Martina Renner soll Bezirksstadträtin der Linken in Berlin-Pankow werden. Das gab der Kreisverband am Mittwoch in einer Pressemitteilung bekannt.

Die Personalie kommt unerwartet, denn Renner ist keine Unbekannte. Die 59‑jährige Bundespolitikerin saß von 2013 bis 2025 für Thüringen im Deutschen Bundestag. 2018 wählte die Linke sie zur stellvertretenden Parteivorsitzenden. Bis 2022 war sie damit bundesweit eine der mächtigsten Personen innerhalb der Partei. 2025 kandidierte Renner nicht erneut für ein Mandat im Bundestag. Stattdessen will sie nun in Pankow Bezirkspolitik machen.

Die Linke in Pankow verhandelt aktuell mit den Grünen

Die Linke hat die Wahl in Pankow mit 26,7 Prozent der Stimmen deutlich gewonnen. Aktuell befindet sich die Partei in Verhandlungen mit den Grünen, die mit 22,4 Prozent zweitstärkste Kraft wurden. Am 29. Oktober soll sich die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) konstituieren, am Folgetag dann das Bezirksamt.

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Es gilt als wahrscheinlich, dass die Linke als Wahlsiegerin dann den Bezirksbürgermeister stellen wird. Jonas Teune ist gesetzter Kandidat für dieses Amt. Welche fünf Stadträte ihn verstärken, wird traditionell am Ende mit den Grünen verhandelt.

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Welchen Stadtratsposten Martina Renner konkret übernehmen soll, bleibt also vorerst unklar. „Dass sie einen bekommt, steht aber fest“, betont Bürgermeisteranwärter Teune im Gespräch mit der Morgenpost.

Martina Renner soll Erfahrung und sachlichen Politikstil in Pankow einbringen

Das politische Geschehen in Pankow ist für die ehemalige Bundespolitikerin durchaus Neuland. Doch einige Verbindungen zum Bezirk gibt es: Renner ist im Vorstand der Max-Lingner-Stiftung, die in Niederschönhausen das Wohnhaus und den Nachlass des Malers und NS‑Widerstandskämpfers verwaltet. Sie lebt in Friedrichshain, „sehr nahe zu Pankow“, wie sie auf Anfrage schreibt.

Teune betont: „Sie ist nicht aus dem Nichts hier aufgetaucht.“ Der Kreisverband der Linken sei aufgrund ihrer „breiten Erfahrung“ auf Renner zugegangen. Nach ihrem Rückzug aus der Bundespolitik begleitete sie in diesem Jahr als Referentin den Untersuchungsausschuss „Fördergeld“ im Berliner Abgeordnetenhaus.

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Besonders viel verspricht man sich von Renners Politikstil. Als „geerdet und sachorientiert“ beschreibt Teune diesen. „Sie ist enorm gut darin, mit anderen Parteien zusammenzuarbeiten“, lobt er. „Das ist etwas, was für uns und für Pankow enorm gewinnbringend sein wird.“

Extremismus-Expertin trifft auf starke AfD in Pankow

Denn nicht nur mit den Grünen wird die Linke in Pankow zusammenarbeiten müssen. Mit 15 Prozent der Stimmen fuhr die AfD das drittstärkste Ergebnis im Bezirk ein. Neun Bezirksverordnete stellt die Partei damit demnächst. Rein theoretisch wäre auch ein Stadtratsposten möglich. Dabei ist die Partei jedoch auf ausreichend Stimmen der anderen Parteien angewiesen. Diese gelten als unwahrscheinlich.

Die Grünen wollen Cornelius Bechtler, derzeit Stadtrat für Bauen und Stadtentwicklung, erneut ins Rennen für einen Stadtratsposten schicken. Bei der CDU gilt die stellvertretende Bürgermeisterin Manuela Anders-Granitzi als gesetzte Kandidatin für das Bezirksamt. Die Partei erhielt jedoch nur 12,9 Prozent der Wählerstimmen.

Interessant an der Personalie Martina Renner ist auch: Die Politikerin gilt bei der Linken als erfahrene Expertin für innere Sicherheit und Rechtsextremismus. In der Bundestagsfraktion war sie Sprecherin für antifaschistische Politik, außerdem stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe. Sie gehörte zu den 113 Abgeordneten, die 2024 einen Antrag zur Einleitung eines Prüfverfahrens für ein AfD-Verbot stellten.

Nach Jahren der Bundespolitik wolle Renner jetzt den Menschen in Pankow „die Angst vor steigenden Mieten nehmen und den großen und kleinen Ärgernissen in dieser Stadt den Kampf ansagen“, wie sie auf Anfrage schreibt. Sie bezeichnet sich als Teamplayerin, wolle gemeinsam etwas bewegen. In Pankow schätze sie besonders die Engagierten in der Kulturszene und im Kampf gegen rechts. Ziel ihrer Arbeit sei, „dass alle im Bezirk wieder mit Überzeugung sagen können: ‚Hier lebe ich gern und sicher‘“.