Wohnungen

Mieter im Märkischen Viertel protestieren gegen Baupläne

Die Gesobau will Parkhäuser abreißen, um Wohnungen zu bauen. Die Mieter sind wütend über die Pläne.

Protestler Harald Liefke und Hans-Joachim Fehmarn (l.) organisieren den Mieterprotest im Märkischen Viertel gegen den Neubau eines Wohnhauses und den Abriss von zwei Parkhäusern

Protestler Harald Liefke und Hans-Joachim Fehmarn (l.) organisieren den Mieterprotest im Märkischen Viertel gegen den Neubau eines Wohnhauses und den Abriss von zwei Parkhäusern

Foto: Janine Richter / BM

Noch können Harald Liefke und seine Frau Ursula den Ausblick aus ihrem Arbeitszimmer über die Lübarser Felder und die Kleingartenkolonie genießen. Doch schon bald soll ihnen nach den Plänen des städtischen Wohnungsunternehmens Gesobau AG ein achtgeschossiges Wohnhaus die Sicht verstellen und ein flaches, angrenzendes Parkhaus ersetzen. "Und das, wo unsere Parkplatzsituation im Märkischen Viertel eh schon prekär ist", schimpft Harald Liefke. "Wo sollen nun noch die neuen Mieter parken?"

Das Paar lebt an der Finsterwalder Straße und hat einen Stellplatz im Parkhaus nebenan gemietet. Sie organisieren mit anderen Mietern einen Protest, der sich gegen die Bauvorhaben richtet. 80 Unterschriften haben sie schon gesammelt und eine Protestnote an die Gesobau und Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) gerichtet.

Die Baupläne sehen im Detail vor, das Parkhaus am Senftenberger Ring ab Juli 2017 und das Parkhaus an der Finsterwalder Straße ab Januar 2018 abzureißen, bestätigt das Unternehmen. Am Senftenberger Ring werde ein neues, acht Stockwerke hohes Parkhaus mit 550 Stellplätzen gebaut. An der Finsterwalder Straße soll hingegen die Parkfläche weichen und ein Hochhaus mit 80 Wohnungen in acht Etagen entstehen.

Gesobau wehrt sich gegen Vorwürfe

"In den Bauvorhaben und Planungen bis 2026, die in unserer Mieterzeitschrift angekündigt wurden, war nie die Rede von beiden Projekten", sagt Liefke. Er vermutet dahinter eine Verschleppungstaktik, um Protest zu verhindern. Die Leiterin der Gesobau-Unternehmenskommunikation, Birte Jessen, widerspricht: "Anfang Januar 2017 waren die Vorplanung, Bodenuntersuchungen usw. abgeschlossen, sodass die erste Mieterinformation erst danach erfolgen konnte. Es liegt uns fern, Bauprojekte ,zu verschweigen', um Protest zu verhindern", sagt sie. Es würden Informations- und Mieterveranstaltungen stattfinden, sobald belastbare Planungen vorlägen. Die Bebauungsmöglichkeiten seien mit dem Stadtplanungsamt vorbesprochen. Balzer teilte der Morgenpost mit, dass noch kein Bauantrag vorliegt, aber der Realisierung eines Wohngebäudes dort nichts entgegenstünde, wenn es sich in die Umgebung einfügt.

Die Gegner entmutigen diese Aussagen nicht. "Wenn noch keine Baugenehmigung vorliegt, haben wir noch eine Chance", sagt Harald Liefke. "Wir wollen über das Projekt diskutieren und eingebunden werden." In ihrer Protestnote argumentieren die Mieter, dass viele ältere, gehbehinderte Menschen zum neuen Parkhaus längere Wege auf sich nehmen müssten. Auch der Naturschutz käme zu kurz: Bäume müssten gefällt werden, Grünflächen weichen und seltene Vögel würden ihr Zuhause verlieren. Zudem moniert der Mieterprotest die steigenden Preise für einen Stellplatz im neuen Parkhaus. Einer zweiten Initiative im Märkischen Viertel, die sich auch gegen das Hochhaus an der Finsterwalder Straße richtet, steht Monika Mollier vor: "Das Hochhaus bedeutet eine ganztägige Beschattung der umliegenden Wohnhäuser. Damit wird die Wohnqualität und Sicherheit der umliegenden Häuser beeinflusst" sagt sie und hat sich bereits an den Petitionsausschuss des Bundestages und an den Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses gewandt.

Die Gesobau hält die Ängste aller Mieter für "unbegründet". Es würden keine genutzten Parkplätze verloren gehen, sagt Birte Jessen. Alle jetzigen Mieter erhielten vorrangig die Möglichkeit, sich einzumieten – jedoch zugegebenermaßen zu höheren Preisen. "Eine gemeinsame Entwicklung beider Flächen hin zu einem Parkhaus sowie die Möglichkeit, 80 neue Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung zu schaffen, erscheint uns daher als optimale und nachhaltige Lösung", sagt Jessen. Schließlich sei das Ziel im Koalitionsvertrag vereinbart, die Anzahl an Wohnungen im Besitz des Landes Berlin bis 2026 durch Neubau und Ankauf auf insgesamt 400.000 zu erhöhen.

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