Die Schönhauser Allee gilt als eine der zentralen Einkaufs- und Flaniermeilen des Prenzlauer Bergs. Zwischen Cafés, kleinen Boutiquen und Restaurants pulsiert das Viertel – doch dieser Eindruck trügt zunehmend. Während Prenzlauer Berg bislang als hippes Viertel galt, haben Vermüllung, Dauerbaustellen und das Verschwinden traditioneller Einzelhandelsgeschäfte das Straßenbild in letzter Zeit spürbar verändert und bei vielen Anwohnern Unzufriedenheit und Frust hinterlassen.

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Gegen diese Entwicklungen setzt sich die Initiative „Meine Schönhauser Allee“ ein. Ihr Anliegen ist es, die Straße wiederzubeleben und mit innovativen Ideen und Projekten die Lebensqualität für Anwohner, Besucher und Gewerbetreiber gleichermaßen zu stärken. „Unser Ziel ist es, die Marke Schönhauser Allee wieder auszubauen“, sagt Lillemor Mallau, Gründerin der Initiative, im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Die Unternehmerin ist in Wilmersdorf aufgewachsen, lebt aber schon viele Jahre in Prenzlauer Berg. Ihr Engagement für die Schönhauser Allee begründet sie mit ihrer persönlichen Verbundenheit zum Kiez und dessen kultureller Prägung.

Schönhauser Allee soll mit kreativen Projekten attraktiver werden
Mallau geht es bei „Meine Schönhauser Allee“ vor allem um eine Steigerung der Aufenthaltsqualität im Kiez. „Die Schönhauser Allee muss wieder an Attraktivität gewinnen“, betont die Unternehmerin. Die Vorstellungen der noch jungen Initiative sind vielfältig: Von Urban-Gardening-Projekten über temporäre Begegnungsorte bis hin zu öffentlich zugänglichen Schachbrettern reicht das Spektrum. „Diesen Platz, den man hier hat, muss man für die Stadtgesellschaft aktiv nutzen“, so Mallau.
Für sie ist die Schönhauser Allee ein zentraler Ort im Osten der Stadt, der insbesondere Kunst- und Kulturschaffende anzieht. „Ich glaube, dass das einen großen Teil des Lebensgefühls im Prenzlauer Berg ausmacht. Viele Leute hier sind einfach international und offen“, erklärt sie. Mit der Initiative wolle sie den Standort im Norden Berlins daher nun wieder verstärkt für kreative Akteure öffnen.
Modenschau bringt lokale Händler und Boutiquen zusammen
Gleichzeitig bereitet ihr der Rückgang des stationären Einzelhandels große Sorgen. Für den kommenden Sommer plant Mallau deshalb eine Modenschau, bei der Händler aus den Schönhauser Allee Arcaden ebenso wie umliegende Boutiquen und Vintage-Shops ihre aktuellen Kollektionen präsentieren können. „Wir alle wollen lebendige Städte, Cafés, Orte zum Flanieren“, sagt sie. „Aber das funktioniert nur, wenn es dem Einzelhandel gut geht.“ Dafür brauche es auch ein Umdenken im Konsumverhalten. Sie selbst kaufe kaum noch online und versuche, auf lokale Geschäfte zurückzugreifen – besonders nach der Corona-Pandemie sei der Unternehmerin dies ein wichtiges Anliegen.

Auch Kinder sollen aktiv in die Projekte eingebunden werden. Bereits im September organisierte die Initiative anlässlich des World Cleanup Day eine gemeinsame Müllsammelaktion entlang der Schönhauser Allee, an der zahlreiche Kinder und Unterstützer teilnahmen. Für die Zukunft ist außerdem eine Kooperation mit der Klax-Schule geplant. „Uns ist es wichtig, auch Kindern das Thema Nachhaltigkeit näherzubringen“, erklärt Mallau.
Initiative bewirbt sich für Fördermittel zur Aufwertung der Schönhauser Allee
Bislang handelt es sich bei der Initiative um ein ehrenamtliches Engagement, das jedoch bereits von der Wirtschaftsförderung unterstützt wird. „Wir sind alle sehr begeistert von dem, was wir vorhaben“, sagt sie. Die Pläne und Ideen ihres Teams sind groß – um alles umzusetzen, hat die Initiative mehrere Förderanträge gestellt. Konkret beworben hat sich die Initiative nun für Fördermittel aus dem Programm Wirtschaftsdienliche Maßnahmen (WDM).
Hoffnung setzt Mallau zudem auf die Business Improvement Districts (BIDs). Auf Grundlage des in diesem Jahr neu ausgerichteten Berliner Immobilien-und-Standortgemeinschafts-Gesetzes können sich Eigentümer in Geschäftsstraßen zusammenschließen, um zeitlich befristet und eigenverantwortlich Maßnahmen zur Aufwertung ihres Umfelds umzusetzen. Im Rahmen sogenannter Zentrengipfel, initiiert von den Senatoren Franziska Giffey (SPD) und Christian Gaebler (SPD), wurden außerdem in jedem Berliner Bezirk Zentren identifiziert, die als besonders zukunftsfähig, aber auch gefährdet gelten. Die Schönhauser Allee zählt mit dazu – nicht zuletzt aufgrund der anhaltenden Baustellensituation, die die Lage zusätzlich verschärft. „Durch die Baustelle droht die Situation hier wirklich zu eskalieren“, warnt Mallau.
Und trotzdem bleibt die Unternehmerin optimistisch: Sie ist überzeugt, dass die Schönhauser Allee das Potenzial hat, sich neu zu erfinden – ohne dabei ihren Charakter zu verlieren.




