Die Zukunft des Mauerparks, so wie sie ihren Park kennen und lieben, steht weiterhin auf dem Spiel. Deswegen haben sie am Mittwochabend in der Bezirksverordnetenversammlung Pankow in Prenzlauer Berg alles aufgefahren, was sie auffahren konnten. Auf entschieden hoch gehaltenen Schildern steht „Save Mauerpark“, „Mauerpark and music is my therapy“ und „Mauerpark made me fall in love with Berlin“. Rund zwei Dutzend vornehmlich junge Menschen haben im Besucherbereich Platz genommen, um weiterzukämpfen, flankiert von Alexander Puell, Vorsitzender des Vereins „Freunde des Mauerparks“ und Ulrich Schweizer, Initiator von „Save Mauerpark“. Und dann gibt es auch noch eine Herzensrede.

Donnerstag

Mein Pankow-Newsletter

Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter zu Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Gruppe wohnte der Versammlung, die eigentlich nicht als Besuchermagnet bekannt ist, stundenlang bei, ging es doch gleich in drei Tagespunkten um ihren geliebten Park: Das Offenhalten der Hinterlandmauer für Graffiti-Kunst während der Sanierungsarbeiten, das Vorgehen zur künftigen Parkpflege durch die landeseigene Grün Berlin, vor allem aber um das „Wie weiter?“ bezüglich der Parkordnung. Nachdem die Drucksache zur Hinterlandmauer nach kurzem Einwand der AfD-Fraktion beschlossen wurde, ging es damit weiter. Ein vom Bezirksamt vorgelegter Entwurf gefährdet dabei, so ihre Sorge, die DNA des Mauerparks, denn er sieht deutliche Einschränkungen für Straßenmusik vor.

Mauerpark gleich dreifach Thema in der BVV Pankow

Der Entwurf war vom Straßen- und Grünflächenamt Pankow unter Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) am 12. September im Ausschuss für Klimaschutz, Grünanlagen, Spielplätze, Umwelt und Natur vorgestellt worden. Trommelgruppen und elektronische Tanzmusik wären demnach ohne Genehmigung nicht mehr zulässig. Straßenmusik dürfte bei zeitgleicher Veranstaltung im Amphitheater oder einer Kundgebung nicht mehr dargeboten werden. An vielen Sonntagen wird im Amphitheater Karaoke gesungen – es wären dann aber Tage ohne Straßenmusik. Zudem wären Konzerte nur entlang festgelegter Punkte erlaubt. Und könnte bei Störung von Besuchern jederzeit unterbunden werden.

BVV Mauerpark
Sie demonstrierten in der BVV-Sitzung gegen den restriktiven Parkverordnungsentwurf des Bezirksamts Pankow.© Berliner Morgenpost | Sebastian Struwe

SPD- und Linksfraktion beklagten schon bei der BVV-Sitzung am 18. September, dass der Entwurf keine Rücksicht auf einen einstimmigen Beschluss der BVV zur Fortschreibung der bestehenden Parkordnung vom April nimmt. Dazu gehören Vereinbarungen eines Runden Tisches, an dem auch die beiden genannten Vereine teilnahmen. Demnach müsste Straßenmusik als Element urbaner Kultur weiterhin und insbesondere an Sonntagen stattfinden können. Um Anwohnende und Parkbenutzer vor Lärm zu schützen, wurde unter anderem eine transparente Ausweisung von Musikbereichen genannt.

Am Mittwoch ging es darum, wie weiter verfahren wird. Ein Antrag von SPD- und Linksfraktion forderte, dass die Runden Tische fortgesetzt werden und die neue Parkverordnung der BVV vor Inkrafttreten vorgelegt wird. Ein Änderungsantrag der Grünen-Fraktion, dass das Bezirksamt zusammen mit dem Fachausschuss ein „sinnvolles Verfahren“ abstimmt, sollte der Dissens im Runden Tisch nicht aufgelöst werden.

Mehr Beiträge zum Mauerpark

Straßenmusiker kämpft mit Herzensrede gegen Bezirksamt-Entwurf

Nach entsprechenden Vorträgen von Katja Ahrens (SPD) und Jan Drewitz (Grüne), trat Dorian Götsch vom Publikum ans Rednerpult. Der junge Musiker und YouTuber, der zu den treibenden Kräften der Mauerpark-Bewegung gehört, legte im erfrischenden Kontrast zu den Bezirksverordneten in zehn Minuten angenehm unprofessionell und zugleich locker vor, wieso die Straßenmusik im Mauerpark so wichtig und besonders ist. Er selbst habe, während Corona, im Park mit dem Musikmachen angefangen und eine großartige Community kennengelernt.

„Wie schön, dass ihr das habt. Sowas würde es bei uns nie geben“, hätten US-Amerikaner in Kommentaren auf seine YouTube-Videos aus dem Mauerpark reagiert. Natürlich gebe es auch Probleme, so Götsch, der Entwurf der Parkverordnung sei aber eine „eiserne Faust“ und „übers Knie gebrochen“. Es gelte, gemeinsam weiter an Lösungen zu arbeiten. Dabei erwähnt er auch die sogenannten Acoustic Shells gegen Lärmbelästigung, die bereits getestet wurden.

Nach lautem Applaus seiner Community im Saal folgten weitere Vorträge über das Für und Wider der Anträge und schließlich die Idee des SPD-Mannes Roland Schröder, in einer kurzen Pause nochmal die Köpfe zusammenzustecken. Die nutzten dann auch einige Bezirksverordnete und Mauerpark-Verfechter aus dem Publikum. Dem Änderungsantrag der Grünen wurde schließlich mehrheitlich zugestimmt, so auch der entsprechend geänderten Drucksache. Und das heißt: Dorian und seine Mitstreiter werden im Rahmen des Runden Tisches an Möglichkeiten und Kompromissen weiterarbeiten, um die DNA ihres Parks zu erhalten.

„Unnötiges Katz-und-Maus-Spiel“ im Mauerpark vermeiden

Im direkten Anschluss beschloss die BVV, zeitnah im Rahmen der Vertragsverhandlungen mit Grün Berlin eine angemessene gärtnerische Pflege und Entwicklung des Mauerparks und Falkplatzes zu sichern und forderte das Bezirksamt auf, die Fachausschüsse hierzu regelmäßig zu informieren und die BVV zu beteiligen. Der Vertrag soll bis 2037 laufen.

Mehr Beiträge aus Berlin-Pankow

„Das klare Votum der BVV für Kultur im Mauerpark stärkt uns und die Akteure vor Ort“, so Alexander Puell gegenüber der Morgenpost. Ein Verfahren aus dem Kreis der Betroffenen, mit Kreativen und Anwohnern, brauche seine Zeit – „dafür werden die Regelungen aber auch angenommen und ein unnötiges Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Kreativen und den Ordnungshütern vermieden“. Der Mauerpark brauche einfach „mehr Sorgfalt“. Der Beschluss zur Graffiti-Wand zeige zudem, dass sich Bauen und Kultur verbinden lassen.

„Wir werden weiterhin das Bezirksamt und die Grün Berlin tatkräftig unterstützen, den Mauerpark mit Augenmaß zu betreuen“, fügt Puell selbstbewusst hinzu – und dankt der BVV für ihren Einsatz. Ohne dessen Engagement „wäre der Mauerpark ein anderer – sicher ein deutlich langweiligerer.“