Nachtleben in Berlin

Weg frei für Neubau des Knaack-Klubs am Mauerpark

Senat gibt grünes Licht für Knaack-Kulturhaus an der Eberswalder Straße. Der Klub musste 2010 nach Ärger um Ruhestörung schließen.

Ein Ort für fette Beats? Die Freiflächen in der Straßenbahn-Wendeschleife an der Eberswalder Straße kommen nun tatsächlich als Standort für den neuen Knaack-Klub in Betracht.

Ein Ort für fette Beats? Die Freiflächen in der Straßenbahn-Wendeschleife an der Eberswalder Straße kommen nun tatsächlich als Standort für den neuen Knaack-Klub in Betracht.

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Fast zehn Jahre ist es her, dass der Knaack-Klub in der Greifswalder Straße nach einem Streit um spätabendliche Ruhestörung schießen musste. Bis heute gilt der Fall auch jenseits des Prenzlauer Berg als warnendes Beispiel dafür, dass sich die Berliner Clubkultur der Nachwendezeit und Lärmschutzvorgaben kaum vereinbaren lassen.

Auch die Hoffnungen auf den Neubau eines Knaack-Kulturhauses in der Straßenbahn-Wendeschleife am Mauerpark mit einem Konzertsaal für bis zu 1000 Besucher schienen sich zuletzt zerschlagen zu haben. Zu kompliziert war die Gemengelage aus verschiedenen Interessen von BVG, Senat, Bezirk und den Knaack-Machern zur Mitte des Jahrzehnts. Zu viele bürokratische Hindernisse standen dem guten Willen auf Seiten der Club-Betreiber und Politiker entgegen. Aber jetzt stellt sich heraus: Das Projekt zur Wiederbelebung kann doch noch gelingen.

Bezirksamt Pankow hat Bauvorbescheid Anfang 2019 erteilt

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sieht die Probleme bei der Anbahnung des Knaack-Neubaus an der Eberswalder Straße als behoben an. „Im Frühjahr 2018 wurde durch die Knaack-Kulturhaus GbR beim Bezirksamt Pankow, Stadtentwicklungsamt ein Antrag auf Vorbescheid gestellt. Anfang 2019 wurde zu der gestellten Einzelfrage ein positiver Bauvorbescheid für ein Kulturhaus mit Konzertsaal, Diskothek und Art-Kino erteilt“, schreibt Lüscher als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Stephan Lenz. Dabei kommt Lüscher zu dem Schluss: „Demnach ist das Vorhaben des Kulturhauses aufgrund der eingereichten Unterlagen nach Art und Maß der Nutzung zulässig.“

Zuvor habe es bei den Vorprüfungen laut Auskunft des Bezirksamts „gravierende Probleme“ gegeben, schreibt Lüscher. Sie hätten vor allem das Erbbaurecht für die Fläche und die Technik der Berliner Verkehrsbetriebe, in deren Wendeschleife das Vorhaben realisiert werden soll, betroffen. Dem Vernehmen nach wurde auch über Rohrleitungen der Berliner Wasserbetriebe und der Telekom im Bereich der Wendeschleife gestritten. Mit der Erteilung des Bauvorbescheids wäre der Weg für das Kulturhaus frei – wenn die Knaack-Betreiber es denn immer noch wollen.

„Überraschend positiv“ bewertet Stephan Lenz diese Stellungnahme des Senats. Er habe eigentlich nur den neuesten Stand des Verfahrens erfragen wollen, das aus seiner Sicht zu versanden drohte. „Nun sehen wir: Das Projekt Knaack-Kulturhaus ist nicht tot. Es hat meine volle Unterstützung“, sagt der CDU-Abgeordnete. Lenz spricht von einem parteiübergreifenden Konsens, dass die Politik dem Clubsterben in Berlin entgegenwirken muss.

Das jähe Ende des Knaack-Klubs 2010 hatte Empörung ausgelöst, weil das Bezirksamt Pankow offenbar einen Neubau neben dem Klub genehmigt hatte, ohne auf Schallschutzwände zu bestehen. Bald darauf pochten die neuen Bewohner darauf, dass Musik nur noch in Zimmerlautstärke erklingen darf. Als daraufhin die Besucher wegblieben, gab der 1952 gegründete Klub auf.

Rätsel um Rückzieher des Knaack-Klub-Initiators

Doch ausgerechnet jetzt, da der politische Weg für eine Wiederbelebung an anderer Stelle geebnet ist, ergibt sich offenbar ein neues Problem. Thilo Goos, Geschäftsführer des Musikunternehmens „Black Box Music“ und Mitinitiator des Kulturhaus-Projekts am Mauerpark, will dem Neubau nichts mehr zu tun haben, heißt es auf Anfrage bei dieser Firma. Bisher hatte Goos das Knaack-Projekt am Mauerpark vorangetrieben. So wird das Neubauvorhaben in den Erklärungen der Senatsbaudirektorin auch mit dem Chef von „Black Box Music“ in Verbindung gebracht. Doch ein Sprecher der Firma sagte der Berliner Morgenpost auf Anfrage, man werde sich zu den neuen Entwicklungen nicht äußern. Bestätigen wollte er nur eine Information: dass Goos mit dem Projekt nicht mehr in Verbindung steht.

Auch vom Bezirksamt Pankow war bislang nicht zu erfahren, inwiefern sich auf Seiten des Antragsstellers die Lage geändert hat. Wer den Bauvorbescheid ausnutzen wird? Und ob überhaupt gebaut wird? Das dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Theoretisch kann den Bescheid auch ein anderer Betreiber nutzen, so lange er an dieser Stelle ein Kulturhaus mit Diskothek betreiben will.