Ein modernes Stadion mit Platz für 20.000 Zuschauer, dazu ein lichtdurchfluteter Skywalk und Rampen, die dem erleichterten Zugang von Rollstuhlfahrenden dienen und ganz natürlich in die Architektur integriert werden – der Siegerentwurf des Architekturbüros O+M aus Dresden für das neue Jahn-Stadion in Prenzlauer Berg verspricht viel. Einziger Haken: Das Projekt könnte mehr als 70 Prozent teurer werden als ursprünglich geplant. Das bestätigte der Senat in seinem aktuellen Bericht an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. Das führt zu der Frage, ob sich Berlin ein neues Stadion in dieser Form überhaupt leisten kann. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ darüber exklusiv berichtet.

Mit der Schadstoffsanierung läuft derzeit bereits jetzt die erste Phase, mit dem dazugehörigen Rückbau des jetzigen Cantianstadions soll im dritten Quartal 2024 begonnen werden. Danach sind die Abrissarbeiten auf ein Jahr angesetzt. Trotz späteren Baubeginns soll der Arena-Neubau ab 2025 deswegen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2027 stehen.

Laut Angaben der Senatssportverwaltung von 2019 sollte das neue zweit- und drittligataugliche Stadion 97 Millionen Euro plus Abriss kosten. Doch dabei wird es nicht bleiben. Mittlerweile werden allein für den Stadionbau 168 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen 20 Millionen Euro für den Abriss der alten Arena. Damit müsste das Land Berlin insgesamt 188 Millionen Euro in Prenzlauer Berg investieren.

Das bisherige Stadion aus DDR-Zeiten ist baufällig und soll abgerissen werden.
Das bisherige Stadion aus DDR-Zeiten ist baufällig und soll abgerissen werden.© picture alliance / Bildagentur-online/Schoening | Bildagentur-online/Schoening

Zumindest der Zeitplan für den Neubau wackelt

Hauptgrund für die Kostenexplosion sei „die Indexsteigerung der Baupreise im entsprechenden Zeitraum zwischen geprüftem Bedarfsprogramm und zur Prüfung eingereichter Vorplanungsunterlagen“, heißt es in dem Bericht. Diese betrage allein 47 Prozent „beziehungsweise ca. 46.000.000 Euro“. Die restlichen 25 Millionen Euro seien darauf zurückzuführen, dass die Planung noch mal mehr abverlangt habe.

Damit scheint der Neubau des Stadions plötzlich wieder in Gefahr zu sein. Das Abgeordnetenhaus hatte nur eine Finanzierung von 97 Millionen Euro plus der 14 Millionen für den Abriss zugesagt. Ob das Geld fließt, sei „mit Blick auf die investiven pauschalen Minderausgaben ab 2026 in Höhe von weit über 1 Mrd. Euro pro Jahr derzeit offen“, heißt es in dem Bericht, der vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) unterzeichnet wurde. Zumindest sei es aber fraglich, ob der ursprüngliche Zeitplan für die Umgestaltung eingehalten werden könne. „Insoweit können sich bei den nachfolgend genannten Meilensteinen Verzögerungen ergeben“, lautet der entsprechende Absatz in dem Bericht.

Auch die Umgestaltung des restlichen Sportparks unter Gesichtspunkten der Inklusion soll deutlich mehr Geld verschlingen als geplant. Für den dritten Bauabschnitt werden nach der neuesten Kostenschätzung nun 119 Millionen Euro veranschlagt. Vorgesehen sind unter anderem eine Multifunktionshalle, ein Besucherzentrum, ein „Haus der Fußballkulturen“ und sechs Fußballplätze. Alles in allem würde das Gesamtprojekt 300 Millionen Euro aus Landesmitteln verschlingen. Am 12. Juni soll der Senatsbericht in der 63. Sitzung des Hauptausschusses behandelt werden.