Fontane in der Mark Brandenburg – ein Anlass für ausschweifende Feierlichkeit. Fontane in Berlin? Kein Thema. Zum 200. Geburtstag des Dichters in diesem Jahr müsste man auf die Würdigung des Literaten an der Spree wohl auf ganzer Linie verzichten, wäre da nicht der Einsatz eines Ehepaars aus Buch. Rosemarie und Adolf Henke beharren seit Jahren darauf: Fontane und Berlin-Buch, das gehört zusammen. Fontane und Buch, dieses Verhältnis verdient die gleiche Aufmerksamkeit wie die Beziehung des „Effi Briest“-Schöpfers zu Brandenburg. Das müsse 2019 gefeiert werden.
Fontane-Eck an der Karower Straße entsteht noch in diesem Jahr
Auch wenn es nur einen einzigen Tag gab, an dem Schriftsteller im heutigen Ortsteil von Pankow weilte: Der 16. Juni 1860 ging durch Fontanes Gegenwart in die Kiez-Geschichte ein. Jetzt zahlt sich die Buch-Begeisterung und Hartnäckigkeit der Henkes gleich doppelt aus. Am Freitag, 8. März, weihen sie das neu gestaltete Fontane-Fenster in der gläsernen Galerie des Stadtguts Buch feierlich ein. Wer dabei sein möchte, trifft die Festgäste um 16 Uhr auf der anderen Straßenseite im Fontane-Zimmer des Restaurants „Il Castello“ an der Karower Straße 1. Dann besuchen die Teilnehmer gemeinsam das Stadtgut.
Neben einer knallgelben Skulptur des Dichters aus der Werkstatt des Künstlers Ottmar Hörl hält die Ausstellung im Fontane-Fenster auch Schautafeln und seltene Bilder bereit. Und führt Besuchern den Ausspruch, mit dem der wortgewaltige Gast seinen Aufenthaltsort rühmte, vor Augen: „Gleich der Eintritt ins Dorf ist malerisch. Eine Feldsteinbrücke wölbt sich über ein Wässerchen, das schäumend einen Berghang herniederkommt. Und nach links hin, als wolle er das Dorf in seinen Arm nehmen, zieht sich ein ausgedehnter Park.“ Zitate, Bilder, Schilder: all das haben die Henkes liebevoll kuratiert und eigenhändig im Stadtgut postiert. Eine große Illustration mit Fontane vor dem Torbogen des Bucher Schlossparks soll wohl im Sommer folgen.
Baufirma führt Arbeiten im Zuge der Schlosspark-Sanierung aus
Noch wichtiger als die Neugestaltung des Schaufensters im Stadtgut: der Weg für ein Fontane-Eck im Pankower Norden ist plötzlich frei. „Genau dafür haben wir zwei Jahre gekämpft“, freut sich Rosemarie Henke über den Triumph. Zwar hatte das Paar Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke), die Gedenktafelkommission und die Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung Pankow schnell überzeugt, dass die Freifläche hinter dem Gasthof, in dem Fontane bei seinem Besuch schlief, eine Benennung verdient. Aber aus praktischen Gründen war die Umsetzung immer wieder gescheitert. Das Grünflächenamt sah sich wegen Personalengpässen nicht in der Lage, die verwilderte Fläche hinter dem heutigen Restaurant „Il Castello“ – also das künftige Fontane-Eck – neu zu gestalten.
Birnbaum erinnert an Fontanes Erzählungen
Nun ergab sich eine einfache Lösung: „Die Baufirma, die derzeit auch den Schlosspark Buch herrichtet, wird das übernehmen“, kündigt Rosemarie Henke an. Es sei geplant, ein verwahrlostes Hochbeet auf der jetzigen Brachfläche kunstvoll zu bepflanzen. Neben diesem Schmuckbeet an der Ecke Karower Straße und Alt-Buch wird außerdem ein Birnbaum eingepflanzt – das Sinnbild für Fontane, das sich in mehreren Erzählungen wiederfindet. Noch in diesem Jahr könnte das neue Fontane-Eck mit Baum, Blumenhochbeet und neuen Schildern Premiere feiern. Es mag 2019 in Brandenburg so manche Fontane-Feierlichkeiten geben, aber mit dieser Würdigung in Berlin hatte wohl niemand mehr gerechnet. Außer den Henkes.



