„Endlich mal jemand, der sich traut!“ – Drei Menschen stehen fasziniert vor dem Schaufenster in der Danziger Straße in Prenzlauer Berg und blicken in den Showroom des Designers Maximilian Gedra. Dort, hinter der Glasfassade, stehen Kleiderstangen und Puppen mit extravaganter Mode und außergewöhnlichen Silhouetten. Ein Kleid, vollständig aus Sicherheitsnadeln gefertigt, wirkt fast wie eine Ritter-Rüstung. Ein anderes hat Stacheln aus Kunstleder, die ein Schutzschild um die Puppe bilden.

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Der Laden ist fast gänzlich in Schwarz und Weiß gehalten – und doch ist nichts daran schlicht. Alles schreit nach Aufmerksamkeit und Extravaganz. Nur ein einziges Teil fällt farblich aus der Reihe: Ganz hinten, auf einem schwarzen Sockel vor einem schwarzen Vorhang, steht ein überdimensionaler roter Hut. Viele Prominente wollten ihn schon tragen, sagt Gedra, doch der Hut stehe nicht zum Verkauf, auch nicht zum Verleih. „Dieser Hut, der gehört mir und Lady Gaga.“
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Lady Gaga verwendete Hut von Fan für Musikvideo
Der 26-jährige Modedesigner hat in diesem Jahr geschafft, wovon viele in seiner Branche träumen: Für Superstar Lady Gaga durfte er einen Hut anfertigen, der zum Symbol des Musikvideos zu „Abracadabra“ und ihrer neuen musikalischen „Mayhem“-Ära wurde. Als Gedra Ende 2024 die Anfrage ihres Teams aus Los Angeles erhielt, sei er sprachlos gewesen: „Seitdem ich neun Jahre alt war, ist Gaga in meinem Leben. Ich bin mit ihr als Stilinspiration aufgewachsen.”
Gedra ist in Mannheim groß geworden. Bereits im Alter von acht Jahren habe er angefangen, eigene Outfits zu kreieren – damals noch mit der Heißklebepistole. Später lernte er den Umgang mit der Nähmaschine, studierte Modedesign und zog vor drei Jahren nach Berlin, um hier sein Label zu gründen. „Ich liebe meine Heimat, aber ich wusste, dass dort nicht meine Zukunft stattfinden wird“, erzählt er.
Designer Maximilian Gedra zieht Inspiration aus Popkultur
Warum das Styling-Team von Lady Gaga unbedingt eines von Gedras Designs wollte, wird beim Blick auf seine visuelle Ästhetik schnell klar: Viele der Pieces in seinem Showroom haben ausgestellte Schultern, stark überzeichnete Silhouetten und bestehen aus unüblichen Materialien. Ein perfektes Match für die Künstlerin, die für ihre extravaganten Looks bekannt ist. Einige von Gedras Stücken erinnern an Entwürfe von Alexander McQueen, der mit Kollektionen wie „Horn of Plenty“ (2009) von ähnlichen Stilmitteln Gebrauch machte.
„Ich will, dass die Menschen sich in meinen Pieces stark fühlen“, sagt Gedra. Egal, welche Körperform oder welches Geschlecht: „Ich kreiere Kleidung für jeden, der es fühlt und der sich traut.“ Seine Inspiration ziehe er aus vielen Jahren Popkultur, mit denen er aufgewachsen ist. Um seinen Entwürfen eine Zeitlosigkeit zu verleihen, arbeitet er mit reduzierter Farbgebung. Fast alles ist schwarz-weiß.

„Ein großer Anspruch meines Labels ist, Sachen zu schaffen, die es so noch nicht gab – neue Strukturen, neue Materialien, immer einen Schritt voraus“, erklärt er. Teils stecken wochen- und monatelange Arbeit in den Entwürfen. Ein Kleid aus 26.000 Sicherheitsnadeln, ein Kleid aus Tausenden schwarzen Knöpfen, ein Kleid, dessen Schulterpartie wie eine Kapuze über den Kopf gezogen wird – all das steht stellvertretend für Gedras künstlerische Handschrift.
Für Musikvideo zu „Abracadabra“: Roter Hut entstand in nur 24 Stunden
Durch Fotos von seiner Abschlusskollektion erzielte er auf Instagram 2021 erste Aufmerksamkeit in der Modebranche. Schnell habe er Anfragen aus Los Angeles bekommen, Prominente wie Amber Rose wollten seine Kreationen tragen. Als er merkte, dass die Nachfrage stieg, setzte er alles auf eine Karte: Er zog in die Hauptstadt, mietete ein Atelier an, gründete sein Label und stellte ein Team zusammen.
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Ein Jahr lang arbeitete er hart und gab Anfang 2024 sein Debüt auf der Berlin Fashion Week – ein Meilenstein in seiner Karriere. „Ich bin nicht nach Berlin gezogen, um feiern zu gehen oder um eine gute Work-Life-Balance zu haben“, sagt Gedra. „Ich will erreichen, was ich mir in den Kopf gesetzt habe.“
„Ich will, dass die Menschen sich in meinen Pieces stark fühlen.“
Maximilian Gedra, Designer
Mit dem Auftrag für Lady Gaga sei für ihn ein Traum wahr geworden. „Ich hab immer gesagt: Es wird irgendwann passieren. Irgendwann wird sie meine Pieces sehen.“ Als die Anfrage kam, musste alles ganz schnell gehen. Innerhalb von 24 Stunden brauchten die Stylisten den Hut für den Musikvideo-Dreh. Das Problem: Der Hut war eigentlich schwarz. Doch Lady Gaga brauchte ihn in Rot. Innerhalb eines Tages fertigte Gedra ein neues, rotes Exemplar an und setzte sich in den Flieger nach London, um ihn zu überbringen.
Lady Gaga gibt Konzerte in Berlin – allerdings ohne „Abracadabra“-Hut
Als das Musikvideo im Februar dieses Jahres erschien, war der Hut überall: auf Merchandise-Artikeln, auf Social-Media-Posts und sogar am Times Square in New York. Bei seiner Modenschau im Berghain am selben Tag ließ Gedra den frisch veröffentlichten Song laufen, während die Models ihre letzte Runde über den Laufsteg drehten. Lady Gaga selbst reagierte auf Tiktok auf seine Fashion Show und kommentierte: „This is a big yes!“ (“Das ist ein klares Ja!“).
Die Zusammenarbeit mit dem Superstar hat Gedra eine neue Welle an Aufmerksamkeit beschert. Erst kürzlich posierte Musikerin Rita Ora in einem seiner Looks auf dem Cover des TUSH Magazine. Der international bekannte Showroom „The Residency Experience“ in Los Angeles führt jetzt seine Marke. Weitere große Projekte sind in Arbeit. „In den letzten eineinhalb Jahren sind viele meiner Träume und Ziele in Erfüllung gegangen“, sagt der Designer.
Mittlerweile befindet sich der rote Hut im offiziellen Lady-Gaga-Museum in Las Vegas, der Hut im Laden ist eine Replik. Als die Künstlerin am 4. und 5. November ihre deutschlandweit einzigen Konzerte des „Mayhem Ball“ in der Berliner Uber Arena gab, war der rote Hut also nicht dabei. Gut so, findet Gedra. „Es gibt keinen Moment, der größer sein könnte als der im Video.“







