„Unkraut“ ist ein Begriff, den Susann Pophal gar nicht gerne hört. „Ich finde, das ist ein Unwort. Jede Pflanze und jedes Kraut hat einen Nutzen. Warum sollte man sie beschimpfen?“, sagt sie.

Donnerstag
Mein Pankow-Newsletter
Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter zu Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die gelernte Agrarwissenschaftlerin steht zwischen Giersch und Schafgarbe in ihrem Kleingarten in Berlin-Pankow. Seit Kindestagen ist sie begeistert von der Natur. Als Mädchen sei sie auf den Bauernhöfen ihrer Großeltern groß geworden. Heute unterhält sie mit ihrem Partner einen Kleingarten im Ortsteil Heinersdorf. Am „Langen Tag der Stadtnatur“ öffnet Pophal ihr Gartentor für Besucher und zeigt, wie nachhaltiges Leben und Selbstversorgung mitten in der Stadt funktionieren. Und dass Unkraut so manches Küchenrezept verfeinern kann.
Berliner Gärtnerin holt „Unkraut“ in die Küche
Für ungeübte Augen ist Pophals Garten nur eine leicht wildwuchernde Wiese mit einer Hütte. Doch wer sich auskennt, findet hier eine Vielzahl an Kräutern und weiteren Pflanzen. Im Alltag bleiben die oft unerkannt – und unterschätzt. Wie Giersch. Das Wildkraut ist bei vielen Gartenbesitzern verhasst. Weil es wuchert, weiß Pophal. „Die meisten wissen nicht, dass Giersch ein sehr gesundes und essbares Wildgemüse ist. Man kann ihn in Gemüsepfannen, Salat oder als Suppenersatz nutzen.“ Und Tatsache: Giersch schmeckt ein wenig wie Petersilie.
Auch interessant
Auch Schafgarbe findet regelmäßig den Weg in Pophals Küche. „Schafgarbe ist ein super Würzkraut, viel zu unbekannt in der Küche“, erklärt sie. Ein wenig bitter und sehr würzig schmecke es. Ihr Tipp: Die Blüten und Blätter im Tee oder Salat verwenden. Auch Mädesüß kocht sie regelmäßig als Tee auf. Das wirke auf natürliche Weise schmerzlindernd.

Zusätzlich zu Kräutern züchtet Pophal in ihrem Garten Obst und Gemüse. Der große Birnenbaum entwickelt gerade seine Früchte. In Töpfen pflanzt die Gärtnerin Paprika, Tomaten, Süßkartoffeln und vieles mehr an. Mittlerweile leiste der seit 2018 gepachtete Garten einen großen Beitrag zur Ernährung des Paares. Im Sommer seien bis zu 70 Prozent des Lebensmittelbedarfs durch die eigene Ernte gedeckt. So wird das Paar in großen Teilen zu Selbstversorgern.
Auch interessant
Pflanzen aus dem Garten zum Textilfärben
Die Pflanzen landen nicht nur auf den Tellern des Paares. Aktuell probiert sich Pophal beim Färben von Textilien aus. In einem Regal stehen kleine Anzuchttöpfe mit Schildern. Die Beschriftungen weisen auf Färberpflanzen wie Braunelle, Strohblume und Färberwaid hin. Auch Färberkamille, die wild im Garten wächst, soll beim Färben zum Einsatz kommen.

Es sind Pflanzen wie diese, die schnell übersehen oder unrühmlich als „Unkraut“ abgetan werden. In Pophals Garten finden sich deshalb überall auf der Wiese kleine Hinweisschilder am Boden, auf denen die Namen der wilden Pflanzen stehen. „Ich möchte die Besucher darauf aufmerksam machen, dass wir auf Essen laufen“, sagt Pophal. Aus „Unkraut“ und „Gras“ werden so „Taubnessel“ und „Vogelmiere“.
Ganz ungeübt sollte man sich aber nicht alles, was im Garten und am Waldrand wächst, in den Mund stecken. Das wird schnell gefährlich. „Es ist super wichtig, an Führungen teilzunehmen oder zu studieren, wenn man sehr interessiert ist“, betont Pophal. Selbst die studierte Gärtnerin erkenne trotz jahrelanger Lehre nicht jede Pflanze. Zur Bestimmung greift sie auf Bücher zurück. Und: „An Pilze gehe ich nicht ran – damit habe ich zu wenig Erfahrung.“








