Wurzelrechnung, Kurvendiskussion und Latein – bei vielem, was man in der Schule lernt, ist nicht immer sofort klar: Wofür brauche ich das? Beim Projekt „Schüler*InnenHaushalt“ liegt der Nutzen auf der Hand: Jedes Jahr bekommen Schulen in ganz Berlin Geld von ihrem Bezirk, um den Umgang mit Finanzen zu lernen. Was sie mit dem Geld machen, bleibt ihnen überlassen – solange die Kinder demokratisch darüber abstimmen.

Als eine von rund 130 Berliner Schulen nimmt die Tesla-Gemeinschaftsschule in Pankow seit Jahren am Projekt teil. Die Achtklässler Justus und Vincent gehören dem Planungsteam an und sind begeistert von dem Konzept. In den vergangenen Jahren konnten sie mit dem investierten Geld unter anderem Bälle für die Pause, Hängematten, neue Pflanzen für die Klassenräume und sogar einen neu gestalteten Fitness-Innenhof mit Sportgeräten kaufen.

„Schüler*innenHaushalt“: Kinder lernen Demokratie und Umgang mit Geld

Ziel des „Schüler*InnenHaushalt“: Kinder sollen schon früh lernen, demokratische Entscheidungen zu treffen und mit Geld umzugehen. Konkret funktioniert das so: Zu Beginn eines Kalenderjahres bekommen die teilnehmenden Schulen Geld über das Projekt zur Verfügung gestellt. Das können 1500 Euro sein oder auch mal 4000 Euro. Abhängig ist das vom Haushalt des jeweiligen Bezirks. In Pankow liegt der Betrag für das kommende Jahr bei 2000 Euro pro Schule. „Trotz Haushaltskürzungen war uns wichtig, dass dieses Projekt weiter finanziert wird“, so Karsten Gloger (Grüne), Vorsitzender des Schulausschusses.

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In der ersten Phase stellt die Schulgemeinschaft ein Planungsteam aus bis zu 15 Kindern zusammen, das das Geld verwaltet. In Phase zwei wirbt das Team an der Schule dafür, Ideen für die Verwendung des Geldes einzureichen. An der Tesla-Schule geschieht das ganz einfach über Zettel in einem Briefkasten. Das Planungsteam sammelt alle Ideen und prüft in Phase drei, ob diese auch wirklich machbar sind. „Ein Kind wollte mal, dass wir von dem Geld einen Lamborghini kaufen“, erzählt Vincent. Der Vorschlag wurde abgelehnt.

Schüler*innenHaushalt in der Tesla-Gemeinschaftsschule
Schulsozialarbeiterin Klaudia Koliszak betreut das Projektteam um Justus (l.) und Vincent. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Ein paar wenige Vorschriften gilt es einzuhalten: Von dem Geld dürfen keine Dienstleistungen wie Malerarbeiten bezahlt werden, außerdem keine laufenden Kosten wie Strom. Reine Materialanschaffungen sind in der Regel möglich. Sind alle Ideen gesammelt, stellt das Team in der vierten Phase eine Wahlurne auf, sodass die gesamte Schule per Wahlzettel abstimmen kann. Die Vorschläge, die die meisten Stimmen sammeln, werden umgesetzt und bestellt – bis das Geld aufgebraucht ist.

Läuft alles gut, kann sich die Schulgemeinschaft bereits nach den Sommerferien über die neuen Anschaffungen freuen. An der Tesla-Schule steht seit einiger Zeit ein Fitness-Innenhof, den sich die Schülerinnen und Schüler gewünscht hatten. Außerdem können sie mit Leihpässen Bälle und anderes Spielzeug für die Pause ausleihen.

Geld für Schulgemeinschaft: Projekt soll deutschlandweit starten

Das Projekt „Schüler*InnenHaushalt“ gibt es seit 2015, es wird von der Servicestelle Jugendbeteiligung geleitet. Mittlerweile nehmen auch Schulen in Brandenburg teil, außerdem startet aktuell ein bundesweiter Testlauf in einzelnen Schulen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen, wie Projektleiter Gunnar Storm berichtet.

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„Es ist wichtig für Kinder zu sehen, dass ihre Beteiligung etwas bewirkt“, sagt er. Die Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler liefert keine abstrakten, sondern greifbare Ergebnisse durch die neuen Anschaffungen für ihre Schule. So haben andere Schulen in Berlin mit dem Geld Ventilatoren für den Sommer angeschafft oder einen regelmäßigen Pizzatag finanziert.

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„Ich finde cool, dass man mit anderen gemeinsam planen kann, wie man Geld ausgibt und für was”, erzählt Justus. „Ich finde gut, dass wir dadurch mehr bestimmen können, was im aktuellen Schulsystem nicht der Fall ist”, ergänzt Vincent. Das fehle ihm im Schulalltag häufig. „Wir können so schon mal fürs echte Leben üben, was sehr praktisch ist.” Betreut werden sie bei der Planung von den Schulsozialarbeiterinnen Antonia Scholz und Klaudia Koliszak. „Die Kinder können Demokratie in der Schule lernen und mitbestimmen. Sie haben ein gemeinsames Ziel und erarbeiten, wie sie dieses umsetzen”, so Koliszak.

Die Teilnahme am Projekt ist für drei Jahre vorgesehen. Danach sollen die Schülerinnen und Schüler das Gelernte selbständig umsetzen und Geld für Anschaffungen selbst akquirieren, zum Beispiel beim Förderverein und durch Spenden. Für das kommende Jahr läuft die Anmeldung in Pankow derzeit noch bis zum 30. November. Bewerben können sich alle öffentlichen Schulen in bezirklicher Trägerschaft, egal ob Grundschule, ISS, Gymnasium, Gemeinschaftsschule oder Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt.

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