Reinickendorf
Bebauung von Grünfläche

Umstrittenes Grundstück in Reinickendorf wird doch bebaut

| Lesedauer: 3 Minuten
Janine Richter
Ärger um Grünzug in Cité Guynemer: Ralf Zeppernick und seinen Nachbarn wurde 18 Jahre lang erzählt, dass der Grünzug nicht bebaut wird. Doch die Zeiten ändern sich. 

Ärger um Grünzug in Cité Guynemer: Ralf Zeppernick und seinen Nachbarn wurde 18 Jahre lang erzählt, dass der Grünzug nicht bebaut wird. Doch die Zeiten ändern sich. 

Foto: Janine Richter

Obwohl die Grünfläche 603 in der Cité Guynemer in Reinickendorf erhalten bleiben sollte, beginnen dort in Kürze Bauarbeiten.

Berlin.  Ralf Zeppernick streift über den Grünzug vor seinem Haus in der ehemaligen, französischen Waldsiedlung Cité Guynemer am Tegeler Flughafen. Dieses Stück Natur gehört bald der Vergangenheit an. Und deshalb sind er und seine Nachbarn richtig sauer. Eine Verdichtungsgeschichte? Nein, nicht nur. Auch eine Geschichte über die Erschütterung des Grundvertrauens des Bürgers in Verwaltung und Demokratie, wie er sagt.

„Worauf kann sich ein Bürger noch verlassen?“

Als Zeppernick das Haus an der Allee St. Exupéry 1999 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) kaufte, habe man ihm und den Nachbarn versichert, dass die angrenzende Grünfläche kein Bauland sei. „In einem Zeitraum von 18 Jahren hat uns das Bezirksamt Reinickendorf auch mehrfach erklärt, dass dieses Grundstück nicht bebaut werden könne und eine private Grünfläche sei“, sagt Zeppernick. Doch dies ist nun alles nicht mehr wahr. Ein Bauschild eines Investors wies die Anwohner kürzlich darauf hin – nicht aber das Bezirksamt selbst. „Worauf kann sich ein Bürger noch verlassen, wenn ihm über 18 Jahre hinweg eine falsche Auskunft durch das Amt erteilt wird?“, fragt er sich.

Als 2013 der entsprechende Bebauungsplanentwurf der Cité Guynemer aufgestellt und von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen wurde, wurden auch Ziele für die Bebauung und Grünflächen der Waldsiedlung formuliert. Auf diese hatte man sich mit den Bewohnern geeinigt. Für die Baugrundstücke wurde eine Mindestgröße von 400 Quadratmetern sowie Vorgaben zur Bebauungsdichte und zur Geschossflächenzahl festgeschrieben. Das Flurstück 603 mit seinem „wertvollen“, hohen Bäumen mit großen Kronen wurde explizit von der „baulichen Nutzung ausgenommen“.

Der Baumbestand sei wichtig für den parkähnlichen Charakter des Wohngebietes, hieß es damals. Deshalb werde dieses Grundstück als „private Grünfläche“ festgesetzt. Aber es war eben nur ein Entwurf – und das ist die Krux. Der Entwurf ist immer noch nicht rechtskräftig. Deshalb kann der Investor nun auf der Grünfläche bauen. „Die alten Bäume und die Spielfläche der Kinder werden nun einfach privaten Bauinteressen geopfert“, sagt Zeppernick. Die damalige Bürgerbeteiligung gerate nun zur Farce. „Das man alle formulierten Ziele ohne Not aufgibt, widerspricht meinem demokratischen Verständnis.“

Der Leitung des Stadtplanungsamtes Marius Helmuth-Paland erklärte im zuständigen Ausschuss, warum das Amt nun der Bebauung der Grünfläche zustimmen muss. „Die einzelnen Bauherren haben sich immer an die Struktur des Bebauungsplanentwurfes gehalten“, sagt Paland. Mit dem jetzigen Eigentümer habe man eine derartige Vereinbarung nicht treffen können, um diese Fläche der Bebauung zu entziehen. Denn die private Grünfläche liegt im allgemeinen Wohngebiet. Der Bebauungsplan sei bis heute nicht rechtssicher festgesetzt, weil die Siedlung noch immer nicht an das öffentliche Straßen- und Wegenetz sowie an das Ver- und Entsorgungsnetz angeschlossen sei. Manche Grundstückseigentümer würden klagen, um dies auch nicht tun zu müssen.

Bauantrag des Investorsliegt bereits vor

„Die B-Plan-Festsetzung ist somit ausgeschlossen. Wir müssen also jetzt rechtlich die Bebauung genehmigen, sonst sind wir bei einer Klage des Investors schadensersatzpflichtig“, erläutert Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU). In der Abwägung sei dieses Risiko zu groß. Er bedauere dennoch, dass alles „ungünstig“ gelaufen sei.

Am vergangenen Freitag habe der Investor seinen Bauantrag eingereicht. Dieser sieht vor, dass auf dem Parkgelände nun ein Einfamilien- und ein Doppelhaus entstehen. Ob die Bäume dabei erhalten bleiben können, werde geprüft.