Am Frauenzentrum Paula Panke in Weißensee entsteht eine Wand, die für jede ermordete Frau in Berlin eine Träne weint. Sie soll in Pankow nicht nur auf Gewalt gegen Frauen, sondern auch auf Trans-, Inter-, nicht-binäre und Agender-Personen hinweisen. Hinter dem Kunstwerk „Weinende Wand“ steht die Künstlerin mit dem Pseudonym Willie Tosca.
In den Putz ist bereits die Form einer Träne hineingemeißelt. Daraus stellt die Keramikerin Christiane Landbeck für jeden Femizid in Berlin eine Träne her. Die Wand ist laut Tosca bislang nicht fertig. Nach jedem Femizid in Berlin soll symbolisch eine kleine, stilisierte Tränenskulptur entstehen und der Stadt übergeben werden. Die Stadt müsse dann überlegen, was sie mit den Skulpturen macht. „Das ist auch eine Aufforderung zum Handeln und immer wieder eine Erinnerung“, so Willie Tosca.
Gewalt gegen Frauen – Situation in Berlin
In Berlin nimmt die Gewalt gegen Frauen einfach nicht ab: Zwischen 2021 und 2025 wurden insgesamt 70.071 Verfahrenseingänge zu Straftaten gezählt, die als häusliche Gewalt eingestuft wurden. 70 Prozent der Gewaltopfer in Partnerschaft und Familien sind Frauen. 2024 wurden laut Polizeistatistik in Berlin 66 Frauen schwer verletzt und neun Frauen getötet. Im Jahr 2026 registrierte der Verband Hydra drei Femizide, 126 Frauen haben laut deren Informationen einen versuchten Femizid überlebt (Stand 23.09.2026).
Die Dunkelziffer der Gewaltopfer ist hoch, weil viele Frauen aus Schamgefühl oder Angst schweigen. Laut der repräsentativen Dunkelfeldstudie LeSuBiA (vorgestellt im Februar 2026 vom Bundesinnenministerium und dem BKA) liegt die Anzeigequote bei schwerer Partnerschaftsgewalt im Dunkelfeld bei unter fünf Prozent. Bei sexuellen Übergriffen im Allgemeinen zeigen Frauen nur rund drei Prozent der Taten an.
Femizide sollen nicht mehr „unter den Tisch fallen“
Willie Tosca wünscht sich, dass bei jedem Femizid „die ganze Stadt trauert, zumindest einen Tag“. Er solle nicht „unter den Tisch fallen“. Es sei keine persönliche Sache, sondern eine systemische. Das Mahnmal solle im Vordergrund stehen. Das Feministische Zentrum kennt Willie Toscas Projekte bereits. Zuvor hing dort Willie Toscas Installation „Walls of Shame“: eine wandernde Arbeit mit ungeöffneten Umschlägen, in denen die Namen von Tätern stehen.

Die jetzt entstehende Wand ist nach ihren Angaben mit dem Netzwerk gegen Feminizide Berlin, der Aktion „Rote Schuhe“, dem Baufachfrau e.V. (für den Bau einer orangefarbenen Bank gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen), der Gleichstellungsbeauftragten in Pankow und der Koordinatorin für die Einhaltung der Istanbulkonvention in Pankow vernetzt.

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Das Projekt wird maßgeblich von einer engagierten ehrenamtlichen Fassadengruppe getragen und umgesetzt. Willie Tosca kritisiert, dass es keine offiziellen Zahlen gebe und der Straftatbestand fehle. Die Aktion und das Netzwerk zählen Femizide laut Tosca nach eigener Definition, nicht nach polizeilicher oder staatlicher Auffassung.
Beziehungstat? – Was ein Femizid ist
Willie Tosca stört sich an der Berichterstattung, in der oft verharmlosend von „Beziehungstat“ die Rede ist. „Das legt einen Teil der Verantwortung auf das Opfer“, erklärt sie. Ein Muster bei den Tätern sieht sie nur in einem Punkt: Es seien meistens Männer, und zwar „aus allen Schichten.“
Das Netzwerk versteht unter Femiziden Morde aus patriarchalen Gründen. Femizide seien die Spitze des Eisbergs von Gewalt aufgrund des Geschlechts – nicht nur an Frauen und Lesben, sondern auch an Inter-, nicht-binären und Transgender-Personen. Die meisten geschehen in oder nach Beziehungen. Laut Netzwerk versucht in Deutschland jeden Tag ein Mann, seine Partnerin oder Expartnerin umzubringen. Jeden dritten Tag gelingt es.
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Geschichte des Vereins Paula Panke
Den Verein Paula Panke e.V. gibt es laut Sprecherin Elena Heim seit 36 Jahren. Der Verein versteht sich als intersektional-feministisch. Er betreibt drei Zufluchtswohnungen mit insgesamt fünf Plätzen, die als Wohngemeinschaften funktionieren. Dort können Betroffene von Gewalt mit ihren Kindern unterkommen. Im Schnitt bleiben sie sieben Monate, danach sollen sie in eine eigene Wohnung ziehen.
Dazu kommen Beratung durch Sozialarbeiter*innen, Bildungs- und Kulturangebote, etwa Filmabende im Hinterhof und Ausstellungen. Es gibt auch niedrigschwellige Treffen wie einen Häkelkreis, einen Kleidertausch und ein Begegnungscafé. Alle Angebote sind kostenlos. Eine „typische“ Person, die Hilfe sucht, gebe es nicht, sagt Heim. Über einzelne Schicksale spricht der Verein nicht, um Betroffene zu schützen. Finanziert wird das Zentrum von Senat und Bezirk, außerdem über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Die Lage sei „prekär“.
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Weinende Wand, Eröffnung am 12. Dezember, die Uhrzeit wird noch bekannt gegeben.
Auch länger zurückliegende Feminizide können beim Verein Paula Panke gemeldet und eine Keramikträne bestellt werden. Spendenkonto für das Projekt: Deutsche Kreditbank AG, Paula Panke e.V., IBAN: DE62120300000018249276, BIC: BYLADEM1001
Die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (Big) und weitere Bündnispartner rufen am 25. November um 18 Uhr am Brandenburger Tor zu einer Demo gegen Frauengewalt auf. Motto: „Keine mehr!“







