Am Morgen des 21. August hatte ein Spaziergänger in einem Gebüsch zwischen Fußweg und Bahngleisen die Leiche der 46-jährigen Ilse Hartmann entdeckt. Die Rechtsmedizin bestätigte einen Tag später den Verdacht, den erste Untersuchungen bereits nahegelegt hatten: Hartmann starb durch Fremdeinwirkung. Die 4. Mordkommission des Landeskriminalamts übernahm die Ermittlungen, mittlerweile liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft.

ilse Hartmann
Ein Fall, der den Bezirk Pankow erschüttert: Auch am Helmholtzplatz hängten Unbekannte ein Gedenkposter für Ilse Hartmann auf.© BM | Iris May

Zur genauen Todesursache und einem möglichen Tatwerkzeug machen die Behörden weiterhin keine Angaben – aus ermittlungstaktischen Gründen, wie es heißt. Auch ein Tatverdächtiger oder ein Motiv wurden bislang nicht öffentlich benannt.

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Mauer des Schweigens im Umkreis des Fundortes

Am provisorischen Gedenkort, keine hundert Meter vom Fundort entfernt, liegen Blumen, Kerzen und handgeschriebene Karten. Dazwischen: Fotos, teils mit Erde bedeckt, die eine junge, auffallend hübsche Frau mit wachen, blauen Augen zeigen. Sie wollen nicht so recht zu dem amtlichen Fahndungsfoto passen, mit dem die Polizei nach Zeugen sucht.

Leichenfund Prenzlauer Berg
Mitarbeiter der Berliner Gerichtsmedizin und Spurensicherung im August am Fundort im Gebüsch nahe dem Zeiss-Großplanetarium.© Axel Billig / Pressefoto Wagner | Axel Billig / Pressefoto Wagner

Im Umkreis des Fundortes von Ilse Hartmann soll die junge Frau gewohnt haben – „in einer schönen Wohnung mit Balkon“, wie es auf einem Zettel am Gedenkort heißt. Die Befragung der Menschen, die rund um die Prenzlauer Allee 80 leben, verläuft allerdings schwierig. Die Berliner Morgenpost versucht es trotzdem. Sie stößt sowohl in der nahen Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete (MUF) in der Diesterwegstraße als auch in der nur wenige Meter entfernten psychiatrisch-psychotherapeutischen Tagesklinik Prenzlauer Berg St. Martha auf eine Mauer des Schweigens.

Passanten erinnern sich an Ilse Hartmann

Eine Passantin, die anonym bleiben möchte, bleibt vor den Blumen stehen. „Ist es nicht furchtbar?“, sagt sie. Sie hat die Frau mehrmals in der Gegend gesehen, wie sie sagt, und bei ihr ein Alkoholproblem vermutet. Nachbarn hätten sich wiederholt über Lärm und Streit beschwert, mehrfach sei die Polizei in der Wohnung gewesen.

Donnerstag

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Der Fall hat im Kiez rund um den Ernst-Thälmann-Park spürbar Verunsicherung hinterlassen. Die 86-jährige Helga aus der Gudvanger Straße traut sich nach eigenen Worten nachts nicht mehr aus dem Haus. „Man wird ja nur noch angepöbelt“, sagt sie. Sie weiß nicht, ob Männer ebenso behandelt werden. Aber als Frau müsse man einfach Angst haben heutzutage.

Rätselhafte Botschaft am Fundort: „Er war nur die Waffe“

Zwischen den Blumen liegen auch mehrere Briefe und Karten, deren Herkunft ungeklärt ist. Auf einem der Briefe ist zu lesen: „Jean + Ilse forever.“ Darunter zwei Zahlen, die auf ein Datum hinweisen könnten: den 16. August. Außerdem der rätselhafte Satz: „Sie war es selbst. Er war nur die Waffe.“ Weiter unten steht: „Sie hat ihn immer geliebt und mich, weil ich ihn liebte.“ Auf dem aufwendig gestalteten Papier ist auch das Bild eines Wolfs aufgeklebt. Wer die Zeilen verfasst hat und was sie bedeuten, ist völlig offen.

Brief am Gedenkort
"Jean + Ilse" steht auf diesem Brief am Gedenkort. Dazu ein Ewigkeits-Symbol. Besonders rätselhaft die Worte: "Sie hat es selbst getan. Er war nur die Waffe."© BM | Iris May

Kriminologen weisen darauf hin, dass anonyme Nachrichten an Gedenkorten häufig nicht von Tätern, sondern von Trittbrettfahrern oder emotional stark involvierten Personen aus dem Umfeld stammen – ihre Beweiskraft gilt daher grundsätzlich als gering, solange sie nicht mit gesichertem Ermittlungswissen übereinstimmen.

Die Familie trauert

Hartmanns Mutter Sonja sprach mit der „Bild“-Zeitung über den Tag, an dem sie vom Tod ihrer Tochter erfuhr – und darüber, wie schwer dieser gewesen sei. Im Interview berichtete die Mutter von Situationen, in denen ihre Tochter vor Schmerz schrie. Ihr sei wichtig, betonte sie, dass ihre Tochter nicht auf etwaige psychische Probleme reduziert werde. Auch der Bruder trauert öffentlich um seine Schwester.

Mutter und Tochter Hartmann
Fotos am Gedenkort: Links Ilse Hartmann (†2026) in früheren Jahren, rechts mit ihrer Mutter Sonja bei einem Urlaub der Kreuzfahrtgesellschaft Aida.© BM | Iris May

Eine Freundin der Toten startete einen Spendenaufruf für Ilse Hartmann. Dort äußert sich die Mutter wie folgt: „Ilse war ein lebensfroher, neugieriger und herzlicher Mensch. Ilse konnte sich an den kleinen Dingen erfreuen.“

Als die schlanke, etwa 1,70 Meter große Ilse Hartmann starb, war sie mit einer braunen Sweatjacke, einer kurzen Hose mit rot-orange-blauen Streifen und braunen Sandalen bekleidet. Ihren schwarzen Rucksack fand man direkt neben ihr im Gebüsch.

Ermittlungen weiter im Dunkeln

Mehr als einen Monat nach dem Fund bleiben zentrale Fragen ungeklärt: Wann genau starb Ilse Hartmann, wo geschah die Tat – und war der Fundort im Gebüsch überhaupt der Tatort? Die Ermittler hatten zuletzt lediglich mitgeteilt, der Leichnam habe „schon einige Zeit“ dort gelegen. Wie lange genau, ist amtlich nicht bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft bittet weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung, insbesondere von Personen, die Ilse Hartmann in den Tagen vor dem 21. August in der Umgebung der Prenzlauer Allee gesehen haben. Hinweise nimmt die zuständige Ermittlungsbehörde unter der bekannten Kontaktadresse entgegen.

Hier geht es zum Fahndungsaufruf von Polizei und Staatsanwaltschaft. Hier geht es zur GoFundMe-Kampagne für Ilse Hartmann