen meine Stammkunden weg", sagt der Werkstattbesitzer. Sein Mietvertrag für die Gewerberäume laufe bis 2028 - doch er vermutet, dass der Eigentümer diesen früher auflösen will, da bis 2021 die Bauarbeiten abgeschlossen sein sollen.

Katrin Schmidberger (Grüne) verspricht am Mittwoch nach der Begehung, sich für den Erhalt der Werkstätten einzusetzen. "Wir haben in Berlin das Problem, dass nicht nur Wohnen, sondern auch Gewerbe zunehmend verdrängt wird. Da es kaum Ersatzflächen gibt, ist das unzumutbar", sagt sie.

Bezirk soll Pläne überdenken

Über eine parlamentarische Anfrage wolle sie sich über vergangene Auflagen bezüglich des Denkmalschutzes informieren und den Bezirk dazu bewegen, seine Pläne für die Werkstätten zu überdenken. Ob sie damit Erfolg haben wird, ist fraglich, Bürgermeister Frank Balzer (CDU) hatte den Bebauungsplan als Ergebnis von "Abwägungen" verschiedener Interessen verteidigt. Im weiteren Planverfahren könne sich noch einiges ändern und die Bürger würden beteiligt. Marius Helmuth-Paland vom Denkmalschutzamt Reinickendorf hatte bereits mit Blick auf die Trettachzeile 15 angemerkt: "Wenn wir hier an dieser Stelle Wohnungsbau wollen, müssen wir uns auch von diesem Denkmal trennen."

Räumungsklage steht im Raum

Heinz-Jürgen Korte und Regina Schönfeld bangen indes auch um ihre Wohnung. Noch immer ist nicht klar, ob die Räumungsklage des vorherigen Eigentümers, der Deutschen Wohnen, gegen sie vollstreckt wird. Ariane Graf-Hertling, Geschäftsführerin der Projekt Immobilien Berlin GmbH, habe bereits versprochen, die Klage nicht zu übernehmen. Damit wäre sie vom Tisch. "Damit das auch sicher ist, werde ich um eine schriftliche Bestätigung bitten", sagt die Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger. Auch wolle sie sich erkundigen, wie es mit der Sanierung und der Schimmelbeseitigung weitergeht. Bis dahin werden die weißen Zettel für die Gutachter in Heinz-Jürgen Kortes Wohnung wohl noch hängen bleiben.

Bürgerbeteiligung

Was?

Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit kann noch bis zum 4. Mai der Bebauungsplan mit der Nummer 12-63 im Bezirksamt Reinickendorf eingesehen und eine Stellungnahme eingereicht werden. Die Unterlagen liegen in den Räumen des Fachbereiches aus und es ist möglich, dazu Fragen zu stellen. Die Einsicht gilt unter anderem für die Grundstücke <<Trettachzeile>> 3 - 19, Ziekowstraße 79 - 85 und Trepliner Weg 4 - 8 G

Wo?

Bezirksamt Reinickendorf, Eichborndamm 215, 13437 Berlin, Sprechzeiten des Fachbereichs Stadtplanung und Denkmalschutz (Raum 214): Dienstag 9 - 12 Uhr, Donnerstag 15 - 18 Uhr

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