Ob Supermarkt, Imbissbude oder Späti: In Berlin kann man zu jederzeit hochprozentigen Alkohol oder Tabak kaufen – leider auch als minderjährige Person. Das hat eine Reihe von Tests, die das Bezirksamt Pankow veranlasst hat, ergeben. Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) und ihre Mitarbeiter aus dem Ordnungsamt sowie dem Innendienst ziehen ein besorgniserregendes Fazit aus der Testreihe – und auch Konsequenzen.

Verkäufer nicht vorführen, sondern sensibilisieren

„Der Sinn hinter den Kontrollen ist es nicht, das Personal eines Geschäfts vorzuführen oder hereinzulegen, sondern die Inhaber und Verkäufer dafür zu sensibilisieren, welche Folgen Unachtsamkeit für Jugendliche haben kann“, sagt Manuela Anders-Granitzki. Die minderjährige Testperson stammt aus dem öffentlichen Dienst des Bezirks und ist im Ausbildungsverhältnis beim Land Berlin oder im Polizeidienst und mindestens 16 Jahre alt.

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Das Mitmachen beruht auf Freiwilligkeit und die Eltern haben zuvor eine Einverständniserklärung unterzeichnet. „Kinder und Jugendliche sind noch nicht in der Lage, die Risiken und Folgen für ihre Gesundheit richtig einzuschätzen“, sagt die Bezirksstadträtin. Bei einem Test ist der oder die Minderjährige nie alleine unterwegs, ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes ist mit dabei. Bei den ersten Tests geht dieser zuvor in das Geschäft, später wartet er davor. Alle möglichen Szenarien werden vorher geschult und besprochen, die testende Person kontrolliert nicht in dem Bezirk, in dem sie wohnt.

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Mehr als die Hälfte haben den Test nicht bestanden

„Es wird nicht willkürlich kontrolliert. Wir konzentrieren uns auf Geschäfte, über die zuvor von besorgten Eltern Beschwerden eingegangen sind“, sagt eine Mitarbeiterin aus dem Innendienst. Insgesamt wurde an 42 verschiedenen Orten kontrolliert, überwiegend aber an Spätis. 23 von 42 getesteten Einrichtungen sind durchgefallen und haben ohne Nachfrage oder Bedenken Tabakprodukte und hochprozentigen Alkohol an die minderjährige Testperson verkauft. „Das ist bedauerlich und alarmierend. Wir ziehen daraus Konsequenzen und erhöhen die Tests zukünftig“, sagt Manuela Anders-Granitzki.

Donnerstag

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Vor allem bei Spätis hat der oder die Minderjährige besonders häufig bekommen, was nicht hätte verkauft werden dürfen: in 20 von 29 Fällen gab es Zigaretten und Schnaps. Die Ordnungswidrigkeit wurde direkt im Anschluss an den Test aufgenommen, ebenso wurden Verkäuferinnen und Verkäufer gelobt, wenn sie sich an das Gesetz gehalten haben und nach einem Ausweisdokument gefragt haben und die Herausgabe von Alkohol und Tabakwaren unterbunden haben. Häufig wurde angegeben die Altersnachfrage vergessen zu haben oder es auf den Stress beim Verkaufen geschoben.

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Bußgelder bis zu 50.000 Euro sind möglich

Die Unachtsamkeit kann sehr teuer enden, besonders für den Inhaber des Geschäfts. Beim erstmaligen Verstoß eines Angestellten zahlt der Inhaber zwischen 200 und 800 Euro, steht er selbst an der Kasse, sind es schon 750 bis 1.500 Euro. Kommt es vermehrt vor, sind Strafen bis zu 50.000 Euro möglich und bei dem Verdacht auf Vorsatz könnte sogar das Berufsverbot ausgesprochen werden. Für die Bezirksstadträtin ist klar: „Die Kontrollen müssen erhöht werden. Das Ergebnis ist nicht hinnehmbar und die Verkäufer müssen dafür sensibilisiert werden, nach einem Ausweisdokument zu fragen.“

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