Am Senftenberger Ring im Märkischen Viertel hat sich in der Nacht zu Sonnabend ein blutiges Eifersuchtsdrama mit tödlichem Ausgang abgespielt. Ein 45 Jahre alter Mann ist nach Polizeiangaben noch am Tatort an den Folgen von Messerstichen gestorben.
Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei von einer Beziehungstat aus. Der bei dem vorangegangenen Streit selbst verletzte Tatverdächtige konnte zunächst flüchten. Der 34-Jährige wurde jedoch wenig später nur zwei Häuser vom Tatort entfernt in der Wohnung von Familienangehörigen gefasst. Der mutmaßliche Täter wurde zunächst zur Behandlung seiner Blessuren in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Ermittlungen zum Hergang des Tatgeschehens und deren Hintergründen hatte noch in der Nacht eine Mordkommission übernommen.
Der 34-Jährige, bei dem es sich nach Morgenpost-Informationen um Uwe D. aus Berlin handelt, soll dem Paar in der Wohnung seiner ehemaligen Lebensgefährtin aufgelauert haben. Die 28-jährige Mutter einer Tochter war gegen 3.45 Uhr mit ihrem Freund in die Wohnung im achten Obergeschoss zurückgekehrt, als sie dort von Uwe D. überrascht wurden. Ob Uwe D. den neuen Liebhaber von Denise W. lediglich zur Rede stellen wollte oder bereits den Plan gefasst hatte, den Mann anzugreifen, ist ebenfalls Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Nach dem Aufeinandertreffen der beiden Männer muss es rasch zu einer Auseinandersetzung gekommen sein. Der 45 Jahre alte Freund der 28-Jährigen erlitt bei dem Streit so schwere Stichverletzungen durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper dass jede Hilfe zu spät kam. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.
Täter bereits 45 Minuten nach der Attacke festgenommen
Offensichtlich hatte der 45-Jährige noch heftigen Widerstand gegen die Attacken des 34-Jährigen geleistet. Denn Uwe D. war nach dem Angriff blutend durch das Treppenhaus ins Freie geflüchtet. Gerade einmal 45 Minuten nach dem Aufeinandertreffen der beiden Männer war der 34-Jährige bereits von alarmierten Polizeibeamten festgenommen. Auch Uwe D.s Verletzungen waren so gravierend, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste.
Kriminaltechniker waren bis in die Mittagsstunden mit der Sicherung von Spuren beschäftigt. Erst danach wurde die Leiche des Opfers zur Untersuchung in der Gerichtsmedizin freigegeben. Dort sollte der Leichnam noch am selben Tag obduziert werden.
Die Tochter war nicht zu Hause
Denise W. war entweder während des Verbrechens oder unmittelbar danach aus ihrer Wohnung geflüchtet und hatte von der Wohnung eines Nachbarn aus die Polizei alarmiert. Der kleinen Tochter der 28-Jährigen blieb es zumindest erspart, das Beziehungsdrama mitzuerleben. Das Mädchen hatte sich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Tatwohnung am Senftenberger Ring aufgehalten, sagte ein Polizeisprecher am Sonnabend. Wie diese Zeitung erfuhr, waren Denise W. und Uwe D. zehn Jahre lang ein Paar gewesen und hatten eine gemeinsame Tochter.
Noch im vergangenen Sommer hatte es keine Anzeichen für eine bevorstehende Trennung gegeben. In einem sozialen Netzwerk hatte die 28-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch Zeilen gepostet, die auf ein entspanntes Miteinander mit der Tochter schließen lassen. Im Mai hatte Denise W. ein an Uwe D. gerichtetes Liebesgedicht veröffentlicht, in dem sie ihre große Zuneigung zu ihrem sechs Jahre älteren Partner unterstrich und ihrer Hoffnung auf weitere zehn gemeinsame Jahre Ausdruck gab. Die plötzliche Trennung von der langjährigen Freundin und Mutter der gemeinsamen Tochter könnte den 34-Jährigen in eine schwere Krise gestürzt haben, die schon nach kurzer Zeit urplötzlich in einer Gewalttat mündete. Nach Ansicht von Kriminologen wäre das ein typischer Ablauf, wenn eine Beziehungskrise tödlich endet.
Eifersucht gilt in Deutschland als das mit Abstand häufigste Motiv bei Tötungsdelikten mit der Konstellation männlicher Täter, weibliches Opfer. Kriminologische Untersuchungen der Universitäten Heidelberg und Halle-Wittenberg kamen erst vor knapp einem Jahr zu dem nahezu gleichen Ergebnis: Eifersucht als Tatmotiv tritt bei etwa 60 Prozent aller Fälle von Mord und Totschlag zutage. Erst Mitte September war in Charlottenburg ein 68-Jähriger nach der Tötung seiner Ex-Lebensgefährtin festgenommen worden. Die Mordkommission geht auch in diesem Fall von einer Eifersuchtstat aus.


